Chinas Wirtschaft wächst stärker denn erwartet

Stand: 16.04.2026 • 12:55 Uhr

China ist mit einem überraschend starken Wachstum ins Jahr 2026 gestartet. Doch perspektivisch könnte der Krieg in Nahost die Exporte und damit einen wichtigen Treiber des chinesischen Wirtschaftswachstums schwächen.

Die chinesische Wirtschaft ist unerwartet robust ins laufende Jahr gestartet. Das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,0 Prozent zu und damit stärker als erwartet. Analysten hatten ein Wachstum von bis zu 4,8 Prozent prognostiziert. Nach dem schwachen Schlussquartal 2025 mit plus 4,5 Prozent ist das für Peking ein wichtiger Erfolg.

Getragen wurde der starke Jahresauftakt vor allem von der Industrie und vom Außenhandel. Die Industrieproduktion stieg im März im Jahresvergleich um 5,7 Prozent.

Einzelhandel in China schwach: Konsum bleibt Problem

Commerzbank-Ökonom Henry Hao sieht in den Zahlen aber nur auf den ersten Blick eine Entwarnung. Bei einem genaueren Blick auf die März-Daten zeige sich ein anhaltendes Ungleichgewicht: „Das robuste Wachstum der Industrie überdeckt nach wie vor die Schwächen beim Binnenkonsum und auf dem Arbeitsmarkt.“

Die Einzelhandelsumsätze stiegen im März nur um 1,7 Prozent und damit schwächer als erwartet. Hao spricht von einer „tiefen strukturellen Kluft zwischen Fabrikhallen und Einkaufszentren“. Die Fabriken seien der Hauptwachstumsmotor, während der Konsum „weiterhin stottert“.

Exporte sind wichtiger Wachstumstreiber

Andere Analysten verweisen zudem auf die starke Rolle der Exporte. Die Wachstumsbeschleunigung im ersten Quartal sei von ihnen getragen worden, betonte Analystin Zichun Huang von Capital Economics. Auch Lynn Song von der Bank ING verweist auf die Auslandsnachfrage als einen der wichtigsten Wachstumsmotoren.

Doch genau hier wächst die Sorge. Im März verlangsamte sich das Exportwachstum deutlich auf 2,5 Prozent. Der Krieg im Nahen Osten belastet die globale Konjunktur und hat damit das Potenzial, den exportgetriebenen Aufschwung im Reich der Mitte zu bremsen.

Nahostkrieg und neue Regeln erhöhen den Druck

Für den weiteren Jahresverlauf bleiben die Risiken hoch. Schließlich ist China der weltweit größte Ölimporteur. Bislang konnte Peking zwar auf seine üppigen Ölreserven bauen. Doch die hohen Ölpreise könnten mittelfristig Chinas Importkosten erhöhen und den Handelsüberschuss schmälern.

Peking peilt für das laufende Jahr ein Wachstum von 4,5 bis 5,0 Prozent an – es wäre das schwächste Wachstum seit Jahrzehnten. Doch sollte der Konsum jetzt nicht anspringen oder der Krieg im Nahen Osten die Auslandsnachfrage stärker abwürgen, könnte sich auch dieses Ziel als zu ambitioniert herausstellen.

Mit Informationen von Angela Göpfert, ARD-Finanzredaktion.

Source: tagesschau.de