„Tatort“ aus Freiburg: Eine Nacht, viele Lügen

Ein Toter im Club, ein Verdächtiger unter Druck – und eine Polizei, die selbst ins Zwielicht gerät: So wird der „Tatort“ aus Freiburg.
- 3 von 5 Punkten
- unterhaltsamer Krimi um Vorurteile und Moral
Worum geht’s in diesem „Tatort“?
Totschlag im Nebenraum eines Freiburger Clubs: Der mutmaßliche Täter Ramin Taremi (Omid Memar) – ein Migrant mit Vorstrafen – ist verhaftet und wird von Kommissar Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) im Präsidium verhört. Das Ziel: Ein schnelles Geständnis des Intensivtäters, damit der Kommissar ihn gar nicht erst wieder laufen lassen muss.
Am Ort der Tat hält Franziska Tobler (Eva Löbau) die Rockergang des Opfers in Schach, die nur zu gern auf die Freunde des Täters im Club losgehen würde. Gleichzeitig sammelt sie Indizien für den Hergang der Tat. Dass keinerlei Tatwerkzeug zu finden ist, gibt ihr zu denken. Und wo bleibt überhaupt das Protokoll der Bereitschaftspolizei, die als erste vor Ort war?
Warum lohnt sich der Fall „Innere Angelegenheiten“?
Eine Nacht, ein Mord: Der Film spielt sich innerhalb der ersten Stunden nach der Tat ab und zeigt parallel die Geschehnisse im Club, auf dem Präsidium und rund um die Truppe der Bereitschaftspolizei, die etwas vertuschen will. Das sorgt nicht nur für Abwechslung, sondern auch für Spannung, wenn Verhör für Verhör stückchenweise die Wahrheit näher rückt. Es geht um die Frage, wer wem vertrauen kann und wie man jemanden zum Reden bringt. Dabei wird besonders deutlich, wie schwer sich die migrantische Community aus Vorurteilen befreien kann. „Die Polizei beschuldigen? Wann ging das bitte gut aus?“, fragt der Bruder des Verdächtigen etwa rhetorisch.
Was stört?
Die Rockerbande „Devils“ wirkt arg angestaubt, erinnert eher an die T-Birds aus „Grease“ oder 80er-Jahre-Filmbösewichte als an echte Bedrohung. Außerdem klingen die Dialoge um Moral und Gewissen zwischen den jungen Bereitschafts-Polizisten und Polizistinnen manchmal stark nach Klassenaufsatz im Ethik-Unterricht.
Die Ermittler?
Hinter Kommissarin Tobler liegt ein hochemotionaler Tag, als sie nachts zum Tatort gerufen wird: Sie hat gerade das Haus ihres verstorbenen Vaters ausgeräumt. Nach außen bleibt sie ruhig und souverän wie immer, doch gegenüber ihrem Kollegen Berg bricht es aus ihr heraus: „Mein Vater war ein Weltmeister darin, sich alles so hinzubiegen. Ja, man muss Kollegen schützen, diese ganze Macho-Scheiße! Und mich macht fertig, dass du auch so sein kannst. Weil ich ja weiß, dass du auch anders sein kannst. Dass wir halt auch ehrlich miteinander sind“, sagt sie, als klar wird, dass sie eventuell gegen ihre eigenen Kollegen ermitteln müssen. Doch Kommissar Berg bleibt stark an ihrer Seite: „Wir graben den Acker um“, verspricht er ihr.
Ein- oder ausschalten?
Einschalten, auch, wenn das Finale etwas langatmig ist: Die Frage nach dem Täter bleibt bis zum Schluss offen und sorgt für Spannung.
„Tatort: Innere Angelegenheiten“ läuft am Sonntag, 19. April, 20.15 Uhr im Ersten.
Source: stern.de