Zeitenwende fürs Geschäft: Milliardenschwere Rüstungsaufträge zu Händen Abwehrspezialisten Hensoldt

Der Radar- und Sensorspezialist Hensoldt profitiert immer stärker von den höheren Verteidigungsausgaben. Die am Freitag veröffentlichten Zahlen für die ersten neun Monate bestätigen die vor wenigen Wochen angehobene Gesamtjahresprognose.
Der Auftragseingang erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf mehr als zwei Milliarden Euro. Der Umsatz stieg zwischen Januar und Ende September um 14 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro.
Der Auftragsbestand überschritt erstmals die Marke von sieben Milliarden Euro und lag damit binnen zwölf Monaten um mehr als eine halbe Milliarde Euro oder neun Prozent höher. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verbesserte Hensoldt um 13 Prozent auf 211 Millionen Euro.
Dynamisches Geschäft
„Die Verteidigungsinvestitionen in Deutschland und Europa gewinnen weiter an Dynamik und die Zeitenwende 2.0 beginnt, sich konkret auszuwirken“, ließ sich der Vorstandsvorsitzende Oliver Dörre in der Pressemitteilung zitieren. Seinen Worten zufolge ist die Zeitenwende nicht nur in den Auftragsbüchern zu spüren, sondern auch zunehmend in den Werken.
Wie Hensoldt schon vor wenigen Wochen mitteilte, werden die Kapazitäten erweitert, insbesondere durch Automatisierungsmaßnahmen, ein neues Logistikzentrum und ein neues Gebäude in Oberkochen. Zusätzlich sollen umfassende Transformationsinitiativen die Effizienz, Flexibilität und Resilienz vorantreiben. In diesem Jahr hat Hensoldt von den Vertragserweiterungen für die im Kampfjet Eurofighter eingesetzten Radare sowie der Nachrüstung optronischer Systeme für U-Boote profitiert.
Die schnelleren Genehmigungen von Rüstungsaufträgen im Bundestag stimmen Hensoldt-Chef Dörre zuversichtlich, weitere Großaufträge zu erhalten. Der Rekordauftragsbestand verschafft nach den Worten von Finanzvorstand Christian Ladurner eine außergewöhnlich hohe Planungssicherheit – und die nötige Stabilität, um die Kapazitäten gezielt für den weiteren Hochlauf auszubauen.
Aktienkurs gewinnt deutlich
An der Börse kamen die Zahlen gut an: Der Aktienkurs legte bis zum frühen Freitagnachmittag um 4,6 Prozent zu. Mit fast 92 Euro liegt er um 170 Prozent höher als zu Beginn des Jahres. Allerdings hat der Titel seit seinem Anfang Oktober erreichten Rekordhoch von fast 118 Euro wieder mehr als ein Fünftel an Wert verloren. Am 11. Oktober kann der Vorstand die Investoren auf dem Kapitalmarkttag überzeugen.
Vor wenigen Wochen hatte Hensoldt die Prognose für das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz, die sogenannte Book-to-Bill-Ratio, von bislang 1,2 auf 1,6 bis 1,9 angehoben. Das bedeutet, dass der Auftragseingang den Umsatz in diesem Jahr um 60 bis 90 Prozent übertreffen wird. Der Vorstand hatte dies auf die schon erfolgten und die absehbaren Aufträge zurückgeführt. Den Umsatz sieht er in diesem Jahr bei 2,5 Milliarden Euro, also am unteren Ende der zuvor erwarteten Bandbreite von 2,5 bis 2,6 Milliarden Euro.
Die Gewinnmarge, also das Verhältnis des bereinigten Betriebsgewinns (Ebitda) zum Umsatz, soll 18 Prozent erreichen. Nach den ersten neun Monaten liegt die Ebitda-Marge auf 13,7 Prozent, damit nur geringfügig über den im Vorjahreszeitraum erzielten 13,6 Prozent. Seine Umsatzprognose für das Jahr 2030 von sechs Milliarden Euro bekräftigte der Vorstand.