Antisemitische Gewalt: Antisemitischer Angriff in Rom löst Empörung aus

In Rom ist es am Sonntagnachmittag zu einer weiteren mutmaßlich antisemitischen Gewalttat gekommen. Nach Angaben der Polizei sollen zwei junge Männer ein 62 Jahre altes Mitglied der Jüdischen Gemeinde im Süden der Hauptstadt zunächst auf Arabisch beschimpft und dann zu Boden geschlagen und getreten haben.

Der Mann, der eine Kippa getragen hat, war in Begleitung seiner Frau und seiner Tochter. Nach einem stationären Aufenthalt konnte er das Krankenhaus am Montag verlassen. Die Polizei fahndet nach eigenen Angaben nach mindestens zwei Tatverdächtigen.

In der Tageszeitung „Corriere della Sera“ verurteilte Roms Bürgermeister Roberto Gualtieri den „inakzeptablen antisemitischen Akt“, der die „tiefsten Werte Roms erschüttert“ habe, und bekräftigte den Einsatz der Stadt Rom „im Kampf gegen jede Form von Diskriminierung“.

Victor Fadlun, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Roms, sagte der Zeitung: „Das ist nicht das erste Mal. Ein Mitglied unserer Gemeinde, das nicht auf das Tragen der Kippa verzichten wollte, wurde beleidigt und angegriffen.“

Immer mehr antisemitische Vorfälle in Italien

Es müsse jedem klar sein, dass Antisemitismus schon immer existiert hat und seit dem 7. Oktober 2023 exponentiell zugenommen habe. Er sagte weiter: „Wenn ein Jude in Rom beleidigt und angegriffen wird, nur weil er Jude ist, stehen die Grundwerte unserer Verfassung auf dem Spiel.“

Nach Angaben des Mailänder Dokumentationszentrums für zeitgenössisches Judentum (CDEC) sind die Zahlen der antisemitischen Vorfälle in den vergangenen Jahren stark gestiegen: So wurden im vergangenen Jahr landesweit 963 Vorfälle registriert – darunter 320 physische Übergriffe.

F.A.Z. Frühdenker – am Morgen das Wichtigste wissen
Werktags um 6.30 Uhr

Welche Nachrichten bringt der Tag? Erfahren Sie das schon beim ersten Kaffee.

Zum Frühdenker

2024 waren es insgesamt 877 Vorfälle, in den Jahren zuvor 453, beziehungsweise 241. Die Hauptstadtregion Latium gehört laut CDEC zu den Regionen mit der höchsten Zahl physischer antisemitischer Übergriffe in Italien.

Ende vergangenen Jahres war in Rom die Gedenktafel für den Terroranschlag vom 9. Oktober 1982 beschmiert worden. Damals hatten palästinensische Terroristen Menschen beim Verlassen der Großen Synagoge nach dem Schabbatgottesdienst mit Handgranaten und Maschinenpistolen angegriffen. Ein zwei Jahre alter Junge wurde getötet, 37 Menschen wurden verletzt.

Maurizio Molinari, viele Jahre Chefredakteur der linken Tageszeitung „La Repubblica“, überlebte den Anschlag seinerzeit. Anlässlich des Jahrestags vergangenen Oktober schrieb er auf der Website der Gemeinde: „Ich habe den schlimmsten Terroranschlag auf die jüdische Gemeinde Roms seit 1945 überlebt. Doch selbst vor diesem Hintergrund ist das, was die italienischen Juden seit dem 7. Oktober 2023 durchmachen, beispiellos. Es ist ein großer Schock, der unsere Vorstellungskraft übersteigt.“

Seit dem Anschlag von 1982 habe es zwar immer wieder Wellen von Feindseligkeit und Antisemitismus gegeben. „Aber es gab keine physischen Angriffe auf einzelne Juden auf den Straßen oder in Schulen. Jüdische Kinder an öffentlichen Schulen mussten nicht leiden.“

Source: faz.net