Reservisten solange bis 70: Auch Senioren sind wehrtauglich

Das Renteneintrittsalter gilt offenbar wenig, wenn es ernst wird. So sieht es jedenfalls der neue Präsident des Reservistenverbands, der die Altersgrenze für Reservisten von 65 auf 70 heben will. Schließlich gingen die Deutschen ja auch später in Rente, und „die Leute bleiben länger fit“.
Zwar geht in Deutschland (noch) niemand mit 70 in Rente, schrittweise geht es derzeit in Richtung 67. Aber Bastian Ernst hat dennoch recht. Tauglich für den Wehrdienst ist frau/man auch dann noch, wenn sie/er die berufliche Altersgrenze erreicht hat. Vielleicht nicht als Infanterist, aber die moderne Kriegsführung bietet genug andere Möglichkeiten.
Fachkräftemangel in der Bundeswehr
Der springende Punkt dürfte aber nicht die Frage nach der Tauglichkeit sein, sondern der Fachkräftemangel, der auch für die Bundeswehr gilt. Es gebe Nachwuchsprobleme, so Ernst, deshalb müsse „am anderen Ende“ nachgeholfen werden. In den Jahrgängen, die noch den Wehrdienst kennen, dürfte die Bereitschaft ohnehin größer sein als bei den Jüngeren.
Derzeit arbeitet die Bundeswehr mit 60.000 Reservisten, sie will im Jahr 2035 mit „mindestens“ 200.000 einsatzbereiten Männern und Frauen in Reserve rechnen können. Ob und wie die Zahl aus dem Reservoir der Wehrdienstleistenden erreicht werden kann, ist noch immer unklar. Wie es auch unsicher ist, ob 200.000 Reservisten genügen – und deshalb die Wehrpflicht wieder eingeführt werden muss.
Die Altersgrenze zügig nach oben zu setzen, würde bedeuten, dass auch Wehrdienstleistende aus den 1980er-Jahren noch einmal reaktiviert werden. In den 1990er-Jahren folgen die Jahrgänge, die kaum noch oder gar nicht mehr (nach der Aussetzung von 2011) Wehrpflicht leisten mussten. Freiwillige Reservistenübungen werden auch zu ihrem Alltag gehören.
Die Äußerung von Bastian Ernst ist auch aus einem ganz anderen Grund mehr als ein Denkanstoß. Wenn Reservisten bis 70 dienen können, dann können sie auch bis 70 einen Beruf ausüben. Das Renteneintrittsalter nach oben zu setzen, wäre die Konsequenz. Nicht nur aus Gründen der Wehrhaftigkeit wäre das eine überfällige Entscheidung.
Source: faz.net