Ekrem İmamoğlu: Neue Ermittlungen gegen Erdoğan-Konkurrenten İmamoğlu

Während des laufenden Korruptionsprozesses gegen den inhaftierten Istanbuler Bürgermeister Ekrem İmamoğlu sind neue Ermittlungen gegen ihn eingeleitet worden. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, gegen İmamoğlu sei eine Untersuchung wegen „Beleidigung eines Beamten“ aufgenommen worden.

Es gehe dabei um Äußerungen, die der beliebte Oppositionspolitiker und aussichtsreiche Konkurrent im Rennen um das Präsidentenamt von Präsident Recep Tayyip Erdoğan am Vortag vor Gericht gemacht hatte. Dort hatte er gesagt: „In diesem Fall gibt es nur eine einzige kriminelle Organisation, nämlich die Anklage“.

İmamoğlu ist seit mehr als einem Jahr in einem türkischen Hochsicherheitsgefängnis inhaftiert. Er war im März 2025 kurz vor seiner Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Oppositionspartei CHP festgenommen worden. Am 9. März 2026 begann der Prozess gegen ihn. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft İmamoğlu insgesamt 142 Straftaten vor, darunter Korruption, Veruntreuung und Spionage. In ihrer Anklage fordert sie eine Haftstrafe von bis zu 2.430 Jahren. 

Kritiker werten die Vorwürfe, die İmamoğlu zurückweist, als politisch motiviert. Seine Verhaftung wird als Versuch der Regierung Erdoğans gesehen, den aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten daran zu hindern, bei der Wahl 2028 anzutreten.

İmamoğlus Festnahme löste in der Türkei die größte Protestwelle seit den sogenannten Gezi-Protesten von 2013 aus. Bei den Protesten gegen die Inhaftierung wurden fast 2.000 Menschen festgenommen.