Viele Busunternehmen haben aktuell vor allem eine Sorge: wie sie angesichts der hohen Kraftstoffpreise ihre Existenz sichern können. Der Umstieg auf Elektroflotten bekommt damit neue Dringlichkeit.
„Es ist gravierend“, sagt der Busunternehmer Torsten Markert aus Bingen und zeigt auf die Busse, die auf seinem Hof stehen. „Sie sehen: Die Busse stehen hier still, wir konzentrieren unsere Fahrten nur noch auf das Nötigste.“ Also auf die Fahrten, zu denen das Unternehmen langfristig vertraglich verpflichtet ist.
Und diese Fahrten bereiten aktuell die größten Probleme: Denn seine Firma hat Ausschreibungen vor Jahren kalkuliert und sich dann für mehrere Jahre auf Preise festgelegt, die jetzt kaum das Überleben sichern.
„Wir haben im letzten Jahr Preise kalkuliert und Verträge abgeschlossen – da hängen wir jetzt vier Jahre lang fest“, sagt Markert. „Im Linienverkehr sind der Hauptfaktor der Kosten die Kilometer – da kommt täglich viel zusammen und wir können nichts machen, weil die Preise festgelegt sind.“
Unternehmer kritisiert Entlastungsmaßnahmen
Etwa 80 Busse hat Torsten Markert in seinem Unternehmen, sie fahren in erster Linie im Rhein-Main-Gebiet. Er bedient mit etwa 60 Angestellten den Linien- und den Fernreiseverkehr. Ein Liter Diesel kostet gerade derzeit rund 2,30 Euro, in den Wochen vor dem Angriff auf den Iran lagen die Preise im Tagesmittel noch unter 1,75 Euro.
Von der zum 1. April eingeführten Regelung, dass Tankstellen ihre Preise wie in Österreich nur noch ein Mal am Tag erhöhen dürfen, hält Busunternehmer Markert aus Bingen wenig: „Das bringt uns überhaupt nichts.“ Auch das in dieser Woche von der Bundesregierung beschlossene Entlastungspaket sieht er skeptisch: „Es geht in Deutschland immer ganz schnell damit, dass die Preise steigen – aber bis solche Senkungen ankommen, dauert es ewig, und dann sollen sie auch nur befristet gelten.“
Ähnlich sieht das der Bund der Omnibus-Unternehmen (BDO) in Deutschland. In dem Verband sind knapp dreitausend Bus-Unternehmen organisiert, er fordert Entlastungen über die kurzfristigen Maßnahmen der Bundesregierung hinaus.
Eine Strategie für den Mittelstand?
Diese Woche hat sich die Branche auf der Messe Bus2Bus in Berlin getroffen. Hauptthemen dort: E-Mobilität für Busse, Autonomes Fahren und Künstliche Intelligenz. Das Autonome Fahren wird gerade in verschiedenen Orten ausprobiert und bietet aus Sicht von BDO-Präsident Karl Hülsmann großes Potential, insbesondere im Hinblick auf Effizienz und neue Mobilitätsangebote.
Davon könne insbesondere der ländliche Raum profitieren. Aber: „Was fehlt, ist eine klare nationale Strategie, die den Busmittelstand – also Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern – konsequent einbindet“, sagt Hülsmann. „Gleichzeitig setzen die anhaltend hohen Energiepreise unsere Unternehmen massiv unter Druck.“
Wenn nachhaltige Mobilität gestärkt werden soll, brauche es jetzt verlässliche Rahmenbedingungen, eine dauerhafte Entlastung bei den Energiekosten und den Mut, Zukunftstechnologien entschlossen voranzubringen, so Hülsmann.
Bei der Messe Bus2Bus in Berlin geht es um Innovationen für die Bus-Branche.
E-Mobilität als großer Trend
Zu den Zukunftstrends gehört auch die E-Mobilität. Das Thema bekommt beim aktuellen Preisniveau von Diesel noch einmal eine größere Dringlichkeit. Viele Städte haben in ihren Bus-Flotten schon strombetriebene Fahrzeuge, manche haben bereits komplett auf eine Elektro-Flotte umgestellt.
Die Berliner Verkehrsgesellschaft etwa hat 277 E-Busse im Einsatz und will bis 2035 komplett fossilfrei durch die Hauptstadt fahren. Im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) sind schon rund 700 Elektrobusse unterwegs. Die Themen bei der Umstellung von Busflotten von Verbrenner- auf Elektromotoren sind ähnlich wie bei Elektro-Autos: Es geht in erster Linie um eine geeignete Lade-Infrastruktur, um die Umstellung hinzukriegen. Doch auch die Anschaffungskosten für Elektrobusse sind im Moment noch vergleichsweise hoch.
Der „E-Bus-Radar“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums stellt im März 2026 fest: Von den etwa 54.000 Bussen in der deutschen ÖPNV-Flotte sind derzeit ungefähr 14 Prozent elektrisch unterwegs -Tendenz stark steigend.
Plötzlich viele Bewerbungen von Busfahrern
Doch damit die Transformation gelingen kann, fordern die Analysten: „Die Umsetzung erfordert langfristige Planungssicherheit, wirtschaftlich tragfähige Energiekonzepte und strategisch ausgerichtete Beschaffungsmodelle und Vergabeverfahren.“ Die langfristige Planungssicherheit ist für viele ein wichtiger Punkt bei der Flottenplanung. Und auch um das Mega-Thema Künstliche Intelligenz kommt die Bus-Branche nicht herum: Die Optimierung von Fahrstrecken, die Kommunikation mit den Kunden, das Erstellen von Angeboten – all das kann automatisiert ablaufen und damit Ressourcen sparen.
Während die einen sich überlegen, wie sie ihre Flotten auf E-Fahrzeuge umstellen können und sich damit mittelfristig vom Dieselpreis unabhängig machen, setzt Bus-Unternehmer Torsten Markert aus Bingen trotz der hohen Preise fürs Erste weiter auf den Diesel.
Er beobachtet einen interessanten Nebeneffekt der aktuellen Energiepreise: Der jahrelange Mangel an Busfahrern sei kaum noch Thema: „Wir hatten immer einen Engpass an Fahrern. In den letzten Wochen kann ich mich kaum vor Bewerbungen retten. Das sind alles Busfahrer, deren Unternehmen kurz vor der Insolvenz sind und die jetzt neue Aufgaben suchen.“
Source: tagesschau.de