Globale Konjunktur: So stark belastet welcher Irankrieg die Weltwirtschaft

Der Krieg in Iran verdüstert die Wachstumsperspektiven der Weltwirtschaft und droht die Preise nach oben zu treiben. Die globale Wirtschaft wächst in diesem Jahr um nur 3,1 Prozent und im kommenden um 3,2 Prozent – und damit schwächer als noch im Januar prognostiziert. Deutschlands Volkswirtschaft stagniert weiter bei einem Wachstumsplus von 0,8 Prozent in diesem und 1,2 Prozent im kommenden Jahr.
Das geht aus dem World Economic Outlook hervor, den der Internationale Währungsfonds (IWF) zum Auftakt der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank vorgelegt hat. Die Inflation klettert demzufolge sogar auf 4,4 Prozent – nach Jahren der nachgebenden Inflation. Dabei ist das sogar noch die optimistische Variante, in der ein kurzlebiger Konflikt und ein moderater Anstieg der Energiepreise um 19 Prozent im Jahr 2026 unterstellt werden.
Bliebe die Straße von Hormus länger blockiert und würden Bohr- und Raffinerieanlagen weiter beschädigt, träfe das die Weltwirtschaft stärker und länger. Im ungünstigen Szenario steigen die Energiepreise in diesem Jahr noch kräftiger. Zugleich wachsen die Inflationserwartungen, und die Finanzierungsbedingungen verschlechtern sich etwas. Dann sinkt das Weltwirtschaftswachstum in diesem Jahr auf 2,5 Prozent, die Inflation steigt auf 5,4 Prozent.
Im schlimmsten Fall könnte die globale Inflation auf sechs Prozent klettern
Im schweren Szenario reichen die Verwerfungen bei der Energieversorgung bis ins nächste Jahr. Die Inflationserwartungen lösen sich dann deutlich von ihrer bisherigen Verankerung, und die Finanzierungsbedingungen verschärfen sich stark. Dann würde das globale Wachstum in diesem und im nächsten Jahr auf zwei Prozent zurückfallen. Die Inflation läge bei mehr als sechs Prozent.
Die Folgen des militärischen Konflikts und einer Blockade der Straße von Hormus sind gravierend. Im schlimmsten Fall verteuern hohe Rohstoffpreise energieintensive Güter und Dienstleistungen und setzen Lieferketten unter Druck. Steigende Preise und sinkende Kaufkraft wären die Folge. Der Schaden könnte sich weiter verstärken, wenn Unternehmen und Beschäftigte versuchen, ihre Verluste durch höhere Preise und Löhne auszugleichen. Dann droht eine Lohn-Preis-Spirale, vor allem dort, wo die Inflationserwartungen schlecht verankert sind.
Damit steigt die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik, die an den Finanzmärkten eine abrupte Neubewertung auslösen könnte. Vermögenswerte würden deutlich billiger, Risikoprämien stiegen, Kapital flösse ab, der Dollar wertete auf. Das verschärft die Finanzierungsbedingungen und bremst die gesamtwirtschaftliche Nachfrage.
Anders als 2022 allerdings, als der Ukrainekrieg die Energieversorgung erschütterte, ist der Preisdruck diesmal etwas geringer, weil die Arbeitsmärkte schwächer sind. Die Arbeitnehmer haben nicht mehr dieselbe Verhandlungsmacht, höhere Löhne durchzusetzen. Dennoch liegt die Inflation in manchen Ländern weiter über der Zielmarke – in der Regel zwei Prozent –, besonders in den Vereinigten Staaten. Gleichwohl unterstellt der IWF in seinem Basisszenario, dass die Inflation beherrschbar bleibt.
Notenbanken sollten stillhalten, rät der IWF
Notenbanken sollten den Energiepreisschock zunächst durchlaufen lassen, empfiehlt der IWF – unter einer zentralen Bedingung allerdings: dass die Inflationserwartungen fest verankert bleiben. Keine Notenbank kann der Analyse zufolge die Weltmarktpreise für Energie im Alleingang beeinflussen.
Steigen aber die mittleren oder langfristigen Inflationserwartungen, weil Preise und Löhne anziehen, dann müsse die Sicherung der Preisstabilität Vorrang vor kurzfristigem Wachstum haben, fordern die IWF-Ökonomen. Dann sei eine rasche Straffung der Geldpolitik nötig.
Während die aggregierten Konjunkturdaten das Bild einer noch beherrschbaren Lage zeichnen, sind die Folgen für Schwellen- und Entwicklungsländer, die Rohstoffe importieren und schon zuvor anfällig waren, deutlich schwerwiegender. Als eines der wenigen Länder profitiert Russland von der Entwicklung.
Die Erschütterung durch den Krieg trifft die Weltwirtschaft mitten in einer Erholungsphase. Denn trotz großer Handelsstörungen und politischer Unsicherheit war das vergangene Jahr mit einer positiven Note zu Ende gegangen: Der Privatsektor hatte seine Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt, die US-Zölle waren niedriger ausgefallen als befürchtet. Hinzu kamen eine gewisse fiskalische Unterstützung sowie günstige Finanzierungsbedingungen in Verbindung mit kräftigen Produktivitätsgewinnen und einem Technologieboom.