Bosch in dieser Krise: Teuer erkaufte Zuversicht

Bosch musste schmerzhafte Entscheidungen treffen. Das Unternehmen hat sich seine Zuversicht hart erarbeitet. So spricht Stefan Hartung, der Vorsitzende der Geschäftsführung, über das wohl größte Stellenabbauprogramm in der Geschichte des Traditionskonzerns. Was die Entscheidungen für viele Mitarbeiter bedeuten, war in den vergangenen Monaten in Waiblingen und Schwäbisch Gmünd, in Feuerbach und Bretten zu erleben. Wütende und verzweifelte Menschen, die Angst um ihre Existenz haben. Hartung rechtfertigt das Vorgehen damit, dass das Unternehmen in einem schärferen Wettbewerb nur bestehen könne, wenn Kosten dauerhaft gesenkt werden.
Der Standort braucht Produkte und Beschäftigung
Die Härten für fast 28.000 Bosch-Mitarbeiter sind allerdings nur die eine Seite, die andere ist die Tatsache, dass der Abbau von Beschäftigung für Bosch sehr teuer ist. Die Aufwendungen summieren sich allein in den Jahren 2024 und 2025 auf rund 4,5 Milliarden Euro. Hinzu kommen in den nächsten Jahren noch die Kosten für die Schließung der Werke der Tochtergesellschaft Bosch-Siemens-Hausgeräte. Auch wenn die Milliarden den ausscheidenden Mitarbeitern in Form von Abfindungen und Vorruhestandsregelungen zugutekommen, ist die Frage berechtigt, ob die Mittel nicht in der Entwicklung innovativer Produkte und damit der Sicherung zukunftsfähiger Arbeitsplätze besser angelegt gewesen wären.
Hartung argumentiert, dass die Innovationen in den Laboren und Werkstätten von Bosch entwickelt werden, dass viele der neuen Produkte in Deutschland aber nicht profitabel zu produzieren sind. Aus einer Standortperspektive ist es am Ende egal, was schwerer wiegt: ob Bosch die wirklich innovativen Produkte fehlen, die sich auch in Waiblingen und Bretten produzieren lassen – oder ob es die Rahmenbedingungen sind, die genau das verhindern. Denn um die Wirtschaft in Deutschland wieder auf Wachstumskurs zu bringen, braucht es beides: Produkte, die sich von denen der globalen Wettbewerber abheben, und wettbewerbsfähige Standortbedingungen.