Diese Landung beendet dies Raketen-Recycling-Monopol von SpaceX

Der von Jeff Bezos gegründete Raumfahrtkonzern Blue Origin hat mit der Landung seiner New-Glenn-Rakete nun endgültig bewiesen, dass man die Raketen-Recycling-Methode ebenfalls beherrscht. Der große Rivale Elon Musk plant derweil einen neuen SpaceX-Coup.

Audioplayer wird geladen

In dem einzigartigen Raketen-Wettbewerb der Milliardäre Jeff Bezos und Elon Musk hat der Amazon-Gründer eine wichtige Schlüsseletappe erreicht und den Abstand zum Branchenführer Musk verkleinert.

Dem von Bezos gegründeten Raumfahrtkonzern Blue Origin ist es jetzt gelungen, eine Raketenstufe zum zweiten Mal in den Weltraum zu starten und wieder erfolgreich landen zu lassen. Das Recyclingkonzept ist der entscheidende Schritt hin zu günstigeren und häufigeren Raketenstarts.

Damit ist Blue Origin das weltweit zweite Unternehmen mit einem erfolgreichen Raketen-Recycling. Mit dem jetzt erneut geglückten Versuch ist eines der Space-X-Monopole Geschichte. Branchenführer Elon Musk gelang mit SpaceX der erste erfolgreiche sogenannte Reflight – allerdings bereits vor neun Jahren. Seitdem beruhen weit über 500 SpaceX-Raketenstarts auf wiederverwendeten Antriebsstufen.

Lesen Sie auch

Jeff Bezos hinkt mit seinen Raketenambitionen seinem Rivalen Musk um Jahre hinterher, aber er verfolgt auch eine andere Philosophie. Beide Multimilliardäre gelten als sogenannte „Space Boys“ mit ihrer Mischung aus kindlicher Begeisterung für Raketen und ernsthaften Raumfahrtplänen. Während Musk risikobereiter ist und nach dem Motto „Fail fast, learn fast“, also sinngemäß Prototypen bewusst zerstört, um schnell zu lernen, geht Bezos langsamer und sicherheitsorientierter vor. In der Branche wird SpaceX als „Hase“ bezeichnet, der schnell und spektakulär operiert, während Blue Origin eher eine „Schildkröte“ sei, die langsam, aber stetig vorankomme.

So startete Bezos am Sonntagmorgen um 7:25 Uhr Ortszeit seine fast 100 Meter hohe New-Glenn-Rakete erst zum insgesamt dritten Mal (NG-3) vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida. Der Countdown musste knapp vier Minuten vor der Zündung außerplanmäßig um 40 Minuten unterbrochen werden. Die Ursache für den zwischenzeitlichen Stopp wurde in der Live-Übertragung nicht genannt. Die Landung auf der Meeresplattform klappte dann reibungslos, begleitet vom Applaus und Jubelrufen von Blue-Origin-Beschäftigten.

Der Erstflug der Rakete erfolgte mit rund fünfjähriger Verspätung im Januar 2025 und der zweite Flug fand im November 2025 statt. Die Antriebsstufe (Booster) landete damals erstmals erfolgreich auf einer Meeresplattform. Diese Antriebsstufe wurde anschließend mit sieben neuen BE-4-Triebwerken ausgerüstet, überarbeitet, und flog jetzt erneut in den Weltraum und landete wieder auf der „Jacklyn“-Plattform im Meer. Diese Rückholmanöver aus dem All sind bei Musk mit SpaceX inzwischen Routine.

Lesen Sie auch

An Bord der jetzt gestarteten New-Glenn-Rakete war als Nutzlast der riesige Kommunikationssatellit Blue Bird7 von AST SpaceMobile. Das US-Telekommunikationsunternehmen entwickelt ein Breitbandnetzwerk im Weltraum, das direkt mit normalen, unveränderten Smartphones Verbindungen aus dem All ermöglichen soll. Der Satellit wird dazu eine der größten kommerziellen Hightech-Kommunikationsantennen im All mit einer Fläche von etwa 223 Quadratmetern entfalten.

Lesen Sie auch

Die Antriebsstufen der New-Glenn-Rakete sind für bis zu 25 Flüge ausgelegt, während bei SpaceX bereits mehrere Antriebsstufen der Falcon-9-Raketen schon über 30 Mal geflogen sind. Elon Musk geht mit seiner Raketen-Recyclingidee noch einen Schritt weiter. Während bisher nur die Antriebsstufen (1. Stufe) der Raketen wiederverwendet werden, soll bei der von SpaceX entwickelten weltgrößten Rakete Starship die komplette Rakete samt Oberstufe recyclingfähig sein.

Beide Stufen sollen dann nach dem Flug mit den mechanischen Armen am Startturm aufgefangen, schnell gewartet und wieder gestartet werden. Dieses Manöver könnte womöglich erstmals in diesem Jahr erprobt werden. Im Mai ist der nächste Starship-Flug in einer modernisierten Version mit einer neuen Triebwerksgeneration geplant.

Auch Bezos will noch größere und leistungsstärkere Raketen bauen. So gibt es Pläne für eine weiterentwickelte New-Glenn-Rakete mit neun statt nur sieben Triebwerken in der ersten Stufe, und vier statt zwei Triebwerken in der zweiten Stufe. Die Nutzlast soll von bisher 45 auf über 70 Tonnen in einer niedrigen Erdumlaufbahn steigen. Allerdings gibt es noch keinen konkreten Starttermin.

Hoffnungen macht sich Jeff Bezos mit seinem Raumfahrtkonzern Blue Origin auch bei der bemannten Mondlandung der Nasa mit der für 2028 geplanten Mission Artemis 4. Nasa-Chef Jared Isaacmen hat den Wettbewerb für das Mond-Landevehikel eröffnet, nachdem bislang Musk mit SpaceX mit einer Spezialversion der Starship-Rakete favorisiert wurde.

Source: welt.de