WM-Stadion in New Jersey: Teure Tickets, teure Züge, teure Parkplätze
Nur noch sieben Wochen, dann beginnt das größte Sportereignis der Welt. Acht WM-Spiele und das Finale finden in New York statt. Doch exorbitant teure Tickets und hohe Transportkosten sorgen für schlechte Stimmung.
Bernard Hamilton arbeitet als Wachmann für ein großes Hotel mitten in Manhattan. Eigentlich hatte er sich auf die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer gefreut, aber die hohen Preise findet er Wahnsinn: „Um mit dem Regionalzug ins Stadion zu kommen, verlangen sie anstelle der sonst üblichen zwölf Dollar bei der WM 150 Dollar. Das ist doch nicht richtig.“
Der Wucherpreis für die 30-minütige Zugfahrt von New York zum Stadion in New Jersey bestimmt seit Tagen die Schlagzeilen. Normalerweise liegt der Preis für die Hin- und Rückfahrt zum Stadion bei umgerechnet rund elf Euro. Für die acht WM-Spiele und das WM-Finale sollen die Fans mehr als das Zehnfache zahlen – knapp 130 Euro.
Streit mit der FIFA um die Kosten
Entschieden hat das die Gouverneurin von New Jersey, die Demokratin Mikie Sherrill. Sie weigert sich strikt, dass die Steuerzahler ihres Bundesstaates die Transportkosten für die WM in Höhe von 50 Millionen Dollar alleine bezahlen sollen.
„Die Pendler in New Jersey müssten das jahrelang abbezahlen. Das ist nicht fair. Die FIFA sollte zahlen. Wenn sie sich weiter weigert, werde ich nicht zulassen, dass unsere Pendler über den Tisch gezogen werden“, so Sherrill. Schließlich verdiene die FIFA mit der WM satte elf Milliarden Dollar.
Der Fußball-Weltverband weist das empört zurück. In der Vereinbarung mit den Austragungsorten stehe eindeutig, dass diese die Kosten für den Fan-Transport übernehmen. So sei es auch bei früheren Weltmeisterschaften gewesen.
Dagegen springt der demokratische Mehrheitsführer im US-Senat, Chuck Schumer aus New York, der Gouverneurin seines Nachbarstaates bei: „Das ist einfach nur Beschiss. Die FIFA muss sich endlich bewegen.“
Auch Parken kaum möglich
Es ist, als rasten zwei Züge aufeinander zu. Die Leidtragenden sind die WM-Fans in New York und New Jersey. Denn die sonst in den USA übliche Anfahrt mit dem Auto ins Stadion hat die FIFA verhindert.
Tausende von Parkplätzen rund um das MetLife-Stadion hat die FIFA zur Fan-Zone erklärt. Stattdessen sollen Park-and-Ride-Plätze in der Umgebung genutzt werden. Die aber kosten auch 200 Dollar pro Auto. „Für normale Leute ist es fast unmöglich, sich Tickets und die Anreise zum Stadion leisten zu können“, kritisiert der belgische Tourist Dietrich van den Driessche.
Bis zu 3.000 Dollar für ein Vorrundenspiel muss man in New York zahlen. Die günstigsten Tickets sind längst vergriffen.
Schock über die Ticketpreise
US-Amerikaner sind es gewohnt, für Profisport tief in die Tasche zu greifen. Doch die Ticketpreise der FIFA finden auch sie schockierend. Zumal die günstigste Kategorie für 200 Dollar pro Ticket sofort vergriffen war. Wer sich das Vorrundenspiel Deutschland gegen Ecuador am 25. Juni im MetLife-Stadion anschauen will, zahlt in der teuersten Kategorie 3.000 Dollar.
„Die Fußball-WM sollte doch die ganze Welt zusammenbringen“, findet New-York-Touristin Freya van den Driessche aus Belgien. „Aber wenn die Preise so teuer sind, dann ist das fast unmöglich. Ich finde das echt übertrieben.“
Besser „gar nicht ins Stadion gehen“
Der New Yorker Wachmann Bernard Hamilton, der sich eigentlich über die WM gefreut hatte, rät allen, gar nicht erst ins Stadion zu gehen: „Wenn die FIFA erst mal Geld verliert, muss die Gier aufhören. Erst dann senken sie die Preise, damit wieder Leute ins Stadion kommen.“
Noch geht die Entwicklung allerdings in die andere Richtung. Kürzlich hat die FIFA eine noch teurere Ticket-Kategorie eingeführt: für Firmenpartner und VIP-Kunden.
Source: tagesschau.de
