Die Straße von Hormus soll für Handelsschiffe vorerst völlig frei sein – doch freie Fahrt für deutsche Schiffe heißt das keineswegs. So ist bisher ungeklärt, ob und wie eine sichere Durchfahrt konkret gewährleistet sein könnte. Mit Blick auf mögliche Minen im Persischen Golf frage man sich, welche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ergriffen wurden oder noch erforderlich sind, heißt es beim Verband Deutscher Reeder (VDR).
Die Ankündigung Irans am Freitag, dass die Meerenge frei sein würde, bezog sich zunächst nur auf die Zeit der Waffenruhe zwischen Israel und Libanon. Später am Nachmittag kündigte US-Präsident Donald Trump aber an, dass Iran zugesagt habe, die Straße von Hormus völlig frei zugeben: „Sie wird nie wieder als Waffe gegen die Welt verwendet werden“, kündigte Trump an und sprach von einem „großartigen und brillanten Tag für die Welt.“
Ganz praktisch stellt sich die organisatorische Frage, wie Tausende von Schiffen durch die Meerenge hinausgeführt werden könnten, und wer über eine Reihenfolge entscheiden könnte. Während Öl- und Gasschiffe vielfach als vorrangig angesehen werden könnten, gibt es auch andere wirtschaftliche Interessen. Aus Deutschland befinden sich nach Informationen des VDR rund 50 Schiffe mit rund tausend Seeleuten im Persischen Golf.
Auch Kreuzfahrtschiffe und Containerfrachter warten
Dazu gehören beispielsweise zwei Kreuzfahrtschiffe des deutschen Reisekonzerns TUI, die eigentlich ganz anders verplant sind: Längst sollten sie mit Tausenden zahlenden Passagieren an Bord wieder auf neuen Kreuzfahrtreisen sein. Auch von der Hapag-Lloyd, der größten deutschen Linien-Reederei, liegt ein halbes Dutzend Containerschiffe fest. „Hier ist eine enge internationale Koordination notwendig“, fordert der Verband Deutscher Reeder. Man setze auf eine koordinierte Initiative unter Führung der Weltschifffahrtsorganisation IMO. Es bedürfe einer tragfähigen und langfristigen Lösung, um die Sicherheit und Verlässlichkeit dieser zentralen Handelsroute dauerhaft zu gewährleisten.
Unter dem Eindruck des starken wirtschaftlichen Drucks durch die Blockade der Straße von Hormus haben am Freitag in Paris die Beratungen über eine mögliche Militärmission nach dem Irankrieg begonnen. Das Ziel der von Frankreich und Großbritannien initiierten Konferenz, an der auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) teilnimmt, ist ein „multinationaler Plan“ zur Sicherung der Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman – der aber nur unter bestimmten Voraussetzungen ausgeführt werden könnte, die alle mit dem Ende des Irankriegs in Zusammenhang stehen.
Die Schifffahrt und ihre Besatzungen dürften nicht zwischen die Fronten geopolitischer Konflikte geraten, warnen die deutschen Reeder. „Wir sind auf freie, sichere und verlässliche Seewege angewiesen – sie sind die Grundlage unseres globalen Handels. Zivile Schifffahrt darf nicht zum Spielball geopolitischer Konflikte werden“, betonte Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder. „Das Prinzip der freien Transitdurchfahrt ist nicht verhandelbar“, fügte Kröger hinzu, mit Blick auf das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen, das gerade für internationale Meerengen gelten müsse.
Ein abgestimmtes, multilaterales Vorgehen sei zwingend notwendig. Für Deutschland sei die freie und sichere Schifffahrt von zentraler Bedeutung, denn rund zwei Drittel des deutschen Außenhandels würden über den Seeweg abgewickelt, so Krögers Hinweis: „Wer freie Seewege will, muss sich auch an ihrer Sicherung beteiligen.“