Produktion ab 2028: Türkischer Munitionshersteller plant Fabrik in Estland

Das türkische Rüstungsunternehmen Arca plant in Estland eine Fabrik zur Herstellung von Artilleriegeschossen und anderer Munition. Das teilte das estnische Zentrum für Verteidigungsinvestitionen in der estnischen Hauptstadt Tallinn am Dienstag mit. Demnach soll die estnische Tochterfirma des türkischen Munitionsherstellers 300 Millionen Euro in den Bau des Werkes investieren. Dafür will Estland ein 141 Hektar großes Grundstück in einem Industriepark sowie die Infrastruktur rund um die neue Fabrik zur Verfügung stellen. Die Produktion soll 2028 anlaufen und bis zu 1000 Arbeitsplätze schaffen.
„Mit dem Aufbau einer Produktion für großkalibrige Munition unternimmt Estland einen wichtigen Schritt zur Weiterentwicklung seiner Verteidigungsfähigkeiten und seiner Munitionsindustrie“, wurde Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur in einer Mitteilung des estnischen Zentrums für Verteidigungsinvestitionen zitiert. Die Vereinbarung werde der estnischen Wirtschaft Investitionen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro und Hunderte neue Arbeitsplätze bringen. Die offizielle Unterzeichnung der Vereinbarung soll Anfang Mai in der Türkei im Rahmen der Messe Saha Expo 2026 stattfinden.
Dem Estnischen Zentrum für Verteidigungsinvestitionen zufolge ist Unternehmen Arca Baltics Operations OÜ mit dem türkischen Rüstungskonzern Arca Defense verbunden, dessen Exportvolumen laut dem estnischen Zentrum für Verteidigungsinvestitionen im vergangenen Jahr über drei Milliarden Euro betrug. Der Konzern beschäftige demnach rund 5000 Mitarbeiter in neun Werken und sei neben den Bereichen Verteidigung und Luftfahrt auch in der Energie- und Baubranche aktiv.
Rheinmetall baut Fabriken in Litauen und Lettland
In der neuen Fabrik in Estland sollen künftig 155-mm-Artilleriemunition, Mörsermunition verschiedener Kaliber und 122-mm-Raketen produziert werden, wie Arca auf seiner Webseite bekannt gibt. Der an Russland grenzende EU- und NATO-Staat rüstet seine Armee massiv auf, dafür wurden die Verteidigungsausgaben zuletzt stark erhört. Grund dafür sei die zunehmende Bedrohung durch Russland.
Anders als Lettland und Litauen setzt Estland beim Ausbau der Munitionsproduktion nicht auf deutsche Unterstützung: Zuletzt hatten die beiden anderen Baltenstaaten ein Abkommen mit Europas größtem Munitionsproduzent Rheinmetall unterzeichnet. Der Düsseldorfer Konzern baut in Litauen am Standort Baisogala ein neues Munitionswerk für schwere Artillerie, welches bereits 2026 in Betrieb genommen werden soll. Auch in Lettland soll eine Produktionsanlage für Artilleriemunition des Kalibers 155 mm entstehen.
Estland dagegen hatte die Bedingungen des von Rheinmetall erhaltenen Angebots als ungünstig bewertet. Stattdessen suchte die estnische Regierung mittels einer öffentlichen Ausschreibung nach einem Munitionshersteller. Rheinmetall habe sich nach früheren Angaben von Pevkur daran nicht beteiligt, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.