Verhandlungen mit Teheran: Vance: Der Ball liegt im Spielfeld welcher Iraner

Der Ball sei im Spielfeld der Iraner, sagte der amerikanische Vizepräsident J.D. Vance am Montagabend. Er bestätigte damit indirekt, dass Washington nach den ergebnislosen Verhandlungen in Islamabad am Wochenende weiterhin in Kontakt mit dem Regime in Teheran steht – und ein zweites Treffen in Pakistan zeitnah möglich ist. Das ist der Stand der Dinge einen Tag nach Beginn der amerikanischen Blockade in der Straße von Hormus.

Vance bekräftigte in einem Interview mit dem Sender Fox News, dass die Atomfrage die entscheidende Hürde in den Verhandlungen gewesen sei. Die rote Linie Washingtons seien die nuklearen Ambitionen Teherans. Es sei eine Sache, dass die Iraner bereit seien, zu sagen, sie strebten keine Nuklearwaffen an. Eine andere Sache sei es, dies zu verifizieren. Dabei gehe es um zwei Dinge: Teheran müsse erstens Washington sein hochangereichertes Uran aushändigen, das es gegenwärtig besitze. Dieses sei zwar durch die Operation „Midnight Hammer“ im vergangenen Sommer, die amerikanischen Angriffe auf iranische Atomanlagen, verschüttet. Doch denke Präsident Donald Trump langfristig: Er wolle, dass die Iraner das Material den Vereinigten Staaten aushändigten. Zweitens dürfte Teheran nicht mehr über die Infrastruktur verfügen, um wieder Uran anzureichern. Diese sei zwar durch den Ende Februar begonnenen Krieg zerstört worden. Doch müsse Teheran auf den Wiederaufbau der Anlagen verzichten.

Vance sagte weiter, dass es in Islamabad durchaus Fortschritt gegeben habe. Die iranische Delegation habe Zugeständnisse gemacht. „Aber sie haben sich nicht weit genug bewegt“, sagte der Vizepräsident. Regierungsvertreter in Washington und Teheran berichteten, die iranische Delegation habe angeboten, für einen Zeitraum von fünf Jahren auf die Urananreicherung zu verzichten. Die amerikanische Seite habe aber auf 20 Jahre gepocht. Letzterer Punkt ist für Trump außenpolitisch ebenso bedeutsam wie innenpolitisch, da er nach dem Irankrieg mit einem besseren Ergebnis dastehen muss als dem Atomabkommen, das 2015 unter seinem Vorgänger Barack Obama vereinbart und von ihm 2018 aufgekündigt worden war.

Nun sei es Iran, das den nächsten Schritt machen müsse, bekräftigte Vance. Trump sagte dazu am Montag, man habe am Morgen von den relevanten Leuten in Iran einen Anruf erhalten. Er fügte hinzu, sie wollten einen Deal machen. Washington hatte am Montag mit der Blockade in der Straße von Hormus begonnen, um den iranischen Ölhandel zu unterbinden. Damit möchte die Trump-Regierung nicht nur Teheran an seiner Achillesferse treffen, sondern auch Peking, das von iranischen Öllieferungen abhängt, unter Druck setzen, auf das Regime einzuwirken.

Vance deutete an, in Islamabad Einblick erhalten zu haben, wie die Iraner verhandelten. Deren Verhandlungsführer war Mohammad Bagher Ghalibaf, der Parlamentspräsident, der momentan an der Spitze des politischen Apparats steht. Die iranische Delegation in Pakistan sei nicht in der Lage gewesen, einen Deal zu vereinbaren. Sie hätten sich an Teheran wenden müssen, sagte Vance – an den neuen Obersten Führer Modschtaba Khamenei oder jemand anderen, um Zustimmung zu erhalten. Ob es nun weitere Gespräche geben werde, hänge von der iranischen Seite ab. Es gebe die Chance für einen großen Deal, in dessen Folge Iran wieder ein normales Land in der Staatengemeinschaft werden könne, das auf Atomwaffen und die Förderung von Terrorismus verzichte. Aber das liege nun in den Händen Teherans.

Vance deutete ebenso an, dass Iran sich wegen der Schließung der Straße von Hormus in den Verhandlungen in einem taktischen Vorteil gesehen habe. Washington habe den ersten Schritt gemacht mit der Waffenruhe. „Wir haben aufgehört, das Land zu bombardieren“, sagte Vance. Nun erwarte man von Teheran die völlige Öffnung der Meerenge. Trump hatte zuvor gesagt, man könne nicht akzeptieren, dass Teheran die Weltwirtschaft erpresse. Amerika, so Vance, habe die militärische Option und nun, mit der Blockade, auch einen wirtschaftlichen Hebel in der Hand. Der Rest liege an Iran.

Source: faz.net