Expertin zu Merz‘ Rentenvorstoß: Private Vorsorge „muss stärker von Freiwilligkeit weggehen“

Expertin zu Merz‘ RentenvorstoßPrivate Vorsorge „muss stärker von Freiwilligkeit weggehen“

21.04.2026, 16:09 Uhr

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Die gesetzliche Rente wird nicht mehr zum Leben reichen, sagt Kanzler Merz. Stattdessen sollten Bürger stärker privat vorsorgen. Das sei nichts Neues, sagt Rentenexpertin Marlene Haupt. Mit Freiwilligkeit werde das aber kaum gelingen.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit seiner Warnung vor einer künftig nur noch grundlegenden Absicherung durch die gesetzliche Rente keine neue Debatte angestoßen. Vielmehr greift er eine Entwicklung auf, die seit Jahren bekannt ist. Das sagt die Volkswirtin und Rentenexpertin der Hochschule München, Marlene Haupt im Gespräch mit ntv. „Das ist kein überfälliges Signal“, betont sie. Schon Anfang der 2000er Jahre sei mit der Einführung der Riester-Rente deutlich geworden, dass die gesetzliche Rente allein den Lebensstandard künftig nicht mehr sichern werde.

Merz hatte beim Bankenverband für ein Umdenken geworben und mehr private Vorsorge angemahnt. Aus Sicht von Haupt ist dabei entscheidend, dass private und betriebliche Vorsorge bislang weitgehend freiwillig organisiert sind. Genau darin liege ein strukturelles Problem: „Solange dies freiwillige Systeme sind, wird man nie den Verbreitungsgrad erreichen wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung“, sagt sie. Denkbar sei daher, stärker auf verbindlichere Modelle zu setzen.

Kritik, dass ein stärkerer Fokus auf private Vorsorge vor allem Besserverdienende begünstigt, weist Haupt nicht grundsätzlich zurück. Ob Menschen zusätzlich vorsorgen könnten, hänge stark von ihrer finanziellen Lage ab. Wer wenig verdiene, habe oft gar keinen Spielraum zum Sparen. Auch bei der betrieblichen Altersvorsorge sei entscheidend, ob der Arbeitgeber entsprechende Angebote mache.

Grundsätzliche Reformen im Rentensystem seien zudem schwer durchzusetzen, betont die Expertin. Die Strukturen seien historisch gewachsen und Veränderungen dauerten lange. „Das sind keine Maßnahmen, die kurzfristig helfen, das System zu entlasten“, sagt Haupt mit Blick auf politische Forderungen nach schnellen Lösungen.

Besonders kritisch bewertet sie die Auswirkungen des Systems auf Frauen. Die gesetzliche Rente orientiere sich stark an durchgehender Vollzeitbeschäftigung. Wer wegen Kindererziehung oder Pflege unterbreche oder in Teilzeit arbeite, erwerbe entsprechend geringere Ansprüche. „Viele Gruppen, insbesondere Frauen, erfüllen diese Anforderungen gar nicht“, so Haupt. Die Folge sei ein höheres Risiko von Altersarmut und eine deutliche Rentenlücke zwischen Männern und Frauen.

Quelle: ntv.de, vmi

Source: n-tv.de