Indonesiens Balanceakt: Öl aus Russland, Sicherheit aus Amerika

Aus diplomatischer Sicht war der vergangene Montag ein ereignisreicher Tag für Indonesien. Nachdem der indonesische Präsident Prabowo Subianto in Moskau Wladimir Putin getroffen hatte, vereinbarte sein Verteidigungsminister in Washington mit seinem Amtskollegen Pete Hegseth eine neue Militärpartnerschaft.
Die unterschiedlichen Termine sind ein Ausdruck eines außenpolitischen Balanceakts, den Jakarta zwischen den Großmächten verfolgt. Der indonesische Journalist Johannes Nugroho sieht Prabowo sogar auf einer Art Schlingerkurs: Er warf ihm im Onlinemagazin „Nikkei Asia“ jüngst „eine unruhige, inkonsequente Außenpolitik“ vor.
Bei seinem Treffen mit Putin wollte Prabowo offenbar zusätzliche russische Energielieferungen in die Wege leiten, mit denen Indonesien die negativen wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs und der faktischen Sperrung der Straße von Hormus abfedern möchte. Indonesiens Kabinettssekretär Teddy Indra Wijaya sagte lokalen Medien, dass die Präsidenten eine stärkere Zusammenarbeit vereinbart hätten, „insbesondere in Bezug auf die Energieversorgungssicherheit bei Öl und Gas“. Prabowo und Putin hätten sich allein im vergangenen Jahr fünfmal bei verschiedenen Anlässen getroffen, so der Sekretär weiter.
USA bemühen sich um Sicherheitspartnerschaften in der Region
Dagegen geht es bei der neuen Militärpartnerschaft mit Washington weniger um Energiesicherheit, sondern um Absicherung angesichts geopolitischer Herausforderungen, die insbesondere der Aufstieg Chinas mit sich bringt. Die nun beschlossene „Major Defense Cooperation Partnership“ solle als Rahmen dienen, „um die bilaterale Verteidigungszusammenarbeit zwischen den USA und Indonesien voranzutreiben und so Frieden und Stabilität in der gesamten indopazifischen Region zu wahren“, hieß es in einer Mitteilung des Pentagons. Die Vereinbarung beruhe auf drei „Grundpfeilern“: Kapazitätsaufbau, Ausbildung und gemeinsame Übungen.
Der lokalen Presse zufolge ist die Vereinbarung vor allem im Kontext des strategischen Wettbewerbs zwischen den USA und China im indopazifischen Raum zu sehen. Vor diesem Hintergrund bemühen sich die USA schon länger um engere Sicherheitspartnerschaften in der Region. So führen die USA und Indonesien Hegseth zufolge jährlich mehr als 170 gemeinsame Militärübungen durch.
Derzeit steht zudem die Möglichkeit im Raum, dass Jakarta den USA Überflugrechte für seine Militärflugzeuge gewähren könnte. Entsprechende Berichte hat Indonesiens Verteidigungsministerium allerdings relativiert. Ein entsprechendes Dokument, über das berichtet worden war, habe derzeit „keine rechtliche Wirkung“.
Trumps „Friedensrat“ ist in Indonesien umstritten
Die Aufwertung der Verteidigungspartnerschaft mit den USA will Indonesien nicht als grundsätzliches Abrücken von China verstanden wissen. Unter seiner „freien und aktiven“ Außenpolitik verfolgt Indonesien weiter enge Beziehungen zu seinem wichtigsten Wirtschaftspartner. Im vergangenen Jahr war Indonesien auch der BRICS-Staatengruppe beigetreten, der China und Russland ebenfalls angehören. Darüber hinaus hat es die Kooperation mit Mittelmächten wie Australien, Japan und Indien ausgebaut – erst Ende vergangenen Jahres hatte Jakarta sein Sicherheitsbündnis mit Canberra weiter gestärkt.
Der Journalist Nugroho sieht in diesen Initiativen Prabowos denn auch vor allem ein Bemühen, Indonesien mehr Geltung auf der Weltbühne zu verschaffen. So stellte Prabowo etwa in Aussicht, Tausende indonesische Soldaten zur Sicherung eines Friedens in Gaza schicken zu wollen. Darüber hinaus gehörte Indonesien zu denjenigen Ländern, die an der ersten Sitzung von US-Präsident Trumps „Friedensrat“ teilgenommen hatten. In Indonesien ist das umstritten, da sich das mehrheitlich muslimische Land traditionell auf der Seite der Palästinenser sieht.
Nach dem amerikanisch-israelischen Angriff auf Iran verkündete die Regierung, dass die Verhandlungen zum „Friedensrat“ vorläufig ausgesetzt seien. Zudem bekräftigte Prabowo, dass Indonesien das Gremium verlassen könnte, wenn es sich als „kontraproduktiv“ erweise. Manche fordern schon jetzt den Austritt. Und auch die Beteiligung an einer Friedensmission in Nahost findet wenige Anhänger, seitdem drei indonesische UN-Blauhelmsoldaten im März in Libanon zu Tode gekommen waren.
Source: faz.net