Bis zu 19 Millionen Passagiere jährlich sollen hier abgefertigt werden: Mit dem neuen Terminal setzt der Frankfurter Flughafen auf Expansion. Warum bei der Eröffnung aber nicht allen zum Feiern zumute ist.
Ursprünglich sollte die neue Halle zusätzlich zu den bestehenden Terminals betrieben werden. Die Zahl der Passagiere erholt sich aber nach der Corona-Pandemie nur sehr langsam. Fraport ist noch weit davon entfernt, zuvor angenommene Wachstumszahlen zu erreichen.
Daher zieht der Betrieb von Terminal 2 in das neue Gebäude um. Terminal 2 wird dichtgemacht und saniert. 2022 war von zweijährigen Bauarbeiten die Rede. Jetzt heißt es, in neun Jahren solle das renovierte Terminal 2 wieder in Betrieb gehen. Flughafen-Betreiber Fraport AG umschreibt das reklamehaft mit „spannender Zukunft“ für Terminal 2.
Planmäßig selbst gebaut
Fraport hat für Terminal 3 keinen Generalunternehmer beauftragt, sondern den Bau selbst verwaltet. Im Unterschied zum geringfügig größeren Berliner Flughafen BER wurden die Frankfurter wie geplant fertig.
Waren 2015 von 2,5 bis drei Milliarden Euro Kosten die Rede, sind es schließlich vier Milliarden geworden. Allerdings lag die Coronakrise in der Bauzeit. Deshalb und wegen des folgenden Einbruchs der Passagierzahlen wurden die Arbeiten um vier Jahre gestreckt.
Krisen gehören zum Geschäft
Krisen, Kriege, Naturkatastrophen und Marktverschiebungen wirken immer als kurzfristige Schocks auf Betreiber von Infrastruktur. Insofern ist die Last aus der Pandemie nichts völlig Neues für Fraport.
Ein anderes Beispiel: Frühere Kapazitätsberechnungen hatten mit zahlreichen Billigfliegern in Frankfurt gerechnet. Die sind aber von den großen Flughäfen gewichen und teils völlig vom Markt verschwunden. Oder: Vor zwanzig Jahren wurden zahlreiche Gates umgebaut, um den riesigen Airbus A380 vorfahren lassen zu können. Es war ein Flugzeugkonzept, das schnell scheiterte.
Schwankungen und Veränderungen können mehrere Jahre wirken und frühere Prognosen zunächst widerlegen. Ein Flughafen aus Beton, Stahl und Glas steht hingegen für Jahrzehnte. Um zu beurteilen, ob Investitionen nötig und sinnvoll sind, muss das Geschäft langfristig betrachtet werden.
Auf lange Sicht
In den vergangenen 20 Jahren hat Fraport sein Auslandsgeschäft massiv ausgebaut. Weltweit betreibt und verwaltet der Konzern Flughäfen. Wenn man dieses Geschäft herausrechnet, zeigt sich im 20-Jahres-Vergleich: Der Frankfurter Umsatz ist von 1,7 Milliarden im Jahr 2005 auf gut 2,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr gestiegen.
Die Geschäfte sind generell profitabel und teils auch hochprofitabel. Durch enorme Investitionen ins neue Terminal und andere Sanierungen und Ergänzungen wuchs die Verschuldung des gesamten Konzerns in den Jahren seit 2005 von 190 Millionen auf 8,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.
63 Millionen Passagiere in 2025
Die Zahl der Passagiere in Frankfurt am Main ist nach Daten des Statistischen Bundesamtes von 51 Millionen im Jahr 2005 auf 70 Millionen im Vor-Corona-Jahr 2019 gestiegen und lag noch bei 63 Millionen im vergangenen Jahr.
Ein Großteil nutzt Frankfurt als Drehscheibe zum Umsteigen von einem internationalen Langstreckenflug zum nächsten. Der Umstieg soll mit neuen Bauten und neuer Technik schneller und effizienter werden. Das Umsteiger-Geschäft ist lukrativ und wird auch von neueren Konkurrenten in Istanbul und im Nahen Osten angeboten.
1972 eröffnete das erste Terminal
Als 1972 nach siebenjähriger Bauzeit das erste Terminal des Frankfurter Flughafens öffnete, war eine Milliarde Mark verbaut worden. Zum ersten Mal waren alle Abläufe in einem Gebäude zusammengefasst: Passagiere fuhren mit Autos oder der Bahn vor, betraten durch zahlreiche Türen breite Hallen, in denen an zahlreichen Schaltern Gepäck aufgenommen und Bordkarten ausgestellt wurden. Weiter ging es im selben Gebäude durch damals noch harmlose Kontrollen zu 60 Gates, von denen aus dann die Flugzeuge betreten wurden.
Zwei Jahre später wurde eine Gepäckförderanlage mit Förderbändern und Weichen in Betrieb genommen. Umsteiger konnten nun binnen spektakulärer 45 Minuten das Flugzeug wechseln. Terminal 1 hatte zunächst eine Kapazität von zwölf Millionen Passagieren pro Jahr.
1994 wurde Terminal 2 für bis zu 16 Millionen Passagiere in Betrieb genommen. Das neue Terminal 3 entstand auf dem Teil des Flughafens, der bis Ende 2005 von der US Air Force genutzt wurde.
Source: tagesschau.de