Spritpreise steigen trotz sinkender Rohölpreise weiter

Der Rohölpreis sinkt, doch die Spritpreise steigen weiter. Der ADAC fordert, die Entlastungen schnell an die Verbraucher weiterzugeben. Ein Blick nach Frankreich zeigt, wie stark der Effekt sein könnte.

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Trotz abgestürzter Rohölpreise haben die allermeisten Tankstellen am Mittwochmittag ihre Preise erneut deutlich erhöht. Im bundesweiten Durchschnitt verteuerte sich Superbenzin der Sorte E10 zwischen 11.45 Uhr und 12.15 Uhr um 5,7 Cent pro Liter, Diesel um 5,3 Cent, wie der ADAC mitteilt. Nach der Erhöhung kostete ein Liter E10 im Schnitt 2,208 Euro, ein Liter Diesel 2,471 Euro.

Bei genauer Betrachtung deuten die jüngsten Anhebungen aber in Richtung sinkender Spritpreise, denn der Anstieg am Mittwochmittag war der bisher niedrigste seit Einführung der 12-Uhr-Regel vor einer Woche. Sie besagt, dass Tankstellen nur noch einmal am Tag die Preise erhöhen dürfen. Preissenkungen sind jederzeit möglich.

Noch vergangene Woche hatten die Preissprünge um die Mittagszeit teilweise mehr als 10 Cent betragen, nun geht es weniger stark nach oben. Und auch die Durchschnittspreise um 12.15 Uhr sind niedriger als am Vortag zur selben Zeit – bei E10 um knapp 3 Cent, bei Diesel sogar um gut 3 Cent.

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Der ADAC fordert, dass der gesunkene Ölpreis „zügig an die Verbraucher weitergegeben werden“ muss. Wie schnell dies passiert, ist aber unklar. Das Bundeskartellamt hat in der Vergangenheit beobachtet, dass Kostensteigerungen schnell im Preis sichtbar werden, sinkende Kosten aber nur langsam.

Auch die „Wirtschaftsweise“ Monika Schnitzer sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Hoch gehen die Preise immer schnell, die Absenkung dauert in der Regel einige Tage. Ich gehe aber davon aus, dass die niedrigeren Ölpreise weitergegeben werden.“

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In Frankreich gibt es bereits erste Einschätzungen, wie stark der Effekt sein könnte: Der Vorsitzende der Ölindustrieunion, Olivier Gantois, sagte im Sender France Info, dass die Spritpreise in den kommenden Tagen um 5 bis 10 Cent pro Liter sinken könnten, falls sich der Ölpreis pro Barrel bei etwa 93 bis 95 Dollar halten sollte.

Benzinpreis war schon Dienstag gesunken

Der Benzinpreis hatte schon am Dienstag im aussagekräftigeren bundesweiten Tagesdurchschnitt nachgegeben – erstmals nach elf Anstiegen in Folge. Mit 2,188 Euro pro Liter war der Kraftstoff 0,4 Cent günstiger als am Vortag und bleibt damit unter dem Allzeithoch aus dem März 2022, dem er davor bis auf 1,1 Cent nahegekommen war.

Diesel verteuerte sich am Dienstag im bundesweiten Tagesschnitt allerdings weiter. Mit einem Anstieg um 0,4 Cent auf 2,447 Euro ergab sich der siebte Rekordtag in Folge. Insgesamt sind die Spritpreise seit Ausbruch des Krieges extrem stark gestiegen. Superbenzin der Sorte E10 war am Dienstag um 41 Cent pro Liter teurer als vor den Angriffen, Diesel um gut 70 Cent.

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Vergangene Woche sind mehrere von der Berliner Koalition im Eilverfahren beschlossenen neuen Vorschriften in Kraft getreten: Seitdem dürfen die Spritpreise an den Tankstellen nur noch einmal täglich um 12 Uhr mittags erhöht werden. Preissenkungen sind jederzeit erlaubt.

Die Regel steht allerdings in der Kritik, da in der ersten Woche ihrer Gültigkeit die Spritpreise deutlich und fast durchgehend gestiegen sind. „Das österreichische Modell mit einer Preiserhöhung pro Tag funktioniert nicht“, sagt beispielsweise der Kraftstoffmarkt-Experte des ADAC, Christian Laberer.

Über weitere Maßnahmen ist sich die schwarz-rote Koalition noch uneins. Vizekanzler Lars Klingbeil lädt Vertreter aus Wirtschaft und Gewerkschaften am kommenden Freitag zu einem „Sozialpartnergespräch zu den wirtschafts- und finanzpolitischen Auswirkungen des Iran-Kriegs“ ins Finanzministerium.

dpa/saha

Source: welt.de