Zhipu AI und Minimax: Die chinesischen KI-Tiger stürmen an die Handelszentrum

Knapp ein Jahr nach dem sprichwörtlich gewordenen Deepseek-Schock streben Chinas KI-Tiger mit Macht auf das globale Börsenparkett. Allein in dieser Woche gingen mit Zhipu AI und Minimax zwei hoch gehandelte Unternehmen mit viel Erfolg an die Hongkonger Börse. Sie folgen auf eine Reihe von Entwicklern von KI-Chips, die in den vergangenen Wochen aufs Parkett strebten und spektakuläre Kursgewinne erzielten.
Zhipu kam Minimax mit dem Börsengang am Donnerstag einen Tag zuvor und nutzte das, um einen Titel für sich zu reklamieren. Man sei das „weltweit erste börsennotierte Unternehmen, das sich auf große Sprachmodelle konzentriert“, schrieb Mitgründer und Chefwissenschaftler Tang Jie, der auch Professor an der elitären Tsinghua-Universität ist, in einem Brief an die Mitarbeiter.
Ohnehin gibt sich Zhipu sehr akademisch. Frei übersetzt heißt Zhipu so viel wie „Buch der Weisheit“. Zum Team zählen etliche hoch dekorierte KI-Forscher. Die meisten stammen wie Tang von der Tsinghua-Universität, die auch Investor ist.
Eine der wenigen weiblichen Gründerinnen
Während Zhipu aus Peking chinesisch-akademisch auftritt, versteht sich Minimax aus Shanghai als globales Start-up. Das Gründungsteam des vier Jahre alten Unternehmens besteht aus früheren Angestellten von Sensetime , einer ehemaligen chinesischen KI-Hoffnung. Vorstandschef Yan Junjie ist zwar ebenfalls ein sehr erfolgreicher KI-Wissenschaftler mit Tsinghua-Vergangenheit, aber Mitgründerin Yun Yeyi ist eine der wenigen weiblichen KI-Gründerinnen in China, aber auch weltweit.
Die 31 Jahre alte operative Chefin und gelernte Ingenieurin hat an der Johns-Hopkins-Universität in den USA studiert und verkörpert die globale Ausrichtung. Sie spricht perfekt Englisch, und im persönlichen Gespräch merkt man ihr in Wortwahl und selbstbewusstem Auftreten den US-Einfluss an. Das Führungsteam von Minimax ist Anfang, Mitte 30, während die Verantwortlichen von Zhipu um die 50 Jahre alt sind.
Die Chefs beider KI-Start-ups sind durch die Börsengänge in die Riege der Milliardäre aufgestiegen. Das US-Magazin „Forbes“ taxierte Liu Debing von Zhipu auf mehr als zwei und Yan von Minimax sogar auf mehr als drei Milliarden Dollar.
Zhipu steht auf der US-Sanktionsliste
Politisch in den Fokus rückte bisher nur Zhipu. Die US-Regierung hatte die Pekinger vor einem Jahr auf eine Sanktionsliste gesetzt und ihnen vorgeworfen, mit Chinas Militär zusammenzuarbeiten. Zhipu wies das umgehend zurück und bezeichnete den Vorwurf als substanzlos. Laut einem Unternehmensregister halten staatliche chinesische Investoren knapp ein Zehntel der Anteile.
Aber auch Chinas Tech-Riesen Alibaba und Tencent zählen zu den Anteilseignern. Beide sind auch bei Minimax an Bord, zudem auch der Staatsfonds von Abu Dhabi. Die Shanghaier kämpfen mit einer Klage von Disney, Universal und Warner Bros wegen Copyright-Verletzungen.
In den Ranglisten der besten KI-Modelle schenken sich Zhipu und Minimax wenig, beide zitieren Rankings, in denen sie vorn liegen. Beiden fehlen aber ein paar Prozent zur US-Konkurrenz rund um Open AI. Unter den von China dominierten Open-Source-Modellen, deren Gewichte und Parameter der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, liegen beide Unternehmen weit vorn. Eine Untersuchung von Autoren von Andreessen Horowitz, einem Venture-Capital-Unternehmen, attestierte Minimax kürzlich schnell wachsende Marktanteile.
Investoren lieben Minimax
Der Liebling der Investoren ist klar Minimax. Dessen Aktienkurs legte an diesem Freitag, dem Tag des Börsengangs, um mehr als 100 Prozent zu. Die Bewertung stieg auf umgerechnet knapp zwölf Milliarden Euro. Der Kurs von Zhipu hatte am Donnerstag um rund zwölf Prozent und am Freitag um 20 Prozent zugelegt. Die Bewertung betrug knapp acht Milliarden Euro, ein Drittel weniger als die von Minimax.
Minimax sei stärker auf private Endnutzer ausgerichtet, da seien die Wachstumschancen größer als bei Zhipu, das sich an Unternehmen und Regierungen richte, sagten Analysten. Zhipu hat laut Börsenprospekt mehr als 8000 institutionelle Kunden und wird auf 80 Millionen Endgeräten genutzt.
Minimax gibt an, seine Modelle und Produkte würden von mehr als 212 Millionen Nutzern und 100.000 Unternehmen und Entwicklern verwendet. Die Shanghaier verfolgen zudem einen multimedialen Ansatz. Die Modelle sind nicht nur auf Text ausgerichtet, sondern schneiden auch in der Erstellung von Videos oder Sprachdateien sehr gut ab.
Umsatzstärkstes Unternehmen Chinas
Die Kursentwicklung ist etwas zurückhaltender als die der Chipentwickler. Das dürfte daran liegen, dass die politische Unterstützung dort noch offensichtlicher ist, weil sich Peking bemüht, unabhängig von den Nvidia-KI-Chips zu werden. ChatGPT von Open AI und andere KI-Chatbots aus dem Westen sind in China gesperrt.
In seinem Börsenprospekt bezeichnet sich Zhipu als das umsatzstärkste Unternehmen Chinas, das unabhängig und auf allgemeine große Sprachmodelle spezialisiert sei. Im ersten Halbjahr 2025 erwirtschaftete Zhipu laut Unternehmensregister aber bei einem Umsatz von 190 Millionen Yuan (rund 23 Millionen Euro) einen Verlust von 2,4 Milliarden Yuan (290 Millionen Euro), ist also hochdefizitär.
Zhipus Formulierung wirkt so, als solle sie Minimax ausschließen, das in den ersten neun Monaten 2025 auf einen Umsatz von 53 Millionen Dollar (rund 46 Millionen Euro) kam. Der Verlust von mehr als 500 Millionen Dollar (440 Millionen Euro) übertrumpft den von Zhipu indes ebenso deutlich. Zhipu wie Minimax kündigten an, die Erlöse des Börsengangs vor allem in die weitere Forschung zu stecken. Minimax nahm gut 600 Millionen, Zhipu etwas mehr als 550 Millionen Dollar ein.
Das Zhipu-Team ist rund zwei Drittel größer als das von Minimax. Zhipu zählte im Sommer mehr als 650 Entwickler und hat laut Unternehmensregister knapp 650 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Minimax kommt auf 385 Angestellte, rund ein Viertel sind nicht in der Entwicklung tätig, sondern kümmern sich um Vertrieb oder Management.