Wie wichtig sind Abiturnoten heute noch zu Gunsten von zusammenführen Studienplatz?

Stand: 15.04.2026 • 15:22 Uhr

Lehrkräfte warnen: Die Bedeutung des Abiturs als Hochschulzugangsberechtigung nimmt immer mehr ab. Was bedeutet das für Abiturientinnen und Abiturienten?

Von Anja Braun, SWR

Vielen Schülerinnen und Schüler bereiten sich aktuell auf das Abitur vor oder haben bereits mit den Prüfungen begonnen. Das bedeutet vor allem: Lernstress. Dabei können sie eigentlich recht entspannt in die Zukunft schauen. Die Studienbedingungen sind gut, nur noch knapp ein Drittel der Studienangebote sind überhaupt zulassungsbeschränkt. Wie relevant ist die Abiturnote also heute noch?

Gibt es eine „Einser-Schwemme“ im Abitur?

Lehrkräfte warnen seit Jahren, dass die Aussagekraft eines Abiturs als Hochschulzugangsberechtigung verloren ginge. Im vergangenen Jahr war von einer regelrechten Schwemme an überdurchschnittlich guten Noten im Abitur die Rede.

Bildungsforschende sehen darin weniger ein Problem. Dieter Dohmen, Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS), hat die Abiturnoten der vergangenen Jahre analysiert. Das Ergebnis: Es gibt zwar mehr Einser-Abiture als noch vor zehn Jahren. Der Anteil der sehr guten Noten mit einer Eins vor dem Komma, der während der Corona-Pandemie seinen Höchststand erreichte, ist aber den Erhebungen des FiBS zufolge wieder rückläufig.

Abiturnote von Bundesland und Schule abhängig

Der Datenanalyst Cort-Denis Hachmeister vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) wertet jedes Jahr im Check Numerus Clausus die Zugangsbeschränkungen der deutschen Universitäten und Hochschulen aus. Er kommt zu dem Schluss, dass das Abitur nur schwer vergleichbar ist. Denn Abiturprüfungen und sogar einzelne Fächer können sehr unterschiedlich ausgestaltet sein. „Die Abiturnote ist ein Indikator für die Fähigkeit, in der Schule gut zu sein, aber jetzt nicht unbedingt immer der einzig Wahre für alle Studienfächer“, so Hachmeister.

Auch Dieter Dohmen hält die Debatte um Abiturnoten für überzogen: „Ich muss mit dem Mythos aufräumen: Ein Abitur war nie vergleichbar.“ Das sei nicht nur zwischen Bundesländern der Fall, sondern Dohmen zufolge auch zwischen Schulen und teilweise sogar zwischen einzelnen Klassen.

Universitäten senken ihre Zugangsbeschränkungen

Die gute Nachricht: Es wird zunehmend einfacher, unabhängig von der Abiturnote ein Studium zu beginnen. Laut Hachmeister sind nur noch knapp 30 Prozent der Studienangebote bundesweit zulassungsbeschränkt. „Man kriegt also auf jeden Fall einen Studienplatz, wenn man Abitur hat, egal mit welcher Note. Aber man muss dann schauen, wo“, erklärt Hachmeister.

Mit Abitur kann man im Prinzip alles studieren

Durch die geschickte Wahl des Studienortes lässt sich selbst mit einem eher schlechten Abiturschnitt noch das Wunschfach studieren, betont Bildungsexperte Hachmeister. So seien in Rheinland-Pfalz zum Beispiel nur noch 18 Prozent der Studienangebote zulassungsbeschränkt.

Auch in Nordrhein-Westfalen haben mehrere Universitäten angekündigt, ihre Zugangshürden zu senken oder ganz zu streichen. Dort verlassen wegen der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium in diesem Jahr deutlich weniger Abiturientinnen und Abiturienten die Schulen.

Auf das Studienfach kommt es an

Wer für die zentral vergebenen Studienfächern Humanmedizin, Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie brennt, profitiert nach wie vor von einem sehr guten Abitur. Denn 30 Prozent der Studienplätze in diesen Fächern werden über die Abiturbestennote vergeben. Um dabei gerecht vorzugehen, wurde extra ein System geschaffen, in dem die Abiturienten der unterschiedlichen Bundesländer besser miteinander verglichen werden können.

Doch auch ohne eine Eins vor dem Komma stehen die Chancen auf einen Studienplatz gut. Mittlerweile setzen die meisten Universitäten auch auf Auswahltests und werten weitere Kriterien höher als die reine Abiturnote.

Duales Studium immer beliebter

Immer mehr Abiturientinnen und Abiturienten setzen mittlerweile stärker auf praxisnähere Ausbildungen, zum Beispiel auf duale Studiengänge. „Knapp 40 Prozent aller Abiturienten haben das Abitur nicht am Gymnasium oder an einer entsprechenden weiterführenden Schule, sondern an berufsbildenden Schulen erworben“, erklärt Dieter Dohmen. Gerade diese Abiturientinnen und Abiturienten wählten oft praxisnähere Berufsausbildungen.

Dual Studierende machen zurzeit zwar nur einen Anteil von knapp fünf Prozent der Gesamtheit aller Studierenden aus, aber die Zahlen zeigen seit Jahren einen klaren Aufwärtstrend. „Das liegt auch daran, dass wir duale Studiengänge ausgebaut haben“, so Dohmen.

Wer sich nach dem Abitur für eine klassische Lehrausbildung interessiert, hat zurzeit gute Karten. Laut der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) herrscht ein regelrechter Wettbewerb um Auszubildende. Dabei spiele der Notenschnitt eine immer geringere Rolle. Viel wichtiger sei die Motivation des Einzelnen.

Source: tagesschau.de