Krieg, Zölle und hohe Kosten – Industrieverband BDI kappt Prognose
marktbericht
Wegen des Iran-Kriegs rechnet der Industrieverband BDI in diesem Jahr nicht mehr mit Wachstum, sondern bestenfalls mit stagnierenden Ergebnissen. Probleme gibt es schon länger.
Peter Leibinger ist pessimistisch. „Seit 2022 ist die Industrieproduktion in Deutschland jedes Jahr gesunken“, so der Präsident des Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zum Auftakt der Hannover Messe.
„Für 2026 rechnen wir nicht mehr mit einer Erholung, sondern mit Stagnation.“ Damit kassiert der Verband die eigene Prognose vom Januar. Zu Jahresbeginn wurde noch ein Zuwachs von einem Prozent in Aussicht gestellt.
Hauptgrund für die nun pessimistischeren Einschätzungen sind neue Unsicherheiten in Folge des Kriegs im Nahen Osten. Zum einen sind die Energiepreise deutlich gestiegen, zum anderen gibt es Verzögerungen bei der Lieferung wichtiger Rohstoffe, weil Schiffe mit ihrer Ladung nicht mehr ohne Weiteres durch die Meerenge von Hormus fahren können. „Strategische Planung ist immer weniger möglich. Stattdessen fahren die Unternehmen auf Sicht“, sagte schon vor ein paar Wochen der Hauptgeschäftsführer des Verband der Chemischen Industrie (VCI), Wolfgang Große Entrup. Daran hat sich bis heute wenig geändert.
Sollten die Störungen im Schiffsverkehr noch länger anhalten, dann droht nach Einschätzungen des Industrieverbands BDI das fünfte Jahr in Folge ein Rückgang der Produktion im verarbeitenden Gewerbe. Die Produktion liege weiter deutlich unter früheren Niveaus, die Kapazitäten seien nur zu gut 78 Prozent ausgelastet.
Zuvor schon haben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Konjunkturprognosen für das laufende Jahr deutlich gesenkt. Dabei sollte es 2026 eigentlich wieder bergauf gehen. Die Bundesregierung gibt Milliarden Euro aus für die Verteidigung und für die Modernisierung der Infrastruktur.
Doch der erhoffte „Investitionsbooster“ zeigt bislang nicht die erhoffte Wirkung. „Der Druck auf die Industrie besteht weiter – und wächst“, sagte Leibinger und bezieht sich dabei nicht nur auf die Folgen des Iran-Kriegs. „Die Ursache lieg bei uns.“ Es gebe gravierende strukturelle Probleme, allen voran die hohen Kosten am Standort. Belastend auch die hohen Steuern und bürokratische Hürden.
Vertreter vom Branchenverband VDMA sind optimistischer. Die Produktion beim Maschinen- und Anlagenbau dürfte in diesem Jahr um ein Prozent steigen. In der Elektro- und Digitalindustrie rechnet dessen Branchenverband ZVEI sogar mit zwei Prozent mehr Produktion – vorausgesetzt die Lage in Iran normalisiere sich in den kommenden Monaten.
„Technologisch herrscht Aufbruchstimmung“, so ZVEI-Chef Gunther Kegel. Die Industrie stehe an der Schwelle des nächsten großen industriellen Entwicklungsschritts. Humanoide Roboter in der Industrie seien eine große Chance.
Der DAX ist mit einem deutlichen Minus in die neue Handelswoche gestartet. Die Situation in der Straße von Hormus ist weiterhin unübersichtlich und brenzlig.
Die wiederholten Störungen auf einer der wichtigsten Energiehandelsrouten unterstreiche jedoch die fragile Lage und dämpfe Hoffnungen auf ein zeitnahes, tragfähiges Friedensabkommen, so Marktexperte Timo Emden.
Source: tagesschau.de