Car-Sharer Miles will Robo-Taxen gen die deutschen Straßen schicken
Das Berliner Unternehmen sucht einen Partner, um ab 2027 Robo-Taxen einsetzen zu können. Es geht darum, Erfahrung für die Mobilität der Zukunft zu sammeln. Der erste Test soll sich auf ein oder zwei deutsche Großstädte konzentrieren.
Der deutsche Carsharing-Anbieter Miles will ab 2027 auch Robo-Taxen betreiben. Das sagte Miles-Chef Oliver Mackprang WELT AM SONNTAG. Dabei soll Miles nicht selbst zum Entwickler von autonomen Fahrzeugen werden, aber mehr als ein bloßer Vermittler von Fahrten sein.
Während etwa in den USA und China fahrerlose Taxen bereits in mehreren Städten unterwegs sind, gibt es in Europa erst wenige Pilotprojekte mit Sicherheitsfahrern. So testet etwa die Volkswagen-Tochter Moia autonome Kleinbusse in Hamburg und Berlin. Das kalifornische Google-Schwesterunternehmen Waymo steht zudem kurz vor dem Start in London – also in Europa, aber außerhalb der EU.
Noch ist unklar, welches Geschäftsmodell sich durchsetzt. Volkswagen setzt mit Moia in Europa auf die Kooperation mit Verkehrsverbünden, die die Fahrten in den autonomen Sammeltaxis subventionieren könnten. Uber nimmt in den USA autonome Angebote mit in seine Taxi-App auf, meist ohne selbst zum Betreiber zu werden. Waymo dagegen entwickelt und betreibt seine Flotten bislang bis hin zur App selbst.
Miles-Chef Mackprang strebt an, ähnlich wie beim Car-Sharing einsatzbereite Fahrzeuge bei einem Partner zu leasen oder zu kaufen und die Flotte so selbst zu finanzieren, zu betreiben und zu warten. Das wäre eine Ausweitung des Geschäftsmodells von Miles, das bislang Autos per App minuten- bis wochenweise an Nutzer vermietet, aber keinen Taxi-Service anbietet.
„Wir sind in Europa noch einige Jahre entfernt“
Einen Partner hat Mackprang für das Vorhaben noch nicht. Dieser müsse bis September gefunden werden, wenn es noch 2027 losgehen solle, sagte der Manager. Zunächst gehe es dabei darum, Erfahrungen mit dem Geschäftsmodell zu sammeln.
Mackprang geht davon aus, dass bei Miles zunächst bis zu einige Hunderte Fahrzeuge in eng umrissenen, gut nachgefragten Abschnitten in ein bis zwei deutschen Großstädten unterwegs sein könnten – voraussichtlich zum Start mit Sicherheitsfahrern und nur für eine geschlossene Nutzergruppe. Das liegt auch daran, dass in der EU noch keine Robotaxen für den kommerziellen Einsatz zugelassen sind. Die autonomen Fahrzeuge in den USA und China sind ebenfalls in begrenzten, eigens kartografierten Stadtgebieten unterwegs.
„Wir sind in Europa noch einige Jahre entfernt vom kommerziellen Einsatz im großen Stil“, sagte Mackprang. „Wir wollen aber von Beginn an dabei sein, um über einen langen Zeitraum Expertise aufbauen zu können. So fehlt etwa noch das Gespür dafür, wie die gesellschaftliche Akzeptanz in Deutschland sein wird.“ Klar sei, dass ein sicherer Betrieb dafür entscheidend werde.
Experten rechnen damit, dass Robotaxen nicht nur klassischen Taxibetrieben, sondern auch Carsharing-Unternehmen Konkurrenz machen – insbesondere dann, wenn einmal viele Automodelle serienmäßig autonom fahren können. Gegenüber Carsharing hätten autonome Autos den Vorteil, dass sie eigenständig zu Nutzern fahren können. Das könnte die Standzeiten der Autos deutlich reduzieren. Für dieselbe Anzahl an Kunden in einer Stadt wären dann weniger Autos nötig. Bislang allerdings ist die Technik teuer. Erst zwischen 2020 und 2035 könne ein Robotaxi unterm Strich günstiger operieren als ein Taxi mit Fahrer, prognostiziert Mackprang.
Miles wurde 2016 als Start-up gegründet, 2022 übernahmen die Berliner die VW-Tochter WeShare. Nach Unternehmensangaben sind aktuell rund 15.000 Fahrzeuge in der Flotte. 2024 habe der Umsatz bei 231,5 Millionen Euro gelegen. Allerdings hat Miles seitdem den belgischen Markt aufgegeben, in dem es besonders viele Vandalismusschäden gegeben haben soll.
Source: welt.de