Ungleichheit in Deutschland: Gymnasien gibt’s nur für jedes Reiche

11. Januar 2026 · Je mehr der Staat organisiert, umso besser für die Armen: So heißt es oft. Doch Bildung und Gesundheit zeigen: Staatliche Angebote sind oft dort, wo es den Leuten sowieso gut geht.

Schön gelegen ist das Adorno-Gymnasium in Frankfurt, an dem in diesen Tagen nach dem Ende der Weihnachtsferien die Schüler ins neue Jahr starten. Nicht weit entfernt liegt der Grüneburgpark, hinter der Schule der Campus der Frankfurter Universität. Es gibt schlechtere Orte für den Schulbesuch – zumindest, wenn man hier in der Nähe wohnt, so wie die eher wohlhabenden Bewohner des Frankfurter Westends.

So geplant war das alles ursprünglich nicht. An der Geschichte des Adorno-Gymnasiums zeigt sich beispielhaft, wie Schulstandorte in Deutschland festgelegt werden und wie die ärmere Bevölkerung dabei systematisch benachteiligt wird. Das Adorno-Gymnasium nahm nämlich seinen Anfang im Jahr 2015 als „Gymnasium Nied“. Die erst zweite Neugründung eines Gymnasiums in Frankfurt seit dem Zweiten Weltkrieg sollte im vergleichsweise armen Frankfurter Westen angesiedelt werden.

„Wir wollen Gymnasien auch dort ansiedeln, wo die Übergangsquoten aufs Gymnasium bisher noch nicht ganz so hoch waren“, sagte die Bildungsdezernentin Sarah Sorge von den Grünen damals. Bis heute gehen weniger als 40 Prozent der Schüler im Westen der Stadt auf ein Gymnasium, während es in der Stadtmitte über 60 Prozent sind. 2015 öffnete die Schule ihre Tore, zunächst als provisorischer Containerbau im nahe gelegenen (und im Vergleich zu Nied noch ärmeren) Stadtteil Höchst.

Weil sich die Zusammensetzung der Gymnasiasten nicht über Nacht änderte, wurden zunächst Schüler aus anderen Stadtteilen dem Gymnasium Nied zugewiesen, was lautstarken Elternprotest wegen der langen Schulwege zur Folge hatte. Die Stadt knickte schließlich ein: Das Gymnasium Nied schaffte es nie bis nach Nied. Nur wenige Monate nach der Eröffnung in Höchst fiel die Entscheidung, dass es dauerhaft im Westend stehen wird – dort, wo die Gymnasialquote heute schon bei 93 Prozent liegt. Seit 2018 ist auch der ursprüngliche Name Geschichte.


„Wir sprechen sehr viel über Bildung, aber zu wenig darüber, wo die Schulen hinkommen.“

Micael Castanheira (Ökonom aus Belgien)