Oberrheingraben: Siemens engagiert sich im Lithium-Abbau

Der Technologiekonzern Siemens wird sich am Lithium-Abbau im Oberrheingraben beteiligen. Wie Siemens am Montag mitteilte, wurde mit der deutsch-australischen Betreibergesellschaft Vulcan Energy eine Rahmenvereinbarung für das „Lionheart“-Projekt zur Gewinnung von Lithium und erneuerbaren Energien im Oberrheingraben geschlossen. Darüber hinaus beabsichtigen die beiden Partner, dass Siemens bis 2035 bevorzugter Lieferant von Automatisierungs- und Digitalisierungstechnologie für Vulcan Energy sein wird.

Die Präferenz des Unternehmens für Siemens soll über die erste Projektphase „Lionheart“ hinausgehen und weitere Phasen umfassen. „Als strategischer Investor und wichtiger Technologiepartner unterstützen wir Vulcan Energy dabei, Europas erste große, nachhaltige Lithiumquelle zu erschließen“, erklärte der Siemens-Vorstandsvorsitzende Roland Busch. Sein Konzern wird nach seinen Worten „von modernster Automatisierung und Digitalisierung bis hin zu intelligenten Gebäudelösungen“ dazu beitragen, die Produktion schneller hochzufahren.

Siemens-Chef Busch will resilientere Industrie in Europa

Dies wertet Busch als entscheidenden Faktor für eine lokale Lithiumversorgung im Zuge der Energiewende sowie für eine wettbewerbsfähigere, resilientere und nachhaltigere europäische Industrie. Vulcan will in der Südpfalz Lithium aus dem Oberrheingraben filtern. In der ersten Projektphase wird eine jährliche Produktionskapazität von 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid-Monohydrat (LHM) angestrebt. Diese Kapazität ist nach Angaben von Siemens ausreichend, um Batterien für etwa 500.000 Elektrofahrzeuge herzustellen.

Gerade hat das deutsch-australische Bergbauunternehmen mit der zweiten Bohrung inmitten von Weinbergen begonnen: Aus vier Kilometer Tiefe pumpt das Unternehmen heißes Thermalwasser an die Oberfläche und löst das darin gebundene Lithium. In der Stadt Landau extrahiert Vulcan aus der lithiumhaltigen Sole Lithiumchlorid. Dieses wiederum wird mit Tanklastwagen ins 130 Kilometer entfernte Frankfurt gefahren. Dort, im Industriepark Höchst, soll es dann zum Batteriegrundstoff Lithiumhydroxid-Monohydrat weiterverarbeitet werden. Als „Nebenprodukt“ fällt Fernwärme für die umliegenden Ortschaften in der Pfalz an.

Bis zu 67 Millionen Euro direkte Beteiligung

Siemens trägt auch zur Finanzierung des Projekts bei. Das Gesamtfinanzierungspaket umfasst 2,2 Milliarden Euro. Nach Abschluss der Transaktion wird die Finanzsparte Siemens Financial Services als Minderheitsinvestor zu einem Konsortium aus strategischen Investoren wie dem Baukonzern Hochtief oder der Beteiligungsgesellschaft Demea Sustainable Investment gehören. Insgesamt beträgt der Eigenkapitalanteil in dem Paket rund eine Milliarde Euro. Davon wird Siemens nach Angaben eines Sprechers bis zu 67 Millionen Euro beisteuern.

Ebenfalls rund eine Milliarde Euro vom Gesamtfinanzierungspaket entfallen auf Fremdkapital. Hier stellt Siemens Financial Services zusammen mit Partnern 100 Millionen Euro an Krediten bereit. Ein wichtiger Finanzierer des Projekts ist die Europäische Investitionsbank mit 250 Millionen Euro. Finanziert wird das Projekt zum Großteil mit Bankkrediten, zum Teil mit staatlichen Kreditgarantien.

Lithium-Bedarf wächst deutlich

Der Bund und die beteiligten Länder Rheinland-Pfalz und Hessen haben vor der Finanzspritze des Rohstofffonds schon zweimal Geld gegeben: 100 Millionen Euro für die Dekarbonisierung der Fernwärme der Stadt Landau steuert der Bund bei. Gemeinsam mit Hessen und Rheinland-Pfalz flossen weitere 104 Millionen Euro für den Aufbau der Produktion.

Wie Siemens hatte sich Hochtief für eine mit Geld unterlegte Partnerschaft entschieden. Der Baukonzern hat Aktien für 169 Millionen Euro gekauft und ist damit zum größten Aktionär mit einem Anteil von rund 15 Prozent aufgestiegen. Im Gegenzug hat die Hochtief-Tochtergesellschaft Sedgman den Auftrag zu Planung, Beschaffung und Projektmanagement der Anlagen in Landau und Frankfurt erteilt.

Experten wie die Internationale Energieagentur und das Fraunhofer-Institut gehen davon aus, dass der Lithium-Bedarf in den kommenden Jahren stark wächst. Ziel der EU ist es, die Abhängigkeit von Rohstofflieferungen insbesondere aus China zu reduzieren. Die Bundesregierung schätzt die Bedeutung des Projektes offenkundig ebenfalls hoch ein und hat sich mit 150 Millionen Euro aus dem eigens dafür aufgelegten Rohstofffonds beteiligt.

Vulcan geht davon aus, dass das Projekt mit seinen bis zu 28 geplanten Bohrungen 2,2 Milliarden Euro kosten wird. Die kommerzielle Produktion soll im Jahr 2028 starten. Mit einigen Unternehmen gebe es schon Vorverträge zur Lieferung, darunter der französische Autokonzern Stellantis und der südkoreanische Batteriehersteller LG Energy. Kritische Analystenkommentare zur Tragfähigkeit des Projektes weist Vulcan zurück. Die erwartete Wirtschaftlichkeit sei enorm, sagte der verantwortliche Vulcan-Manager Christian Freitag zum Start der Bohrphase im vergangenen Sommer der F.A.Z.