Mehr militärische Zusammenarbeit : Deutschland finanziert Ukraine Hunderte Patriot-Raketen

Mehr militärische Zusammenarbeit Deutschland finanziert Ukraine Hunderte Patriot-Raketen

14.04.2026, 14:30 Uhr

Friedrich-Merz-CDU-Bundeskanzler-und-Volodymyr-Zelensky-Praesident-der-Ukraine-geben-eine-Pressekonferenz-press-conference-im-Bundeskanzleramt-im-Rahmen-der-Deutsch-Ukrainischen-Regierungskonsultationen-in-Berlin-14-04-2026
Nun eine strategische Partnerschaft: Merz und Selenskyj in Berlin. (Foto: picture alliance / photothek.de)

Bei den deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen gibt es konkrete Ergebnisse: Unter anderem vereinbaren beide Länder die Produktion Tausender Drohnen. Der Kanzler lobt die Zusammenarbeit, die auch für Deutschland „von besonderem Nutzen“ sei.

Deutschland und die Ukraine bauen ihre Zusammenarbeit im militärischen Bereich weiter aus. Das haben Bundeskanzler Friedrich Merz und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen in Berlin vereinbart. Außerdem würden die bilateralen Beziehungen auf die Ebene einer strategischen Partnerschaft angehoben, sagte der CDU-Chef.

Konkret finanziert Deutschland der Ukraine nach Angaben des Verteidigungsministeriums „mehrere hundert Patriot-Raketen“. Damit werde ein entsprechender Vertrag der Ukraine mit der US-Firma Raytheon abgesichert. Zudem sei mit der Firma Diehl die Lieferung weiterer Startgeräte für Iris-T-Luftabwehrsysteme vereinbart worden. Auch dies werde von Deutschland finanziert. Außerdem sei die Produktion von Drohnen mittlerer und langer Reichweite beschlossen worden. Ziel sei die Lieferung von Tausenden von Drohnen zur Stärkung der ukrainischen Streitkräfte, teilt das Ministerium mit.

Zusätzlich haben Deutschland und die Ukraine demnach die Produktion von Drohnen mittlerer und langer Reichweite vereinbart. Das Projekt umfasst die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem Ziel der Lieferung von Tausenden von Drohnen. Weiter wird Deutschland die Ukraine bei der Finanzierung sogenannter Deep Strike Fähigkeiten – dabei geht es um weitreichende Präzisionswaffen – unterstützen. Dazu gehört laut Verteidigungsministerium eine Investition in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro.

„Was wir in dieser Kooperation tun, ist nicht nur von Nutzen für die Verteidigung der Ukraine“, sagte Merz vor der Presse. „Es ist auch von besonderem Nutzen für uns, für unsere Sicherheit.“ Keine Armee in Europa sei in den letzten Jahrzehnten im Kampf so erprobt worden wie die Ukraine. „Keine Gesellschaft ist resilienter geworden als die Ukraine. Keine Verteidigungsindustrie ist innovativer geworden wie die der Ukraine“, sagte Merz. „Mit unserer Unterstützung stärken wir damit zugleich die deutsche und europäische Verteidigungsfähigkeit und unsere industrielle Basis.“

Selenskyj preist eigene Industrie

Selenskyj betonte indes die Stärke der eigenen Rüstungsindustrie. „Der Großteil der Waffen, den die Ukraine für verschiedene Operationen nutzt – von Schlägen gegen das Hinterland über die Kämpfe an der Front bis hin zur Flugabwehr – wird heute in der Ukraine produziert“, sagte Selenskyj in Berlin. Dabei seien die ukrainischen Produktionskapazitäten doppelt so groß. „Uns fehlt einfach das Geld, doch zum Teil haben wir heute darüber gesprochen.“

Selenskyj verwies auf den immer noch blockierten EU-Kredit von 90 Milliarden Euro, der unter anderem für Investitionen gebraucht werde. Mit der Freigabe könne die Menge der auf dem Schlachtfeld eingesetzten ukrainischen Rüstungsgüter weiter steigen. 

Der ukrainische Präsident äußerte sich auch zu einem möglichen Nato- und EU-Beitritt seines Landes. Dabei lehnt er eine untergeordnete Mitgliedschaft der Ukraine ab. Sein Land brauche weder eine „EU-Light“ noch eine „Nato-Light“, so Selenskyj bei einer Pressekonferenz mit Merz in Berlin. Dies würde niemandem nutzen.

Deutschland unterstützt Weg der Ukraine in die EU

Merz sicherte der Ukraine die weitere Unterstützung Deutschlands auf dem Weg in die EU zu. „Deutschland unterstützt dieses Ziel, auch wenn wir beide wissen, dass wir es nicht kurzfristig in vollem Umfang umsetzen können“, sagte Merz. Aber der Beitritt der Ukraine „wäre ein strategisch wichtiger Schritt für mehr Sicherheit und für mehr Wohlstand in Europa“.

Die Bundesregierung ermutige die Ukraine, „die Reformen im Land noch stärker voranzutreiben, gerade in den Bereichen wie Korruptionsbekämpfung und wie Rechtsstaatlichkeit“, sagte der Kanzler. „Denn die Mühe lohnt sich. Jeder weitere Schritt in diese Richtung ist ein Schritt weiter Richtung Europa. Und ich will dies besonders unterstreichen in unserem gemeinsamen Interesse zwischen Europa und der Ukraine.“

Merz äußerte sich auch zu möglichen Friedensverhandlungen mit der Ukraine. Deutschland und Europa müssen demnach mit am Ukraine-Verhandlungstisch sitzen. „Die amerikanische Regierung weiß: Wenn sie die Unterschrift Europas unter welchem Abkommen auch immer haben will … dann muss Europa mit dabei sein“, sagte der Kanzler. Eine Beteiligung der Europäer „und ich will gerne hinzufügen, eine Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland als dem mit Abstand größten Unterstützer der Ukraine, … ist für mich unverzichtbar“. Auch Selenskyj pocht darauf. Bisher habe Russland dies verhindert.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa/rts

Source: n-tv.de