Anleger an den Finanzmärkten reagieren erleichtert auf die angekündigte Öffnung der Straße von Hormus: Der deutsche Aktienindex Dax sprang infolgedessen um zwei Prozent nach oben auf beinahe 24.700 Punkten. Die US-Futures zogen ebenfalls an.
Gleichzeitig fällt der Ölpreis deutlich: Das Nordseeöl Brent und das US-Öl West Texas Intermediate (WTI) verbilligen sich um 9,1 beziehungsweise 9,9 Prozent auf 90,30 und 85,27 Dollar je Fass. Öl- und Gasaktienkurse sinken.
Die Blockade der für die Schifffahrt wichtigen Straße von Hormus wird dem Iran zufolge für die restliche Zeit der mit dem Libanon geltenden Waffenruhe aufgehoben. Analysten zufolge können die Anleger in der neuen Woche auf weitere Gewinne hoffen. Zuletzt sorgte die Aussage des iranischen Außenministers, dass die Durchfahrt der Straße von Hormus nun für alle Handelsschiffe frei sei, für Euphorie. Durch die Meerenge verläuft eine wichtige Handelsroute für die Weltwirtschaft, die wegen des Irankriegs zuletzt weitgehend blockiert war.
„Viele Vorschusslorbeeren in den Kursen“
„Auch an den übrigen Börsenplätzen stehen die Ampeln wieder auf Grün, nachdem Donald Trump Hoffnungen auf eine Einigung mit dem Iran geweckt hat“, schreibt Aktienstratege Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).
Besonders beeindruckend sei die Kursrally in den Vereinigten Staaten mit Rekorden für den marktbreiten S&P 500 sowie das Tech-Barometer Nasdaq 100 verlaufen. Damit haben die beiden Indizes die Verluste seit Beginn des Kriegs Ende Februar mehr als wettgemacht. Der japanische Nikkei-225 hatte zuletzt ebenfalls eine neue Bestmarke aufgestellt.
Dagegen hat der deutsche Leitindex bis dahin noch eine Wegstrecke vor sich. Das charttechnische Bild hat sich aber deutlich aufgehellt, seitdem er es wieder über die 100- und 200-Tage-Linien als wichtige Indikatoren für den mittel- bis langfristigen Trend geschafft hat.
Derweil „stecken in den aktuellen Kursen schon viele Vorschusslorbeeren“, warnt Klumpp vor zu hohen Erwartungen. Denn die Belastungen aus dem Irankrieg seien noch schwierig zu beziffern, und an den Ölmärkten bleibe die Lage angespannt.
Die Fachleute der Landesbank Helaba erinnerten daran, dass die Aktienkurse zu Kriegsbeginn Ende Februar zwar sichtbar nachgegeben hätten, aber nicht so deutlich wie bei früheren Krisen. „Panik war in den klassischen Angstindikatoren wie der impliziten Aktienvolatilität zu keinem Zeitpunkt festzustellen“, betonen sie.
Anleger steigen wieder ein
Und offenbar hätten die jüngsten Entspannungssignale vielen Anlegern gereicht, um auf dem etwas niedrigeren Bewertungsniveau wieder einzusteigen. Da ein optimistisches Nahost-Szenario schon eingepreist scheine, „baut sich für die kommenden Wochen ein gewisses Enttäuschungspotenzial auf“, heißt es im Helaba-Wochenausblick weiter. Denn seit Beginn des Kriegs habe es nach Hoffnungsschimmer immer wieder Enttäuschungen gegeben, sodass es „bis zu einer dauerhaften Friedenslösung ein steiniger Weg werden dürfte“.
In die gleiche Kerbe hieb Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Er macht zwar Fortschritte bei den Gesprächen aus, insbesondere zwischen dem US-Kriegspartner Israel und Libanon, von dem aus die mit Iran verbündete Hizbullah-Miliz operiert. „Aber über Ankündigungen und Kommentierungen des US-Präsidenten hinaus liegen noch keine konkreten Ergebnisse vor“, gibt er zu bedenken. Laut Marktanalyst Timo Emden zeigt sich der deutsche Aktienmarkt weiterhin „erstaunlich robust“ gegenüber dem anhaltenden Nahost-Konflikt.
Die Investoren setzten darauf, dass die Waffenruhe zwischen den USA und Iran zumindest vorerst halte und „mittelfristig in ein tragfähiges Friedensabkommen münden könnte“. Das stütze „die Risikobereitschaft vieler Investoren, die geopolitische Risiken derzeit eher ausblenden als neu einpreisen“. Neben diesen Unsicherheiten begrenzt Helaba zufolge auch die hohe Bewertung vieler Aktienindizes das weitere Potenzial. Vor diesem Hintergrund rücke die anlaufende Quartalsberichtssaison wieder stärker in den Fokus der Anleger.
Source: faz.net