Nach Rücktritt: Die AfD trauert Lucassen nicht nachdem

Nach dem Rücktritt des verteidigungspolitischen Sprechers der AfD, Rüdiger Lucassen, von seinem Amt bemüht die AfD sich um Glättung der Wogen. Der erste parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Bernd Baumann, sprach am Dienstag vor Journalisten von „Auseinandersetzungen, die finden Sie in allen Fraktionen“. Da gehe es um „Psychologie“. Arbeitskreise organisierten sich selbst, dabei spielten nicht nur programmatische Fragen, sondern auch persönliche Dinge eine Rolle. Möglicherweise hätten sich nun die Mehrheiten zuungunsten von Lucassen verschoben.
Die Frage, ob die Expertise des früheren Bundeswehroffiziers Lucassen im Bereich Verteidigung künftig fehlen würde, verneinte Baumann. Man habe viele Soldaten in den eigenen Reihen, und Lucassen sei ja schließlich auch nicht weg, sondern nur von seinem Amt zurückgetreten.
Abkehr von einer „Freund-Feind-Spirale“
Lucassen ist als wichtigster Verteidigungspolitiker der AfD bekannt. Er hatte am Montag in einem Brief an den Fraktionsvorstand mitgeteilt, mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern zurückzutreten.
In dem Schreiben, das der F.A.Z. vorliegt, begründet er das damit, dass es in den vergangenen Monaten in der öffentlichen Diskussion „immer wieder um meine Person und den außen- und sicherheitspolitischen Kurs unserer Partei, den ich vertrete“, gegangen sei. Die Diskussion stecke in einer innerparteilichen „Freund-Feind-Spirale“ fest. Das wolle er in Zukunft vermeiden, um die „großen Siegchancen der AfD in den kommenden Landtagswahlen nicht durch Personaldebatten zu schmälern“.
Lucassen war damit einem Misstrauensantrag im Arbeitskreis Verteidigung der AfD zuvorgekommen. Dort war er unter Druck geraten. Er tritt für die NATO und die möglichst baldige Reaktivierung der Wehrpflicht in Deutschland ein. Damit hatte er den Ärger des völkischen Lagers auf sich gezogen. Gerade im Osten Deutschlands können sich viele nicht vorstellen, für Deutschland in seiner gegenwärtigen Form zu kämpfen; viele in der Fraktion sehen das ebenso.
Lucassen hatte sich mit diesem Lager angelegt, insbesondere, indem er öffentlich entsprechende Äußerungen des Thüringer Landeschefs Björn Höcke kritisierte. Dessen Leute in der Bundestagsfraktion hatten daraufhin Lucassen als innerparteilichen Gegner identifiziert.
Source: faz.net