Gehalt: Deutlich mehr Geld pro Spitzenmanager

Die Vergütungspakete der Vorstandschefs großer europäischer Konzerne sind 2025 kräftig um ein Sechstel bis ein Fünftel gestiegen. In Großbritannien erhielten sie sogar 18 Prozent mehr Gehalt und Sonderzahlungen als im Vorjahr, ergab ein Deloitte-Bericht, der die bisher veröffentlichten Geschäftsberichte von Unternehmen im britischen Aktienleitindex FTSE 100 für 2025 auswertet. Die britischen Vergütungen stiegen damit prozentual mehr an als die der deutschen Dax-Konzernchefs, die laut einer Berechnung des Handelsblatt Research Institute knapp 13 Prozent mehr erhielten als im Vorjahr.

Spitzenverdiener unter den Dax-Vorstandsvorsitzenden war im vergangenen Jahr SAP-Chef Christian Klein, dessen Gehaltspaket sich auf insgesamt 16,2 Millionen Euro summierte. Auf Platz zwei folgt der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, dessen Gehalt einen deutlichen Sprung nach vorn machte, weil bei ihm zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt im Jahr 2018 Langfrist-Boni fällig wurden. Laut Geschäftsbericht betrug seine „gewährte und geschuldete Vergütung“ rund 15,7 Millionen Euro. Damit stand er noch vor Siemens-Chef Roland Busch, der auf 12,3 Millionen Euro kam.

Verdienst von Rheinmetall-Chef Papperger verdoppelt

Mehr als zehn Millionen Euro verdienten insgesamt sechs Dax-Chefs. Neben Klein, Sewing und Busch waren das Oliver Bäte von der Allianz mit 11,6 Millionen Euro, Tim Höttges von der Deutschen Telekom mit knapp 11,6 Millionen und Rheinmetall-Chef Armin Papperger, dessen Gehalt wegen des Rüstungsbooms auf rund 10,2 Millionen Euro gewachsen ist. Papperger erhielt damit rund zweieinhalbmal so viel wie im Jahr zuvor.

Üppige Gehälter für ihre Spitzenmanager bezahlen oft auch die Großunternehmen in der Schweiz – so war es auch im vergangenen Jahr wieder. Der Chef des Basler Pharmakonzerns Novartis, Vasant Narasimhan, erhielt im vergangenen Jahr fast 25 Millionen Franken. Trotz einiger Proteste gegen das üppige Gehaltspaket stimmten die Aktionäre auf der Hauptversammlung mit großer Mehrheit zu. Gut verdient hat in der Schweiz auch der Vorstandsvorsitzende der Großbank UBS, Sergio Ermotti, der für seine Arbeit im vergangenen Jahr fast 15 Millionen Schweizer Franken erhielt.

In Großbritannien sind die FTSE-100-Gehaltspakete innerhalb von drei Jahren um 64 Prozent gewachsen, ergab die Deloitte-Auswertung. Dazu tragen auch dort besonders größere leistungsabhängige Boni-Zahlungen bei, die bei Erreichung bestimmter Unternehmensziele ausgeschüttet werden. Die britischen Konzernchefs erhielten durchschnittlich knapp 5,9 Millionen Pfund (6,8 Millionen Euro) und lagen damit fast genau gleich auf Niveau der Dax-Chefs.

Shell-Vorstandschef könnte bis zu 27,5 Millionen Pfund verdienen

Zu den Bestverdienern in Großbritannien gehören der Chef des Pharmakonzerns Astra-Zeneca, Pascal Soriot (mit 17,7 Millionen Pfund Gehaltspaket im vergangenen Jahr), C. S. Venkat von der Großbank Barclays (rund 15 Millionen Pfund) und Shell-Konzernchef Wael Sawan (rund 14 Millionen Pfund).

Der Chef des Triebwerks- und Rüstungskonzerns Rolls-Royce, Tufan Erginbilgiç, der im Vorjahr zurückfiel, könnte in diesem Jahr dank hoher Boni auf mehr als 18 Millionen Pfund Gesamtpaket kommen. Seit er vor gut drei Jahren bei Rolls-Royce die Leitung übernahm, hat sich der Aktienkurs mehr als verzehnfacht. Shell-Vorstandschef Sawan könnte in diesem Jahr sogar ein Gehaltspaket von maximal 27,5 Millionen Pfund erreichen, wenn er alle Ziele erreicht. Damit liegt er aber noch weit unter dem Verdienst des Chefs des US-Ölmultis Exxon-Mobils.

Großer Abstand zu Managergehältern in Amerika bleibt

Insgesamt zeichne sich in Großbritannien ab, dass die Chefgehälter sich etwas mehr „amerikanischen Verhältnissen“ annähern, meint Deloitte. Chefs erhalten höhere Boni und Aktienpakete, wenn sie Meilensteine erreichen. Allerdings bleibt noch immer ein großer Abstand zu den einmaligen „Mondflug-Gehältern“ für manche US-Konzernlenker, wie sich Deloitte-Partner Mitul Shah ausdrückt.

Elon Musk könnte bis zu einer Billion Dollar erhalten, wenn er bestimmte Ziele erreicht, während der Chef von Alphabet, der Google-Muttergesellschaft, Sundar Pichai, in den nächsten drei Jahren potentiell fast 700 Millionen Dollar verdienen könnte. Zum Großteil besteht Pichais Vergütungspaket allerdings aus Aktienoptionen, von denen er nur dann profitiert, wenn sich die Aktien von Alphabet im Vergleich zu den anderen großen amerikanischen Unternehmen im Index S&P 100 deutlich überdurchschnittlich entwickeln.