Der Dax steht am Ende einer bewegten Woche wieder bei gut 24.000 Punkten. Der Wochenstart hatte vieles, was ihn zu einem geschichtsträchtigen „schwarzen“ Montag hätte machen können. Bröckelnde Waffenruhe, gescheiterte Verhandlungen und dann ein US-Präsident Donald Trump, der die blockierte Straße von Hormus einfach zusätzlich noch selbst mit US-Streitkräften blockieren wollte.
Die amerikanischen Fernsehmoderatoren Jimmy Kimmel und Stephen Colbert haben derzeit Eins-a-Material, um ihre Sendungen zynisch zu bestücken. Allein, es war in der schlichten Sache überhaupt nicht lustig. Mit Spannung schauten die Investoren am Montag auf die Börsen. Schon Asien startete moderat, in Europa gaben die Kurse leicht nach, selbst an der Wall Street blieb Panik aus. Man fragt sich, warum.
Erratisches Verhalten
Das Verhalten der US-Regierung ist stets so erratisch, dass sich kaum einer einen Reim darauf machen kann. Also verlassen sich Anleger auf sich selbst. Die greifen dann beherzt zu, wenn nachgebende Aktienkurse eine Chance auf Gewinne versprechen.
Die Kunst ist und bleibt es, die richtigen Aktien zu erkennen. „Die Ausgangslage für Europa 2026 ist ambivalent“, sagt Marcus Weyerer vom Vermögensverwalter Franklin Templeton. Bewertungsvorteile seien vorhanden, Gewinnwachstum sei enttäuschend, fiskalische Impulse strukturell vielversprechend, aber noch nicht in Zahlen sichtbar. „Und niemand weiß, ob sich diese Impulse wirklich überzeugend auf die Unternehmensgewinne durchschlagen.“ Er sagt aber auch: Wer auf den Beweis wartet, kauft zu spät.
Zweifellos hängt der Panikmodus von Investoren an der Entwicklung des Ölpreises. Der Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hat dafür eine beruhigende Nachricht parat: „Trotz eines stärkeren Rückgangs der Ölförderung dürften die Industrieländer unter der aktuellen Energiekrise weniger leiden als während der beiden Ölkrisen der 1970er Jahre“, schreibt Krämer in seiner Wochenanalyse.
Dies liege daran, dass die Preise weniger stark gestiegen seien als damals und die Wirtschaft heute deutlich weniger „ölintensiv“ sei als vor 50 Jahren. Selbst wenn man die steigenden Erdgaspreise mit einbeziehe, die damals kaum eine Rolle spielten, ändere dies nichts an dieser Schlussfolgerung. „Allerdings stellen Probleme in der Lieferkette ein erhebliches Risiko dar“, so räumt auch Krämer ein. „Daher ist es für eine Entwarnung noch zu früh.“
Anleihen zur Abfederung
Auf der Suche nach lukrativen Anlagen rücken auch Anleihen wieder mehr in den Fokus. Einst waren sie zur sicheren Abfederung des Depots gedacht, doch immer öfter halten sie nicht, was sie versprachen. „Zu Beginn des Konflikts gerieten Schwellenländeranleihen ebenso unter Druck wie andere Anlageklassen“, heißt es bei Federated Hermes. Mit zunehmender Dauer habe sich das Bild jedoch differenziert. Die Märkte würden inzwischen stärker zwischen Ländern mit positiven und negativen Effekten aus den veränderten Rahmenbedingungen unterscheiden.
Vor allem ölexportierende Länder außerhalb der unmittelbaren Konfliktregion profitierten von den gestiegenen Energiepreisen. „Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir derzeit High-Yield-Anleihen aus Schwellenländern. Diese Volkswirtschaften stellten die nächste Entwicklungsstufe innerhalb der Emerging Markets dar.“
Source: faz.net