Konstanzer Skater Kontakt haben ihn: Wer ist Luigi Pantisano, jener Linken-Parteichef werden will?

Ein Architekt aus Baden-Württemberg bewirbt sich um Jan van Akens Nachfolge: Luigi Pantisano will als Linke-Chef Ökologie und Soziales versöhnen. In Konstanz, wo eine Straßenlaterne nach ihm heißt, wäre er fast Oberbürgermeister geworden


„Statt Konkurrenz- und Ellenbogendenken möchte ich Solidarität und Gemeinwohl fördern“, sagt Luigi Pantisano

Foto: Picture Alliance/dts-Agentur


Er ist 46 und hat schon viel erlebt, gerade im linken Spektrum Baden-Württembergs – das gehört nicht unbedingt zur DNA des Bundeslands. Luigi Pantisano war Gemeinderat, wäre beinahe Oberbürgermeister geworden und sitzt heute als einziger Abgeordneter für Stuttgart im Bundestag. Jetzt will Pantisano Bundesvorsitzender der Linken werden und steckt sich große Ziele: „Die zurückzugewinnen, die zu Recht wütend und enttäuscht sind von der Politik.“

In Konstanz steht in Erinnerung an ihn sogar eine Laterne. Die hätte ein grün-rot-rot strahlender Scheinwerfer aus dem Südwesten der Republik werden können und sollen. Bloß haben die Landesverbände von Grünen, SPD und Linken kläglich versagt.

Der Quartiersmanager und der Skatepark in Konstanz

Aber von Anfang an: Pantisano, von dem Mitschülerinnen erzählen, er habe schon damals die Rolle des Mädchenschwarms jedenfalls nicht abgelehnt, kennt die 87.000 Einwohner zählende Stadt am Bodensee wie seine Westentasche. 2009 wurde er „Quartiersmanager“ in Konstanz, die Jobbeschreibung blieb unpräzise. Er selbst sprach nachträglich von einem „desaströsen Start“, weil gar nicht klar gewesen sei, wie die Arbeit an der „sozialen Stadt“ eigentlich aussehen muss.

Er bastelte am Konzept. Noch ehe der Grüne Winfried Kretschmann als neuer Ministerpräsident anno 2011 seine „Politik des Gehörtwerdens“ erfand, setzte Pantisano auf Beteiligung. Ein Nachbarschaftsgarten entstand, aus einer gemeinsamen renovierten Arztpraxis wuchs das Quartierszentrum eines Stadtteils namens Berchen-Öhmdwiesen. Jugendliche baten dort um eine Straßenlaterne am Skatepark, um die kurzen Winternachmittage zu verlängern.

Dank Pantisanos Engagement und dem Sponsoring der Energie Baden-Württemberg (EnBW) leuchtete irgendwann tatsächlich eine Laterne am Skatepark. Sein Name ist im linken Lager und bei Grünen inzwischen weit über Konstanz hinaus bekannt. Schließlich, zur OB-Wahl 2020, lag es ziemlich nahe, in der „Stadt zum See“, den CDU-OB Uli Burchardt herauszufordern.

Warum Luigi Pantisano nicht Oberbürgermeister in Konstanz wurde

Da kommen die Landesverbände der drei schon erwähnten Parteien wieder ins Spiel und das linke Lager im Südwesten, inklusive der Grünen: In Karlsruhe funktionierten Absprachen schon seit 2012. Der Sozialdemokrat Frank Mentrup wurde gewählt und acht Jahre später im Amt bestätigt. Aus den Städten Stuttgart und Konstanz hätte ein Paket geschnürt werden können: Veronika Kienzle (Grüne) hätte ihrem Parteifreund Fritz Kuhn (Grüne) ins höchste Amt der Landeshauptstadt folgen und Pantisano, der im ersten Wahlgang vorne lag, OB in Konstanz werden können.

Weil es aber keine Absprachen gab, fielen beide Chefsessel an die CDU. Mit einem – aus Sicht der Schwarzen – zumindest höchst unerfreulichen Nebeneffekt. Denn der inzwischen in und um Stuttgart beheimatete frühere Gemeinderat Pantisano kandidierte 2025 bei der Bundestagswahl und stellt – neben der Grünen Simone Fischer – die einzige Vertretung der Schwabenmetropole in Berlin. „Bei uns hat er keine Freunde“, berichtet eine altgediente Ex-CDU-Kollegin, niemand aus der CDU fühle sich durch ihn in der Bundespolitik vertreten.

Der Architekt und Stadtplaner will das Ökologische und das Soziale verbinden

Andere durchaus. Hannes Rockenbauch, der Freund und Weggefährte aus dem Stadtparlament und der Fraktion „Stuttgart Ökologisch Sozial“ (SÖS), sieht zwar einerseits die „gigantischen Fußstapfen“ in die Pantisano nach Jan van Aken treten würde, andererseits aber „den Willen und das Durchhaltevermögen, um in der neuen Rolle zu wachsen“. Zumal es eine immer weiter klaffende Leerstelle gebe, ausgehend gerade von Baden-Württemberg: „Wer verbindet das Ökologische und das Soziale?“, fragt Rockenbauch rhetorisch und mit Blick auf die Neupositionierung der Grünen unter Cem Özdemir in der Mitte. Die Linke dagegen stehe „für eine Welt ohne Ausbeutung von Mensch und Natur“. Und diese Haltung verkörpere Pantisano.

Auffallende Parallelen übrigens gibt es – nicht programmatisch zwar, aber biographisch – gerade zu Cem Özdemir. Der Architekt und Stadtplaner ist ebenfalls vom Kind (italienischer) „Gastarbeiter“ zum Akademiker aufgestiegen. Er weiß, was es heißt, Anerkennung in den ersten Schuljahren wegen der Herkunft der Eltern verweigert zu bekommen. Wie es sich anfühlt, verschlungene Wege gehen zu müssen. „Statt Konkurrenz- und Ellenbogendenken möchte ich Solidarität und Gemeinwohl fördern“, schlägt der Vater von zwei Kindern den Bogen nach Berlin und zum jetzt angepeilten Amt an der Spitze der Partei: „Hoffnung gegen rechts“ möchte er sein und sie organisieren.

Der Skatepark mit der Pantisano-Laterne wurde gerade umgebaut

Denn: „Immer mehr Menschen wenden sich von den etablierten Parteien und Politiker*innen ab, weil sie sich von ihnen vergessen, verlassen und nicht repräsentiert fühlen“, heißt es in Pantisanos Bewerbungsschreiben. Die AfD greife die Wut und Hoffnungslosigkeit vieler auf, schüre sie weiter, nutze sie für rechte Hetze, und die anderen Parteien eiferten ihr nach. Mit der Linken dagegen will er Solidarität und Zusammenhalt konkret in Politik umsetzen.

Der Skatepark in Konstanz ist übrigens erst kürzlich umgebaut worden – die Mittel aus dem Stadtsäckel waren dürftig, das ehrenamtliche Engagement umso größer. Vielleicht wird später einmal ein Namensgeber gesucht und gefunden. Die Laterne in Berchen-Öhmdwiesen hieß bei den Nutznießenden noch lange Zeit nach Pantisano.