Endlich Freitag: Michael Jackson-Biopic, HBO-Serie „Chernobyl“, Seeßlen zum Trump-Comic

Hallo,

die Meldung, dass es ein Biopic zu Michael Jackson geben würde, löste schon vor Jahren sehr verschiedene Reaktionen aus. Man konnte sich eigentlich kaum vorstellen, wie das gehen sollte: diesen „gefallenen Helden“ darzustellen ohne Empörung auszulösen, sei es bei den unbeirrbaren Fans oder bei von den Missbrauchsvorwürfen Entsetzten. Die Macher haben versucht, den Mittelweg zu finden, mit dem sich die meisten Zuschauer ins Kino locken lassen. Das Ergebnis kann nur zwiespältig sein – und lässt vieles einfach weg. Jenni Zylka beschreibt ihre Enttäuschung.

Das Genre Biopic kommt in so einem Fall an seine Grenze. Ein ehrlicherer Film könnte vielleicht erst dann entstehen, wenn man Jacksons Leben fiktionalisiert als das eines anderen. Der französische Regisseur Thierry Klifa macht es so mit dem Skandal um die L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt. In Die reichste Frau der Welt gibt Isabelle Huppert ihre Interpretation unter anderem Namen und was herauskommt, ist so spannend wie amüsant. Lesen Sie die Kritik von Gerhard Midding.

Der Regierungswechsel in Ungarn bringt unter anderem ans Tageslicht, wie weit Viktor Orbán die Medienlandschaft in seinem Sinn umgebaut hat. Für den Freitag hat Agnes Szabó darüber mit Attila Mong gesprochen, auch darüber, was in nächster Zeit konkret zu tun ist.

Es gehe nicht um Vergeltung, sondern um Aufarbeitung, sagt Mong. „Damit das Land aus den vergangenen 16 Jahren lernt und sich zu einer Demokratie entwickelt, in der sich ein solcher Machtmissbrauch nicht wiederholt.“

1. Heute wichtig

2. Made My Day

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Der Hase und die Wölfe. Was ich der KI persönlich übel nehme, ist, dass sie mir den Spaß an Katzen-Videos geraubt hat. Bis vor kurzem waren Amateuraufnahmen von diesem sehr eigensinnigen, weil quasi nicht zu dressierenden Haustier mein Balsam. Seit generierte Filmchen mit schlagzeug-spielenden, smoking-tragenden, teig-knetenden Kätzchen die Kanäle überschwemmen, ist mir der Spaß verdorben.

Aber dann taucht doch wieder ein Tier-Video aus den Tiefen des Internets auf, das die Faszination am Unberechenbaren, Spontanen wachruft. Wie die Drohnen-Aufnahme des Hasen, der von zwei Wölfen gejagt wird, aber nie aufgibt! Offenbar in China gedreht, sieht man die Tiere gut, weil es über verschneite Flächen geht. Der Hase ist nicht nur beeindruckend schnell, sondern verblüfft damit, wie er ein ums andere Mal durch Hakenschlagen seine Verfolger austrickst. Ein echter Thriller, spannend bis zum Schluss.

Zum Video-Link

3. Kultur-Tipp

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➜ Gut zu sehen: Ich kann mich noch an die April- und Mai-Tage vor vierzig Jahren erinnern. An die Ungläubigkeit, mit der man die ersten Nachrichten (aus Schweden!) über erhöhte radioaktive Strahlungen aufnahm, an diffuse Ängste vor dem „Fallout“ und an Witze über Jodtabletten. Und an die Bedrückung, die von da an mit dem Namen Tschernobyl verbunden war. Sowohl wegen der Reaktor-Katastrophe selbst als auch wegen der Informationspolitik, für die das Vertuschen von Fehlern wichtiger schien als die Aufklärung über Gefahren.

Genau diesen Aspekt arbeitete die HBO-Serie Chernobyl, die 2019 herauskam, in großartiger Weise heraus. Sie zeigte das Vertuschen nicht als Strategie böswilliger KPdSU-Funktionäre, sondern als erlernte Reaktionen eines Systems, das Probleme routinemäßig mit Unter-den-Teppich-Kehren löste.

Man darf die fünfteilige Miniserie – man kann sie auf Wow oder Sky-to-Go streamen – nicht mit einer Dokumentation verwechseln; sie erzählt nach, mit fiktiven Freiheiten, mit Erfinden von Details und Dialogen. Wie zum Beispiel in einer meiner Lieblingsstellen, in der Stellan Skarsgård als Funktionär Boris Schtscherbina für die Bergarbeiter, die einen Tunnel unter dem Reaktor graben mussten, die Wahrheit fordert: „Diese Männer arbeiten im Dunkeln. Sie sehen alles.“

Anders als heute gab es 2019 in Russland noch größere Medienfreiheit, vor allem was die internationalen Social-Media-Kanäle angeht. Weshalb man ganz gut verfolgen konnte, welches Echo die amerikanische Serie in Russland selbst fand. Ich habe seinerzeit in meiner Rezension ein wenig dazu geschrieben. Das wieder zu lesen, stimmt noch auf andere Weise sentimental – nach dem Überfall auf die Ukraine sind solche Beobachtungen gesellschaftlicher Stimmungen in Russland per Internet fast unmöglich geworden.

Link zur Serie

4. Lese-Empfehlung

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➜ Ist Donald Trump ein Verrückter, der die Welt bedroht, oder ist die Welt so verrückt geworden, dass sie nur einen Donald Trump hervorbringen kann? Das ist die Frage unserer Zeit. Georg Seeßlen beschreibt in seinem neuen Essay, wie sehr Trumps Pointen bereits auf den allgemeinen Wirklichkeitsverlust bauen. Und er erinnert daran, dass Trump aber gerade keine Comic-Figur ist: „Er existiert wirklich. Und es gibt so gut wie keinen Menschen auf der Welt, der von dem, was er sagt und tut, nicht betroffen ist.“ Lesen Sie den ganzen Text, es lohnt sich.

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Wäre nicht alles auf eine so furchtbare Weise real, Donald Trump gäbe die ideale Figur für einen Comic-Strip ab. Erstes Bild: Donald will etwas haben und droht denen, denen es gehört, mit brutaler Gewalt. Zweites Bild: Donald macht etwas Bösartiges, Widersinniges und Planloses. Drittes Bild: Vor Trümmern, Mauern und Explosionen sitzt Donald auf einem goldenen Klo, wischt sich den Hintern mit dem Völkerrecht und lässt sich von seinen Vasallen für seinen großartigen Deal mit irgendwas Goldenem feiern.

Ein solch klassischer Drei-Bilder-Gag-Strip lässt sich zwar ausgiebig variieren, unterliegt aber auch einer gewissen Steigerungslogik. Der Abgrund zwischen dem Haben-Wollen und dem Zerstörung-Anrichten muss immer größer werden, damit nicht gar ein Gewöhnungseffekt eintrete.

Der letzte Strip dieser Art ist folgerichtig jener, in dem Donald die ganze Welt haben will – und der Planet daraufhin zugrunde geht. Das mittlere Bild zeigt seinen Daumen auf dem roten Knopf. In der dazugehörigen Sprechblase scheinen zwischen Schimpf- und Zensur-Zeichen die Worte „ganze Zivilisation vernichten“, „Hölle bereiten“, „f***ende Bastarde“ und „Steinzeit“ auf. Und während im letzten Bild die Erde unter einem Atompilz zerbirst, lobpreisen die Börsianer den größten Dealmaker aller Zeiten mit einem Allzeithoch.

zum ganzen Text

Das wär’s für heute. Angesichts der Wettervorhersage für die nächsten Tage wünsche ich allen viel freie Zeit im Freien – mit der ein oder anderen Pause für Freitag-Lektüre natürlich.

Viele Grüße,

Ihre Barbara Schweizerhof

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