Folgen des Iran-Kriegs: Keine Entspannung beim Flugbenzin

Ein Passagierflugzeug der Lufthansa CityLine rollt Richtung Startbahn auf dem Frankfurter Flughafen. (Archivbild: 20.10.2919)


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Stand: 20.04.2026 • 20:48 Uhr

Die Versorgung mit Kerosin bleibt angespannt, auch wenn die Politik beschwichtigt. Bleibt die Straße von Hormus weiter gesperrt, dürften Flugpläne weiter ausgedünnt und Tickets noch teurer werden.

Der Preis für Flugzeugbenzin (Kerosin) ist seit Beginn des Iran-Kriegs um 122 Prozent gestiegen, schreibt die Londoner Beratungsfirma Energex. Erst wurde von Lieferproblemen an asiatischen Flughäfen berichtet, vor zwei Wochen kam es auch an Flugplätzen in Italien zu Verzögerungen beim Tanken.

Lufthansa hat seine Zubringerfirma Cityline geschlossen und legt alte spritfressende Flugzeuge still. Begründet wird das mit teurem Kerosin, aber auch als Reaktion auf Streiks des Personals. Von der Bild-Zeitung bis zur Börsen-Zeitung schreiben Medien von steigenden Preisen und Gefahren für Fernreisen im Sommer.

Bisher kam die Hälfte des in Europa benötigten Kerosins aus dem Nahen Osten. „Europa ist die Region mit der größten Importabhängigkeit vom Nahen Osten“, schreibt die Internationale Energieagentur IEA. Seit dem Iran-Krieg kommt weniger als die Hälfte an – was bedeutet: Ein Viertel des europäischen Kerosinbedarfs wird nicht mehr wie gewohnt gedeckt. Saudi-Arabien leitet Rohöl zwar in den Hafen von Yanbu am Roten Meer um. Das ist kein sicheres Geschäft, weil Yanbu aus Iran angegriffen werden kann.

Das Militär braucht Kerosin

Nicht nur der Zufluss von Rohöl und Kerosin ist schwierig geworden. Auch Verarbeitung, Lagern und Verteilen des Flugbenzins ist mit Problemen behaftet. „Europäische Behörden priorisieren immer mehr die Versorgung des Militärs mit Treibstoff“, schreibt Energex, „das macht die Versorgung noch schwerer“.

Bei der Verteilung von Kerosin spielt das „Central Europe Pipeline System“ (CEPS) eine Schlüsselrolle. Es verbindet Seehäfen mit Flughäfen und Garnisonen. CEPS ist eine Militäreinrichtung der NATO. Die Flughäfen Frankfurt am Main, Amsterdam, Zürich, Brüssel und Luxemburg sind angeschlossen. Im laufenden Iran-Krieg muss auch die amerikanische Luftwaffe sehen, woher sie Treibstoff bekommt. „Die Nutzung von CEPS wird steigen, um US-Flughäfen in Deutschland zu versorgen“, warnt Energex und erinnert daran, dass CEPS im Kosovokrieg 1993 kurzfristig für zivilen Gebrauch gesperrt wurde.

Der Frankfurter Flughafen ist nicht völlig von CEPS abhängig. Es gibt zusätzlich eine zivile Pipeline zum Hafen von Rotterdam, die Tanks am Main füllt. Von dort geht es mit eigener Rohrleitung zum nahen Flughafen. Egal, ob die Pipeline zivil oder militärisch ist: In Rotterdam kommt nicht mehr genug an.

Wer sonst noch liefern kann

Es gibt Alternativen zu Lieferanten im Nahen Osten. Verarbeiter in Asien setzten russisches Öl um und werden wegen des Ukraine-Kriegs boykottiert. Andere lassen sich ihre Marktchancen teuer bezahlen. Berichtet wird von prosperierenden Ölunternehmen in Nigeria und den USA. Den Ausfall im Nahen Osten können diese Quellen aber um keinen Preis decken.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und andere europäische Politiker beruhigen. Europa sei nicht auf den Import fertigen Kerosins angewiesen. Es gäbe Raffinerien, die aus Rohöl Flugbenzin herstellen könnten. Doch seit dem Nachfrageeinbruch durch Corona und der Bemühung, mehr grüne Energie zu verwenden, sind die Raffineriekapazitäten geschrumpft. Energex rechnet vor, dass in Europa ein Viertel weniger Kerosin hergestellt wird als vor der Pandemie. Zudem mangelt es auch an Rohöl. Schließlich sind nicht alle Raffinerien technisch in der Lage, das aufwändige Kerosin zu raffinieren. Die Benzinfabriken, die das können, laufen schon unter Volllast und verdienen prächtig.

Es gibt keine Alternative zu Flugbenzin aus Erdöl. Versuche, Kerosin mit grünem Strom künstlich herzustellen, funktioniert bisher nur in kleinen Pilotanlagen, die ein paar tausend Tonnen pro Jahr erzeugen. Wegen des enormen Strombedarfs kostet eine Tonne noch immer etwa 1.000 Dollar mehr als fossiles Kerosin.

Nach Energex-Daten reichen die gesamtdeutschen Lager für den Kerosinbedarf von sechs Wochen. Der Spritversorger des Frankfurter Flughafens sagt, maximal 186 Millionen Liter lagern zu können. Der Tagesbedarf des Flughafens liegt bei 15 Millionen Litern. Die Energieagentur IEA rechnet weltweit mit leicht steigendem, der Verband ölexportierender Länder OPEC hingegen mit deutlich steigendem Bedarf an Flugbenzin.

Weniger Flüge für mehr Geld

Der Ukraine-Krieg und jetzt auch noch der Iran-Krieg haben Flugreisen ohnehin teurer gemacht. Flugzeuge müssen Umwege fliegen. Wegen längerer Flugzeiten und ungünstiger Ankünfte können Crews und Maschinen nicht mehr wie früher effektiv disponiert werden. Zu diesen Kostentreibern kommen nun steigende Treibstoffpreise. Sie haben bisher 20 bis 30 Prozent der Betriebskosten von Fluggesellschaften ausgemacht. Bei einem auf über 1.800 Dollar pro Tonne mehr als verdoppelten Preis sind alte Kalkulationen nichts mehr wert.

Die Luftfahrtbranche fordert denn auch von der Politik Entlastungen wegen der hohen Kerosinpreise. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) nannte etwa eine temporäre Aussetzung des Emissionshandels für den EU-Luftverkehr sowie der Luftverkehrsteuer. „Der Konflikt in Nahost hat die größten Auswirkungen auf den internationalen, europäischen und nationalen Luftverkehr seit der Corona-Pandemie“, warnte der Verband.

Lufthansa und Eurowings haben Verbindungen gestrichen. Wenn die Straße von Hormus weiter gesperrt bleibt, dürften Flugpläne weiter ausgedünnt und Tickets teurer werden. Mittwoch will die EU-Kommission einen Plan zum Umgang mit der Öl- und Kerosinkrise vorlegen.

Source: tagesschau.de