„Der Wal lebt, er ist munter“ – Rettung in entscheidender Phase, doch jetzt gibt es verschmelzen Plan B

In der Ostsee bringt ein Tiefdruckgebiet Regen und Wellengang – gut für den gestrandeten Buckelwal. Eine private Rettungsmission kommt mit den Arbeiten an einer Plattform voran, doch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister skizziert einen Alternativplan.

Audioplayer wird geladen

Nach tagelangen Vorbereitungen ist die Rettung des in der Ostsee gestrandeten Buckelwals in die entscheidende Phase getreten. Die Netzplane, auf der das Tier zwischen Pontons in die Nordsee transportiert werden soll, sei im Wasser und auch in Sichtweite des Wals, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD).

In einer Bucht der kleinen Ostsee-Insel nahe Wismar liegt der Buckelwal seit 20 Tagen im Schlick. Doch aufgrund des schlechten Wetters haben Backhaus und eine private Rettungsinitiative nun einen Plan B gefasst: Wind, Wellen und ein Anstieg des Wasserstandes um 50 bis 70 Zentimeter könnten den Wal sogar animieren, sich selbst zu befreien.

Hier können Sie die Wal-Rettungsaktion DIREKT IM LIVESTREAM verfolgen.

„Der Wal lebt, er ist aktiv, er vokalisiert, er aktiviert sich immer wieder“, sagt Backhaus. So bewege er die Flipper, wie die Brustflossen auch genannt werden. Das deute nicht darauf hin, dass er bald sterbe.

„Wir sind auf einem sehr guten Weg und liegen im Zeitplan“, sagte Rechtsanwältin Constanze von der Meden von der privaten Rettungsinitiative. Der Wal habe am Morgen „tolle Reaktionen“ und viel Lebensenergie gezeigt. Auch sie schloss nicht aus, dass sich das Tier selbst befreien könnte, Plan B greife und der Wal erneut mit Booten begleitet werde. Der Wal hatte sich in der Vergangenheit schon mal aus eigener Kraft freischwimmen können, sich dann aber wieder festgesetzt.

Lesen Sie auch

Falls der Wal befreit werden oder sich selbst befreien kann, könnte das Tier auch einen GPS-Sender verpasst bekommen. „Es wird jetzt im Übrigen auch noch geprüft, ob wir ihm einen GPS-Sender verabreichen, wenn ich das mal so sagen darf, also aufkleben“, sagte Backhaus. Messungen des Umweltministeriums zufolge ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch.

Schlepper „Robin Hood“ soll Wal in die Nordsee ziehen

Der SPD-Politiker hatte am Mittwoch einer privaten Initiative gestattet, einen erneuten Rettungsversuch für den Wal zu starten, den die „Bild“-Zeitung „Timmy“ getauft hat, der von anderen Fans aber auch „Hope“ genannt wird. Das Tier soll mit einem System aus Luftkissen und Schwimmpontons angehoben und aus der Ostsee gezogen werden.

Hinter der Initiative stehen Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert. In der „Bild“-Zeitung sagte Gunz, dass die Aktion, ihn in die richtige Richtung zu bewegen, am Sonntag beginnen soll. „Wir hoffen sehr, dass er wie bisher gut mitmacht und erkennt, dass wir ihm helfen wollen.“ Ein Transport des gestrandeten Wals könnte nach Plänen der privaten Rettungsinitiative durchaus auch spätabends oder nachts starten.

Der dafür gebuchte Schlepper „Robin Hood“ traf am Sonntag im Hafen von Wismar ein. Kapitän Martin Bocklage sagte der „Bild“-Zeitung, er freue sich „auf diese neue Herausforderung und warte, dass es endlich losgeht“. Auf Livestreams im Internet war am Sonntagnachmittag zu sehen, wie mithilfe eines Baggers auf der schwimmenden Plattform offenbar weiter Sand unter dem Tier abgepumpt wurde.

Bereits am Sonntagmorgen waren zwischen dem Hafen in Kirchdorf und dem vor der Insel Poel liegenden Wal immer wieder DLRG-Boote unterwegs. Sie sind auch zur Sicherung des Einsatzpersonals vor Ort und sollen den Wal begleiten, falls er sich selbst freischwimmt. Insgesamt waren fünf DLRG-Boote und ein Jetski am Hafen von Kirchdorf, etwa 20 DLRG-Kräfte sind rund um den Buckelwal im Einsatz.

Tierärztin: „Wal atmet tiefer“

Die leitende Tierärztin der Initiative, Janine Bahr-van Gemmert, zeigte sich zuversichtlich zum Zustand des Tieres. „Er atmet deutlich tiefer ein. Das ist ein gutes Zeichen.“ Gemeinsam mit zwei weiteren Veterinären sei sie bei dem Wal gewesen. „Dass das ein Tier ist, das nicht in den letzten Zügen liegt, haben wir gesehen.“

Bedenken, dass ein Rettungsversuch dem Tier schaden könnte, wies sie zurück. „Wir sind nicht hier, um irgendeinem Tier weiteres Leiden zuzufügen“, sagte sie. Vielmehr solle der Wal aus seinem „Gefängnis“ befreit werden. „Wir haben ein gutes Gefühl“, sagte Bahr-van Gemmert, die auf Föhr ein Robbenzentrum leitet, bei der Pressekonferenz im Hafen von Kirchdorf. Der Wal reagiere nicht aufgeregter auf den Saugbagger als auf die Menschen. „Ich bin mir sicher, das Tier merkt, wir wollen ihm helfen.“

Wissenschaftler, Fachleute von Behörden sowie Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen waren sich nach umfassender Prüfung zuletzt einig, dass der Wal Ruhe brauche und weitere Eingriffe dem Tier massive Schäden zufügen würden. Der Buckelwal sei orientierungslos und so schwach und geschädigt, dass er die Rückkehr in den Atlantik nicht schaffen werde.

dpa/krott/sebe

Source: welt.de