10. Todestag von Prince: Besessen vom Klang






Vor zehn Jahren starb Prince mit 57 Jahren in Paisley Park. Bis heute gilt der Musiker als Visionär.

Am 21. April 2016, wurde Prince (1958-2016) tot im Aufzug seines Studios Paisley Park in Minnesota gefunden. Der Grenzgänger zwischen Funk, Rock und Pop war 57 Jahre alt. Zehn Jahre später gilt der Musiker aus Minneapolis noch immer als einer der eigenwilligsten und produktivsten Künstler seiner Generation.



Ein Wunderkind aus Minneapolis

Prince Rogers Nelson wird 1958 in eine musikalische Familie hineingeboren: die Mutter Tänzerin, der Vater Jazz-Gitarrist. Mit sieben Jahren – ungefähr zu der Zeit, als die Eltern sich trennen – bringt er sich das Klavierspielen selbst bei. Der strenge Vater soll ihn zuvor nicht an das Instrument gelassen haben.

Nach Problemen mit dem Stiefvater zieht der junge Prince bei der Familie eines Schulfreundes, André Cymone, ein. Im Keller der Andersons entsteht ein kreatives Labor: Der Teenager lernt autodidaktisch Gitarre, Bass, Schlagzeug und Synthesizer. Er gründet erste Bands, spielt Cover von James Brown und Sly Stone auf lokalen Bühnen. Aus dem Wunderkind wird der Alleskönner.


Newcomer mit allen Freiheiten

Mit 19 Jahren unterschreibt Prince bei Warner Bros. einen für Newcomer jener Zeit beispiellosen Vertrag, der ihm volle kreative Kontrolle verspricht. Auf seinem Debütalbum „For You“ von 1978 macht er alles selbst – er komponiert, arrangiert, produziert, spielt alle angeblich 27 Instrumente und singt alle neun Titel ein. Das Debüt zeigt das Genie, das nächste Werk beschert ihm den Durchbruch. Mit „1999“ platziert er sich in den Top 10 in den USA und läuft bei MTV auf Dauerrotation.

In den 1980er-Jahren lässt Prince in Minnesota den Paisley Park errichten – ein Studio- und Produktionszentrum, das zum kreativen Hauptquartier wird. Dort arbeitet er unabhängig von den Strukturen klassischer Plattenfirmen, nimmt auf, produziert und plant Filmprojekte. Der Komplex entwickelt sich zu einer abgeschotteten, aber extrem produktiven Welt, in der rund um die Uhr gearbeitet wird.




1984 krönt „Purple Rain“ Princes Aufstieg zum globalen Superstar. Das gleichnamige Album erscheint als Soundtrack zum zwei Tage später anlaufenden Film, in dem Prince selbst die Hauptrolle „The Kid“ spielt, einen rebellischen Gitarristen mit Vaterkonflikten. Neun Titel verschmelzen Rock, Funk, Pop und Gospel, das Album hält sich 20 Wochen an der Spitze der US-Charts und gewinnt zwei Grammys. So legendär wie seine Konzerte werden auch seine Mitternacht-Aftershows – spontane Zusatzkonzerte in kleinen Clubs ohne Lightshow, dafür mit roher Energie und oft prominenten Gästen.


Krieg mit dem Label

Nach der Verlängerung seines Warner-Vertrags gerät Prince in einen offenen Konflikt mit dem Label, das sich nun doch in seine Arbeit einmischen will. Er tritt öffentlich mit dem Wort „Slave“ im Gesicht auf, ändert seinen Künstlernamen in ein unaussprechliches Symbol, um sich der Kontrolle über die eigene Marke zu entziehen. Da er vertraglich gebunden bleibt, veröffentlicht er im Schnellverfahren mehrere Alben.

Output war nie ein Problem für ihn: Prince sagt oft, dass er Musik nicht einfach „macht“, sondern von ihr getrieben ist – als wäre sie eher ein innerer Zwang als eine bewusste Entscheidung. So passt auch ein ihm häufig zugeschriebenes Zitat aus dem Jahr 1991: „I make music because if I don’t, I’d die.“ Kreativität war für ihn etwas, das sich nicht abschalten lässt und rausmusste.





Nach dem Bruch mit Warner springt Prince zwischen EMI, Arista, Redline, Columbia und Universal, gründet sein eigenes Label NPG Records und vertreibt Musik später direkt online oder als Beilage in einer Zeitung. Heute ist klar, wie visionär dieses Vorgehen ist: Künstler wie Taylor Swift, Chance the Rapper oder Radiohead folgen seinem Weg in die Unabhängigkeit.

Ein stilles Privatleben

So offensiv Prince seine Kunst nach außen trägt, so zurückgezogen lebt er privat. 1996 heiratet er die Tänzerin Mayte Garcia, mit der er seit Anfang der 1990er-Jahre liiert ist. Ihr gemeinsamer Sohn Boy Gregory kommt 1996 zur Welt, stirbt jedoch wenige Tage später an einer seltenen genetischen Erkrankung. Die Ehe scheitert 1998. 2001 heiratet Prince die Geschäftsfrau Manuela Testolini, die ebenfalls in seinem Umfeld arbeitet; auch diese Verbindung hält nicht und wird 2006 geschieden.

Am 21. April 2016 findet man Prince tot im Aufzug von Paisley Park. Als offizielle Todesursache nennen die Behörden eine Überdosis Fentanyl, ein Opioid, das er wegen seines jahrelangen Kampfs gegen chronische Schmerzen nahm. Der Paisley Park wird als Gedenkstätte und Museum geöffnet. Besucher können heute die Studios, Bühnen und persönlichen Räume besichtigen.

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Source: stern.de