Der argentinische Schafhirte Dionide Mesa macht auf seiner Farm eine ungewöhnliche Entdeckung. Kurz darauf graben Forscher in Patagonien eine unbekannte Dinosaurier-Art aus. Die Überreste sind beeindruckend.
Ein deutsch-argentinisches Team von Paläontologen hat in Patagonien im südlichen Argentinien eine neue Dinosaurier-Art entdeckt. Bicharracosaurus dionidei gehört zu den Langhalssauriern, war etwa 20 Meter lang und lebte in der oberen Jurazeit vor 155 Millionen Jahren auf dem damaligen südlichen Kontinent Gondwana. Das berichten die Forscher im Fachmagazin „PeerJ“, wie die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) in München mitteilten.
Geborgen wurden demnach Teile der Wirbelsäule mit mehr als 30 Hals-, Rücken- und Schwanzwirbeln, mehrere Rippen sowie ein Bruchstück des Beckens. Die Knochenstruktur zeige, dass es sich um ein erwachsenes Tier handele. Das Skelett zeige Ähnlichkeiten mit dem afrikanischen Giraffatitan, einem Brachiosauriden aus Tansania. Andere Merkmale, insbesondere an seinen Rückenwirbeln, ähneln dagegen Diplodocus und seinen nächsten Verwandten aus Nordamerika.
Mit ihren massigen Körpern, langen Hälsen und Schwänzen und winzigen Köpfen entsprechen Langhalssaurier – die Sauropoden – für viele Menschen dem Bild des typischen Dinosauriers. Zu den Sauropoden gehören die größten bekannten Landtiere überhaupt, mit einer Körperlänge von bis zu 40 Metern. Die bekanntesten Vertreter sind Diplodocus oder Brachiosaurus. Der neue Langhals-Dinosaurier ist dagegen etwas kleiner.
Wichtiger Fund auf der Südhalbkugel
„Unsere stammesgeschichtlichen Analysen des Skeletts weisen darauf hin, dass Bicharracosaurus dionidei verwandt war mit den Brachiosauriden – das wären die ersten Brachiosauriden aus dem Jura Südamerikas“, sagte die Erstautorin der Studie, Alexandra Reutter von der Universität München. Das Fossil vereint Merkmale verschiedener Sauropoden-Gruppen. Das macht es für die Wissenschaftler besonders interessant.
SNSB-Saurierexperte und Studienleiter Professor Oliver Rauhut betonte die Bedeutung des Fundes für die Forschung: „Unser Wissen über die Evolution der Sauropoden der oberen Jurazeit beruht bisher ganz überwiegend auf vielen Fossilfunden aus Nordamerika und anderen Fundstellen auf der nördlichen Halbkugel. Auf den südlichen Kontinenten gab es lange Zeit nur eine einzige bedeutende Fundstelle in Tansania.“
Der neue Fossilfund liefere nun wichtiges Vergleichsmaterial, um das Bild von der Entwicklungsgeschichte dieser Tiere insbesondere auf der Südhalbkugel zu ergänzen und neu zu bewerten, sagte Rauhut.
Der Schafhirte Dionide Mesa hatte die Fundstelle auf seiner Farm in Patagonien entdeckt. Ihm zu Ehren wurde der Dinosaurier „dionidei“ benannt.
Der Gattungsname leitet sich vom spanischen Wort „bicharraco“ für großes Tier ab. Das Fossil stammt aus der Canadón-Calcáreo-Gesteinsformation in der patagonischen Provinz Chubut. Es wird jetzt im Museo Paleontológico Egidio Feruglio im argentinischen Trelew aufbewahrt.
Jede neue Entdeckung bringt die Forschung voran. Solche Funde zeigen, dass Dinosaurier viel vielfältiger waren als lange angenommen und in vielen Regionen lebten, die zuvor kaum erforscht waren. Allein 2025 wurden mehr als 40 neue Arten beschrieben. Sie liefern wichtige Erkenntnisse über das Verhalten und die Entwicklung von Dinosauriern.
So wurde ein früher Verwandter des Tyrannosaurus (Khankhuuluu) identifiziert, der zeigt, wie sich diese berühmten Raubtiere aus kleineren Vorfahren entwickelten. Auch Funde wie kleine, vogelähnliche Dinosaurier oder neue Fossilspuren geben Hinweise darauf, dass einige Dinosaurier bereits Flugfähigkeiten entwickelten oder komplexe Lebensweisen hatten.
mit dpa
Source: welt.de