Interview mit Präsident Lula: „Brasilien ist der richtige Standort“

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Stand: 20.04.2026 • 23:15 Uhr

Brasiliens Präsident Lula wirbt für deutsche Investitionen in seinem Land. Im Interview mit den tagesthemen betonte er vor allem Brasiliens Rolle bei erneuerbaren Energien. Auch im Bereich Seltene Erden will er die Zusammenarbeit ausbauen.

Auf der Hannover Messe präsentiert die Industrie Zukunftstrends und Hightech-Neuerungen. Partnerland in diesem Jahr ist Brasilien. Im Interview mit den tagesthemen wirbt Präsident Luiz Inácio Lula da Silva für sein Land als innovativen Partner für Handelsbeziehungen. „Wenn deutsche Industrien mit erneuerbarer Energie produzieren wollen, dann ist Brasilien der richtige Standort“, so Lula.

Brasilien sei „sehr respektiert“, wenn es um erneuerbare Energien gehe, betonte der Präsident. Er sprach in diesem Zusammenhang von einem Anteil von über 50 Prozent der Energiematrix in seinem Land.

Lula heißt deutsche Unternehmen willkommen

Auch im Bereich Seltene Erden will das Land partnerschaftliche Beziehungen aufbauen. „Wenn deutsche Unternehmen nach Brasilien kommen, um mit uns zusammenzuarbeiten und die Seltenen Erden in Brasilien zu verarbeiten, dann sind sie willkommen“, so Lula.

Im Interview mit tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni betonte Lula aber auch immer wieder die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit seines Landes. Ein Abkommen müsse immer „für beide Länder interessant sein“. Die Türen hält sich der brasilianische Präsident in alle Richtungen offen: „Wir legen Veto gegen niemanden ein – nicht gegen die USA, nicht gegen China, nicht gegen Russland, nicht gegen Indien, nicht gegen Deutschland.“

„Zwei 80-Jährige dürfen nicht Politik im Sandkasten machen“

Politik kann in seinen Augen vor allem mit Multilateralismus gelingen. „Wir können nicht abhängig sein von einem Land“, sagte Lula. Brasilien wolle deshalb ein Land sein, dass sich mit allen anderen Ländern so produktiv wie möglich verständige, erklärte er.

Mit US-Präsident Trump habe er eben deshalb „ein gutes Verhältnis aufgebaut“. Lula erklärte: „Ich habe Präsident Trump gesagt: Ich bin 80 Jahre alt, du bist bald 80 Jahre alt. Und zwei 80-Jährige dürfen nicht Politik im Sandkasten machen.“ Der brasilianische Präsident räumte allerdings auch ein: Trumps Verhalten sei „unangemessen für die Förderung der Harmonie in der Welt“.

Kritik an Prozess um Mercosur-Abkommen

Das Handelsabkommen Mercosur soll die Handelsbeziehungen zu Europa stärken. Das Abkommen wurde lange verhandelt, und tritt nun doch nur vorläufig in Kraft – weil das EU-Parlament eine Überprüfung eingeleitet hatte. „Das ist ein Problem“, so Lula.

Die Entwicklung ruft Kritik vom brasilianischen Präsidenten hervor: „Manchmal denke ich, dass die entwickelten Länder auf uns schauen, als ob wir bis in alle Ewigkeit kolonisierte Länder sind.“ Brasilien wolle aber „als gleich wahrgenommen werden“, bemängelte Lula.

Source: tagesschau.de