Zum Tod von Moya brennan: Der keltische Touch

Dass ihr Name in den meisten Meldungen und Nachrufen nun auf Englisch als Moya Brennan um die Welt geht, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Denn Máire Philomena Ní Bhraonáin, wie sie auf Gälisch hieß, stand wie wenige andere für die irische Tradition. Ihre Band Clannad wurde, nach und neben dem traditionellen Irishfolk von Gruppen wie den Dubliners, sogar geradezu zum Inbegriff irischer Popmusik, freilich in einer speziellen Variante mit flächigen Synthie-Arrangements und (pseudosakralen) Chorgesängen, an Reichweite übertroffen vielleicht nur noch von der Schwester der nun Verstorbenen, Eithne Pádraigín Ní Bhraonáin, besser bekannt unter dem Künstlernamen Enya.

Die beiden Schwestern stammen aus dem äußersten Nordwesten Irlands, aus Gaoth Dobhair (englisch Gweedore) im County Donegal. Die Eltern gaben den insgesamt neun Kindern ihre Musikalität weiter, und die um 1970 entstandene Band Clannad, die 1973 mit einem selbstbetitelten Album debütierte, setzt sich nur aus Familienmitgliedern der Brennans zusammen. Enya war zunächst auch darunter, bevor sie eine Solokarriere begann.

„Robin, The Hooded Man“

Die ältere Schwester Máire, die sich später Moya nannte, wurde zur Hauptsängerin und zur markanten Stimme von Clannad, die zunächst traditioneller klangen und Anfang der Achtzigerjahre unter dem Einfluss von neuen Elektronischen Klangeffekten und Produktionsweisen ihren entschiedenen „New-Age-Touch“ erhielt. Besonders auch durch ihre Titelmusik für Fernsehfilme („Theme from Harry’s Game“, 1983 und „Robin of Sherwood“, 1984) machte die Gruppe weltberühmt, nicht zuletzt in Deutschland, wo Erinnerungen an Fernsehkindheiten der Achtziger kaum ohne die magische Melodie aus sich überlagernden Stimmen von „Robin (The Hooded Man)“ auskommen, zu der in Zeitlupe silberne Pfeile durch die Luft sausen und schwarze Raben auffliegen. Diese Zeilen wurden gesungen von Moya Brennan.

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Clannads Weltruhm wuchs, während die Songtexte und Albentitel zunehmend englischer und, verglichen mit recht wildem Folk der Frühzeit („Níl Sé’n Lá“), die Musik auch immer glatter wurde. Mit Werken wie „Atlantic Realm“ stehen Clannad, ebenso wie dann Enya mit „Orinoco Flow“, auch für eine oft parodierte, weil kitschige Form der irischen Pop- und der Weltmusik ein, die auch als „Celtic Fusion“ bezeichnet wird.

Moya Brennan hat dann selbst eine Solokarriere neben der Band aufgebaut, hat mit irischen Fußballern zusammengesungen sowie mit Shane MacGowan oder Robert Plant, und dann auch ihr Harfenspiel stärker betont mit Projekten wie „Voices & Harps“. Vor kurzem noch trat sie etwa beim Shrewsbury Folk Festival auf und war somit zur unplugged-Variante ihrer heimatlichen Musik zurückgekehrt. Nun ist sie im Alter von 73 Jahren in Donegal gestorben.

Source: faz.net