Marktbericht: US-Rekorde stützen den Deutscher Aktienindex
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Starke Vorgaben aus den USA und Japan schieben den DAX ins Plus. Anleger hoffen auf eine Verlängerung des Waffenstillstands zwischen den USA und Iran. Der hohe Ölpreis sorgt jedoch für Zurückhaltung.
Der DAX legt im frühen Handel rund 0,2 Prozent auf etwa 24.120 Punkte zu und hält sich damit über der runden Marke von 24.000 Punkten. An der Frankfurter Börse herrscht zarter Optimismus. Vor allem weil Medien wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichten, dass die USA und Iran erwägen, die Waffenruhe um zwei Wochen zu verlängern. Gestern noch hatte sich der deutsche Leitindex kaum bewegt und war bei 24.066 Punkten auf der Stelle getreten.
„Derzeit setzen Marktteilnehmer auf fortgesetzte Friedensverhandlungen zwischen den USA und Iran, die Risikobereitschaft ist gestiegen und die Renditen sind im Zuge rückläufiger Energiepreise gesunken“, heißt es von den Marktbeobachtern der Helaba.
Während der DAX-Kurs nur langsam anzieht, haben in den USA und Japan einige wichtige Indizes zuletzt sogar wieder Allzeithochs verzeichnet. An der Wall Street erreichten der marktbreite S&P 500 und der technologielastige Nasdaq-Index Rekordstände. In Japan zog der Nikkei heute nach: „Die Hoffnung auf eine Verlängerung des Waffenstillstands (zwischen dem Iran und den USA) treibt Anlegerinnen und Anleger in Aktien“, kommentierte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.
„Was wir hier sehen, ist eine für Aktienmärkte typische Entwicklung: Die Psychologie der Anleger hat sich von extremer Angst über eine neutrale Haltung bis hin zu, aktuell, Gier gewandelt“, schrieb Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, in seinem Tageskommentar.
Im Moment würden viele Anleger kaufen, um erst später Fragen zu stellen. „Der Zeitpunkt für Fragen wird jedoch kommen. Die Ungeduld über die Fortschritte in den Verhandlungen zwischen Iran und den USA wird zunehmen, wenn die Ergebnisse ausbleiben“, so Stanzl.
Am Rohstoffmarkt bleibt die Lage angespannt. Sowohl die Preise für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee und für das US-Leichtöl WTI legen leicht zu. Allerdings liegen die Notierungen derzeit unterhalb von 100 Dollar. „Bis ein Friedensabkommen geschlossen und die freie Schifffahrt durch die Meerenge Hormus wiederhergestellt ist, dürften die WTI-Preise voraussichtlich weiter zwischen 80 und 100 Dollar schwanken“, sagte Toshitaka Tazawa, Analyst bei Fujitomi Securities. Zwar gebe es Hoffnungen auf eine Deeskalation im Nahen Osten, aber viele Anleger blieben weiterhin skeptisch.
Solange die Straße von Hormus nicht wieder für alle passierbar sei, hänge der Ölpreis weiterhin wie ein Damoklesschwert über den Finanzmärkten, unterstreicht Christian Henke, Marktanalyst bei IG Markets. Vor allem die auf günstige Energie angewiesene deutsche Wirtschaft leidet unter hohen Öl- und Gaspreisen.
Chinas Konjunktur ist nach einem schwachen vierten Quartal 2025 zu Jahresbeginn trotz neuer globaler Konflikte stärker gewachsen als erwartet. In den ersten drei Monaten legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach vorläufigen Daten um 5,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, teilte die Statistikbehörde in Peking mit.
Bemerkenswert sei, dass diese Entwicklung weniger zyklisch als strukturell geprägt scheine, stellte Ulrich Stephan fest, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Chinesische Exporteure würden vor allem von zwei globalen Megatrends profitieren. „Zum einen vom starken Ausbau weltweiter Rechenleistung im Zuge zunehmender Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz, der Herstellern von Elektronik und entsprechender Ausrüstung volle Auftragsbücher beschert“, so Stephan. Zum anderen profitiere China von der Energiewende, die durch den Konflikt in der Golfregion zusätzliche Impulse erhält und chinesischen Green‑Tech‑Exporteuren nachhaltigen Rückenwind verleiht.
„Von der Energiekrise scheint China wenig zu merken“, kommentierte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. „Hohe strategische Reserven und ein guter Energiemix helfen, dass China weniger leidet als andere asiatische Länder.“
Source: tagesschau.de