Deutschlands Strategie: Zum Kampf bereit liegend?

Eine Botschaft für den Aggressor

Es ist klar, dass Wichtiges nicht offen verkündet wird, „sonst könnten wir Putin in E-Mail-Verteiler aufnehmen“, wie Pistorius betonte. Entscheidend ist freilich, dass bei jedem Aggressor die Botschaft ankommt: Niemand kann es wagen, Deutschland anzugreifen. Das muss jetzt schon klar kommuniziert werden.

Der Inspekteur des Heeres, Christian Freuding, hat das begriffen: „Wir sind bereit für den Fight tonight“, sagte er schon im November der F.A.Z. Diese Deutlichkeit lässt Pistorius, der sich in den Beliebtheitsrankings erstaunlich leicht ganz oben hält, mit seiner bürokratischen Art vermissen.

In einer Zeit, in der wir keine Zeit haben, hat er sich viel Zeit gelassen – und herausgekommen ist nicht viel. Wer es zu einer Art Mantra erhoben hat, dass Putin spätestens bis zum Jahr 2029 in der Lage sein werde, die NATO anzugreifen, der sollte seine eigenen Pläne nicht zu weit in die Zeit danach strecken. An die 500.000 Soldaten sollten nicht erst in zehn Jahren einsatzbereit sein. Das Potential ist da – personell und technologisch.

Die Ukraine hat nach manchen Schätzungen bald so viele Drohnenkrieger wie die Bundeswehr Soldaten insgesamt. Und Kiew macht seit Langem vor, wie man auf geniale Weise improvisiert. Zu Recht nennt nicht nur Pistorius das überfallene Land einen Lehrmeister. Die Lehrzeit für die „stärkste Armee Europas“ in Gründung ist noch nicht vorüber, sie währt aber auch schon einige Jahre.

Der Inspekteur des Heeres, dessen Vorgänger die Bundeswehr noch „blank“ sah, sprach von Hingabe und Innovation. Dieser Geist, der die Truppe teilweise schon ergriffen hat, muss noch in der politischen Führung ankommen.

Source: faz.net