Druschba-Pipeline: Kaum ist Orbán weg, ist die Pipeline repariert

Nach 85 Tagen fließt wieder russisches Öl durch die Druschba-Pipeline nach Ungarn und in die Slowakei. Das meldeten am Mittwochmittag ukrainische Medien unter Berufung auf nicht namentlich genannte Verantwortliche im ukrainischen Energiesektor. Zuvor hatte der ungarische Ölkonzern MOL mitgeteilt, der ukrainische Betreiber Ukrtransnafta habe den seit Ende Januar geltenden Zustand von „Force Majeure“ für beendet erklärt. Schon am Vorabend hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verkündet, dass die Reparaturarbeiten abgeschlossen seien.
Die Lieferungen in die beiden Nachbarländer war unterbrochen worden, nachdem ein russischer Drohnenangriff eine Pumpstation in der Westukraine Ende Januar beschädigt hatte. Daraufhin begann ein politisches Katz-und-Maus-Spiel. Eigentlich hätte Selenskyj die Pipeline am liebsten gar nicht reparieren lassen, weil durch sie russisches Öl fließt.
Entsprechend äußerte er sich mehrmals. Russland töte Ukrainer und dennoch solle Kiew das Öl nach Ungarn weiterleiten, damit Viktor Orbán dort die Wahl gewinne, sagte er etwa Anfang März. Damals kündigte er auch an, dass die Pipeline in anderthalb Monaten wieder in Betrieb gehen könnte – also kurz nach der ungarischen Parlamentswahl. Orbáns Regierung hatte der ukrainischen Seite im Wahlkampf vorgeworfen, die Reparaturarbeiten zu verzögern. Budapest zog infolge des ausbleibenden Öls auf EU-Ebene die Unterstützung für den 90-Milliarden-Euro-Kredit an Kiew zurück und blockierte das 20. Sanktionspaket gegen Russland.
Naftogaz: „Erheblicher Schaden“
Die Ukraine widersprach den Vorwürfen aus Ungarn und der Slowakei stets, dass sie die Reparaturarbeiten mit Absicht verzögerten. Sie dauerten eben und würden durch weitere russische Angriffe erschwert. Der Geschäftsführer des staatlichen ukrainischen Energieunternehmens Naftogaz, Serhij Koretskyj, sagte bei dem Gespräch mit Selenskyj Anfang März, dass der Schaden an der Pumpstation erheblich sei. Es gehe auch um die Elektronik und die Öllager.
Doch auch in Brüssel gab es offenbar Zweifel an der ukrainischen Darstellung. Mitte März bot die Europäische Union der Ukraine technische Unterstützung und finanzielle Mittel zur Reparatur der Druschba-Pipeline an. Daraufhin reiste eine Delegation aus Brüssel nach Kiew, um sich über die Lage informieren zu lassen. Laut Koretskyj wurde dabei auch ein Reparaturplan für die Pipeline präsentiert.
In der vergangenen Woche sagte Selenskyj dann bei einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz, dass die Druschba-Pipeline bis Ende April wieder in Betrieb genommen werden soll. Er schränkte jedoch ein, dass die Reparaturarbeiten noch nicht komplett abgeschlossen seien und auch die Pipeline noch nicht wieder in vollem Umfang betrieben werden könne. Doch für den „normalen Betrieb“ reiche es aus.
Source: faz.net