Trump Gegen Leo XIV.: Der Papst hat seinen Sieg verspielt

Die Hand zum Friedensgruß gereicht haben sich Donald Trump und Leo XIV. zwar noch nicht. Aber der Papst machte seinem Titel als oberster Brückenbauer alle Ehre: In seine Äußerungen sei viel „hineininterpretiert“ worden, ließ er wissen. Es geht um den verbalen Schlagabtausch zwischen Papst und US-Präsident.

Zwei Unschuldslämmer und ein Sündenbock

Rom verweist nun darauf, Aussagen Leos XIV. während seiner Afrikareise seien nicht als Antwort auf Trump zu verstehen, seine Ansprachen seien schon vor der Abreise vorbereitet worden. Unerwähnt blieb, dass der Papst nicht erst auf der Afrikareise gegen Trump Stellung bezogen hatte.

Den amerikanischen Vizepräsidenten Vance stören solche Feinheiten nicht. Trumps oberster Katholik ergriff die päpstliche Hand dankbar und stimmte in dessen Klagepsalm ein: Im Narrativ der Medien würden ständig Konflikte aufgebauscht, die Wirklichkeit sei jedoch viel komplexer. So gab es am Ende zwei Unschuldslämmer und einen Sündenbock: die Medien.

Dass sich das Verhältnis zwischen Washington und dem Vatikan wieder entspannt, wäre für sich genommen eine gute Nachricht. Aber der Preis ist hoch. Der Papst sekundiert um des Friedens willen Trump mit seinem Narrativ von den bösen Medien, die nur Fake News verbreiteten. Der kann solche Behauptungen künftig mit päpstlichem Siegel versehen verbreiten. Im Fußball würde man sagen: Leo XIV. hat seinen Sieg verspielt.

Source: faz.net