Pride-Parade in Budapest: Meine verbotene Heiterkeit

Heute ist es so weit. In wenigen Stunden beginnt die von Viktor Orbán verbotene Budapester Pride-Parade. Durch eine kalendarische Koinzidenz fällt das 30. Jubiläum dieser jährlichen Demonstration für LGBTQ+-Gleichberechtigung auf den 56. Jahrestag der Stonewall Riots in der New Yorker Christopher Street, als sich schwule Männer und Dragqueens zum ersten Mal vehement gegen die willkürlichen, oft brutalen Polizeirazzien wehrten.

Nach einer unruhigen Nacht sitze ich auf der Fensterbank meines Hotelzimmers und blicke in den Himmel. Die erste schwule Demo am Gay Freedom Day, an der ich teilnahm, fand 1982 in Köln statt. Mehrere Hundert Männer liefen damals an einem Samstagnachmittag um den Kölner Neumarkt herum und skandierten: „Wir sind die schwulen Tanten und grüßen die Passanten“ – begleitet vom klassischen Knickhändchen und einem schrillen, fisteligen Hui! Bevor ich gleich das Hotel verlasse, überfliege ich noch einmal die aktuellen Sicherheitshinweise: festes Schuhwerk – falls man rennen muss. Sonnenbrille – falls Reizgas eingesetzt wird. Das eigens für die Protestaktion Europe is watching gestaltete T-Shirt mit dem Aufdruck „Support Budapest Pride 2025“ liegt bereit. Diese Initiative, die ich zusammen mit Thomas Hermanns, Bettina Böttinger und Carolin Emcke gestartet habe, beinhaltet einen offenen Brief. Darin bringen wir unser Entsetzen und unsere Wut über die sich in Ungarn zuspitzende Lage für queere Menschen zum Ausdruck – ein Zustand, der im Verbot der Pride-Parade seinen vorläufigen Tiefpunkt erreicht hat. Ein eklatanter Verstoß gegen EU-Recht.