Widerstand in Berlin: Was Aktivisten gegen Big Tech planen

Militär, Polizei, Alltag: Big Tech durchdringt längst alle Bereiche. Die „Cables of Resistance“-Konferenz zeigte dagegen, wie digitale Infrastruktur demokratisch organisiert werden kann – und dass der Widerstand neuen Auftrieb bekommt


Die Röhre ist Geschichte – was stirbt als Nächstes aus?

Foto: Alexander Koerner/gettyimages


Die Tech-Unternehmen prägen derzeit die Geschichte. Sie haben entschieden, dass künstliche Intelligenz (KI) unser Leben durchdringen soll, und dafür brauchen sie enorme Mengen Energie für Rechenzentren, die die Staaten wiederum gerne liefern. Die Unternehmen sind nicht mehr nur Plattformen oder Monopole, sondern Imperien.

Bald besiedeln sie vielleicht sogar den Mars. Das Militär setzt auf SpaceX, die Polizei auf Palantir, und alle anderen nutzen AWS, den Cloudservice von Amazon-Chef Jeff Bezos. Kein Wunder, dass viele sich fragen, ob und wie man heute überhaupt noch eingreifen kann.

Die „Cables of Resistance“-Konferenz in Berlin widmete sich jüngst genau dieser Frage: Wo lohnt es sich, Widerstand gegen Big Tech zu organisieren, und kann dies künftig demokratisch und nicht autoritär realisiert werden?

Berlin ist dafür der richtige Ort, denn es stellt seit Langem ein Zentrum des Anti-Tech-Protests dar: Schon zu Edward-Snowden-Enthüllungszeiten war die Stadt wichtig. Hier gründeten Tech-Worker Betriebsräte, migrantische Beschäftigte der Gig-Economy leisteten Widerstand und 2017 wurde hier der Google-Campus im Stadtteil Kreuzberg verhindert.

Neuer Ansatz: Breite Bündnisse im Kampf gegen Datencenter

Doch wo ansetzen, wenn alles etwas eingeschlafen scheint? Ein zentrales Thema war die Ansiedlung von Datencentern, die KI antreiben. Berlin und Brandenburg werden neben Frankfurt zum europäischen Hotspot. Dutzende Großanlagen mit Hunderten Megawatt Leistung sind geplant, was dem Stromverbrauch einer mittleren Stadt entspricht. Für die Regionen bringen sie kaum Vorteile: wenige Jobs, geringe Steuereinnahmen, Ressourcenprobleme.

Doch genau hier kann Widerstand ansetzen. Denn die Kommunen entscheiden über die Bebauungspläne. Und wer früh aktiv wird, kann in Bündnissen Projekte stoppen. Das berichteten auch Aktivisten aus anderen Ländern wie Irland, die sowohl beim Ausbau von Datencentern als auch beim Protest dagegen weiter sind.

Auf der Konferenz waren sich viele Besucher einig, dass Widerstand allein keine bessere Zukunft garantiert. Ein Höhepunkt war deshalb die Debatte am letzten Tag mit der Frage, welche Plattformen überhaupt demokratisch genutzt werden können. Vor allem kleinere Dienste wie ImmoScout24 oder Doctolib sind hier im Blick, da sie zentral für Wohnraum- und Gesundheitsversorgung sind.

Wenn diese Plattformen nicht nach Profit, sondern nach gesellschaftlichen Bedürfnissen betrieben würden, ließe sich erstmals wieder aktiv Infrastruktur gestalten. Ein Startpunkt für den organisierten Widerstand gegen Big Tech scheint gesetzt.