Möglicher Einsatz am Golf: Was die Bundeswehr in jener Straße von Hormus leisten könnte

Die Bundeswehr bereitet sich darauf vor, sich in der nahöstlichen Kriegs- und Krisenregion gegebenenfalls an Stabilisierungs- oder Friedensmissionen zu beteiligen. Dabei geht es um die Meerenge von Hormus, die derzeit weitgehend blockiert ist. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) haben mehrfach betont, dass eine Kriegsbeteiligung nicht infrage kommt, wohl aber Missionen danach.

Daran richtet sich die Planung aus, die bereits seit geraumer Zeit von den beteiligten europäischen Militärchefs miteinander erörtert wurde, für Deutschland durch Generalinspekteur Carsten Breuer. Dabei wurde deutlich, dass der Einsatz einer Fregatte in Absprache mit den Partnern nicht infrage kommt. Gegen einen solchen deutschen Einsatz spricht die Tatsache, dass es genügend andere Einheiten in der Region gibt, darunter britische, französische, niederländische und italienische. Demnach setzt die Deutsche Marine mit ihren Flugabwehrfregatten der Sachsen-Klasse Sicherungsaufgaben in der Ost- und Nordsee sowie im Nordatlantik fort.

Ganz im Sinne der defensiven Ausrichtung einer Missionsbeteiligung wird erwogen, einige Minenjagdboote zu entsenden. Die Marine verfügt noch über zehn solcher Boote der Frankenthal-Klasse MJ332, etwa 25 Jahre alt. Die modernen von ihnen verfügen über Abwehrmittel, die zur großflächigen Minenräumung geeignet sind, darunter die Unterwasserdrohnen Seefuchs und Überwasserdrohnen Seehund, die Minen durch Simulation von Schall- und Magnetfeldsignaturen großer Schiffe zur Explosion bringen können.

Die Fähigkeit zur Minenaufklärung und -vernichtung gilt in der NATO als Mangelware, selbst bei den Vereinigten Staaten. Die Entsendung der Boote könnte also mehr als symbolisch sein.

Marine war schon 1991 an einer Minenräumung beteiligt

Minensucher der Marine waren bereits nach dem Golfkrieg 1991 im Persischen Golf mit sieben Einheiten – fünf Minenjäger, zwei Versorger – an der Räumung von Minen beteiligt, die irakische Streitkräfte dort verlegt hatten. Der Einsatz galt seinerzeit als humanitäre Mission, war aber gleichwohl in der damaligen Koalition von Union und FDP umstritten. Die Boote verfügten über praktisch keine Klimatisierung, zusätzliche Kojen wurden aus Holz eingezimmert.

Die zehn aktuellen Minenjagdboote gehören zum 3. Minensuchgeschwader. Zwei Boote sind in der Regel an den beiden stehenden NATO-Minenabwehrverbänden im Mittelmeer und Nordostatlantik beteiligt. Die Frankenthal-Boote sind etwa 55 Meter lang und haben etwa 44 Mann Besatzung.

Infrage kommt zudem die Entsendung von Aufklärungsflugzeugen. Deutschland hat zuletzt die ersten beiden Seefernaufklärer P8-A Poseidon erhalten. Die Flugzeuge, auch zur Jagd auf U-Boote geeignet, werden auf Basis einer amerikanischen Boing 737 gebaut. Das Ziel der Marine ist die Beschaffung von acht der Flugzeuge bis 2031. Die älteren P-3 Orion, die für diverse internationale Missionen über längere Zeit auch am Horn von Afrika eingesetzt waren, wurden bereits ausgemustert.

Aus den Zeiten der Terror- und später Pirateriebekämpfung seit 2001 verfügt Deutschland in Djibouti am Horn von Afrika über Logistikeinrichtungen, unter anderem zur Versorgung der bei der EU-Mission „Atalanta“ eingesetzten Schiffe. Neben Frankreich unterhält inzwischen auch China dort eine Basis. Die modernen P8-A-Flugzeuge können ein großes Seegebiet überwachen, ihr Einsatz ist derzeit vor allem für nördliche Regionen geplant, vor allem zur Beobachtung und Verfolgung russischer Aktivitäten im Nordatlantik.

Source: faz.net