Wechselseitig einander wehtun statt gemeinsam feiern – das stand rund um die zentrale Veranstaltung zum Lufthansa-Jubiläum im Mittelpunkt. Mit Befremden ließ sich in dieser Woche beobachten, dass Handelnden auf Gewerkschafts- und auf Konzernseite strategische Nadelstiche wichtiger sind, als sich zu einem Anlass zusammenzuraufen, den es nur einmal in 100 Jahren gibt. Das sagt viel über die Kultur des Miteinanders – besser: des Gegeneinanders – in Europas größtem Luftfahrtkonzern aus.
Es war unanständig von den Gewerkschaften UFO und Vereinigung Cockpit, den Festtag mit Bildern einer Demonstration zu beschädigen. Dass der Konzern keine 24 Stunden nach der Veranstaltung das vorzeitige Aus einer seiner Fluggesellschaften verkündet, ist aber keinen Deut besser.
Es ist Lufthansa ganz bestimmt nicht über Nacht eingefallen, dass die Lage am Kerosinmarkt und die Personalkosten einen vorgezogenen – und zwar sofortigen – Flugstopp für die Tochtergesellschaft Cityline erforderlich machen. Andere wegen der Weltlage nötige Reaktionen wurden zwar auch verkündet, aber nicht unverzüglich umgesetzt. Nun bleibt der Eindruck, dass beide Seiten alles ihnen Mögliche getan haben, um das Klima weiter zu vergiften.
Lufthansa muss Kosten senken, um auch auf innereuropäischen Strecken profitabel fliegen zu können. Es ist keine Zukunftsstrategie, auf den Ausgleich von Verlusten auf Kurzstrecken durch Erlöse auf Langstrecken zu setzen. Lange gepflegte Strukturen, die die Gewerkschaften mitgeprägt haben, sind zu teuer. Ihre Forderungen nach saftigen Aufschlägen auf ohnehin hohe Betriebsrenten für Piloten und nach detaillierteren Dienstregeln für Flugbegleiter, die der Einsatzplanung die Flexibilität rauben, würden aber alles nur noch teurer machen.
Doch auf Einsicht kann der Arbeitgeber nicht hoffen, wenn jede Tarifrunde nicht als neuer Konflikt, sondern als Verlängerung der vorherigen anzusehen ist. Stets wurden nach langem Ringen komplexe Einigungen erreicht, die freilich Grundsatzfragen in die Zukunft vertagten. Das hat zur Erosion der Sozialpartnerschaft geführt und dazu, dass Stellvertreterkriege um Betriebsrenten und Dienstzeiten geführt werden. Nach einer Woche des Wehtuns ist es nun noch schwieriger geworden, wieder zum nötigen Miteinander zu finden.