Nina Warken rechnet mit Massenflucht in private Krankenversicherung

Besserverdiener sollen in der gesetzlichen Krankenversicherung mehr bezahlen. Doch das könnte zum Bumerang werden. Das Gesundheitsministerium befürchtet eine Wechselwelle.

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Die geplante Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) könnte zu einer Wechselwelle in die private Krankenversicherung führen. Das Bundesgesundheitsministerium kalkuliert nach einem Bericht des „Spiegel“ im Zuge der Reform mit einem „Abwanderungseffekt“ bei etwa 100.000 bisherigen GKV-Mitgliedern, die in die private Krankenversicherung (PKV) wechseln. Das geht aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage des Magazins hervor.

Laut der von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzten Finanzkommission Gesundheit lag die Zahl der Abwanderungen von GKV-Mitgliedern in die PKV zuletzt schon zwischen 81.000 (2024) und 102.000 (2025).

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Hintergrund ist die angedachte außerplanmäßige Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung um 300 Euro. Dieser Schritt belastet Bezieher höherer Einkommen, die an oder über der Beitragsbemessungsgrenze verdienen. Das Problem: Wer oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze verdient, hat damit einen zusätzlichen Anreiz, in eine private Krankenversicherung zu wechseln.

Die Zahl der Besserverdiener ist laut dem Bericht offenbar auch kleiner als zuletzt angenommen. Das Ministerium geht von 5,4 Millionen Betroffenen der Anhebung aus. Analysen von Ökonomen waren hingegen bislang von etwa 6,3 Millionen Personen ausgegangen.

Mehreinnahmen von mehreren Milliarden Euro

Ökonomen des IW hatten die möglichen Mehreinnahmen für die GKV unter Annahme von 6,3 Millionen Betroffenen auf 4,5 Milliarden Euro geschätzt. Warkens Entwurf hingegen rechnet nur mit etwa 2,4 Milliarden Euro an zusätzlichen Einnahmen, die jeweils zur Hälfte von Beschäftigten und Arbeitgebern zu zahlen wären.

Der Unterschied liegt laut „Spiegel“ offenbar an den unterschiedlichen Annahmen. Allein die Abwanderung von 100.000 Mitgliedern aus der GKV dürfte „mit Einnahmeverlusten in Höhe von 1 bis 1,5 Milliarden Euro verbunden sein“, schätzt Richard Ochmann, Projektleiter Gesundheitspolitik beim Iges-Institut. Diese Einnahmen dürften für die GKV langfristig verloren gehen, weil viele der Wechsler dauerhaft in der privaten Versicherung bleiben dürften. Allerdings würden den geringeren Einnahmen wohl auch niedrigere Kassenausgaben gegenüberstehen, da die neuen Privatversicherten keine Leistungen mehr bekommen.

kna/saha

Source: welt.de

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