Klage gegen „aTLANTIC“: Darf man den FBI-Chef qua Trinker bezeichnen?

Kash Patel sei „MIA“, schreibt Sarah Fitzpatrick im Magazin „The Atlantic“. MIA steht für „missing in action“, also „im Einsatz vermisst“. Folgen wir der Recherche, könnte auf den FBI-Chef indes auch das Akronym „AWOL“ zutreffen: „absent without leave“, abwesend ohne Erlaubnis.

Er verschwinde plötzlich von der Bildfläche, habe Phasen exzessiven Trinkens, verhalte sich paranoid und mache sich – zu Recht – Sorgen um seinen Job. Dass er als Chef der US-Bundespolizei ein Sicherheitsrisiko erster Ordnung darstelle, habe sich inzwischen auch in Trumps Reihen und im Weißen Haus herumgesprochen.

Patel: „Bringen Sie Ihr Scheckbuch mit“

Ist das so? Sarah Fitzpatrick hat, wie sie schreibt, rund zwei Dutzend Quellen für ihre Schilderung, die allerdings alle anonym bleiben wollten. Sie habe zudem einen Katalog mit 19 Fragen an das Weiße Haus geschickt. Antworten habe sie nicht bekommen, stattdessen habe Trumps Sprecherin Karoline Leavitt darauf verwiesen, dass die Kriminalität unter der Ägide von Trump und Patel auf den niedrigsten Stand seit 100 Jahren gesunken sei. Vom FBI sei die Patel persönlich zugeschriebene Antwort gekommen: „Drucken Sie das, alles falsch, wir sehen uns vor Gericht – bringen Sie Ihr Scheckbuch mit.“

Gesagt, getan. Der „Atlantic“ brachte die Geschichte am vergangenen Freitag, und Patel antwortete am Montag mit einer Klage im Trump-Stil: 250 Millionen Dollar will er von dem Magazin und von Sarah Fitzpatrick haben, zuzüglich den Einnahmen, die der „Atlantic“ mit dem Artikel erzielt habe. Patel wirft dem Blatt Verleumdung vor. Der Artikel stecke voller „falscher und erfundener Behauptungen“, formuliert mit der Absicht, seinen Ruf zu zerstören. Nur zwei Stunden Zeit habe ihm das Blatt für die Beantwortung der Fragen geben. Weder in den genannten Lokalen (der „Atlantic“ nennt zwei Bars, in den Patel aufgefallen sei) noch sonst wo habe er übermäßig getrunken, keines der geschilderten Ereignisse habe stattgefunden.

„Atlantic“: „gegen diese haltlose Klage verteidigen“

Bei Fox News hatte Patel seine Klage am Sonntag angekündigt. Er annoncierte sie als weiteren Schritt im von Donald Trump erfolgreich geführten Kampf gegen „Fake News“. Der „Atlantic“ wiederum teilte am Montag mit, man stehe zu der Berichterstattung und werde das Magazin „und unsere Journalisten energisch gegen diese haltlose Klage verteidigen“. Sie stehe zu jedem Wort der Story, an der drei weitere Autoren mitwirkten, sagte Sarah Fitzpatrick dem „Wall Street Journal“.

Was sie in ihrem Stück beschreibt, sind nicht Unzulänglichkeiten im FBI, sie schildert Zustände wie in einem Tollhaus, angeführt von einem despotischen, mit seiner Inkompetenz und Rachsucht die nationale Sicherheit gefährdenden Mann. Bevor man so etwas aufschreibt, überlegt man es sich dreimal, denken wir uns.

Will Patel dem vor Gericht überzeugend entgegentreten, muss er dem „Atlantic“ und Sarah Fitzpatrick böse Absicht (actual malice) nachweisen und darlegen, dass das Magazin und seine Autorin wider besseres Wissen berichtet haben. Das glaubt Patel leicht zu bewerkstelligen, unter anderem, weil sein Anwalt den „Atlantic“ vor der Veröffentlichung der Story wissen ließ, die Vorwürfe gegen Patel seien komplett falsch und verleumderisch. Das ist allerdings etwas anderes, als konkrete Fragen zu beantworten. Im Prozess werden die zahlreichen Zeugen, auf die sich die Journalistin beruft, wohl aus der Anonymität treten müssen. Möglichst nüchtern. Und dann geht es auf Ex.

Source: faz.net