Nachhaltigkeit: Banken werden die Transformation innig eskortieren

Die Verfechter der Nachhaltigkeit mussten in den vergangenen Jahren einige Rückschläge erdulden. Die geopolitische Lage hat sich gewandelt, Regierungen mit anderen Werthaltungen haben die Macht übernommen, klimawandelskeptische Parteien wurden in Parlamenten gestärkt. Energiekosten sind gestiegen, vielen Unternehmen, darunter vielen im deutschen Mittelstand, gilt Nachhaltigkeit als lästiges Beiwerk in einer wirtschaftlich schwierigen Ausgangslage.
Was sich bislang aber noch nicht geändert hat, sind die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken, die Klimaziele der Europäischen Union und die Aufsichtspraxis gegenüber Banken durch die Europäische Zentralbank (EZB) und die Europäische Bankenaufsicht (EBA). Das führt auch dazu, dass die deutschen Kreditinstitute weiterhin ihre Rolle als Transformationsbegleiter ausfüllen wollen. Einige haben schon konkrete Transitionspläne aufgestellt, in denen sie darüber aufklären, wie sie ihre klimabezogenen Geschäftsrisiken senken wollen.
„Unsere Banken halten weiter Kurs, sie haben die Ziele nicht verwässert“, sagt Torsten Jäger, Leiter Sustainable Finance des Deutschen Bankenverbands, im Gespräch mit der F.A.Z. Dessen Mitgliedsinstitute begriffen ihre Rolle als Ermöglicher von nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten. Indem sie Risiken für das Klima und den Verlust an Biodiversität in ihre Kreditentscheidungen einbeziehen, könnten sie dazu beitragen, Unternehmen in eine emissionsärmere und ressourcenschonende Produktionsweise zu bewegen.
Banken wollen die Transformation der Wirtschaft mitgestalten
Trotz des widrigen Umfelds habe sich an den Klimazielen des Bankensektors nichts geändert. Die Institute strebten an, die Transformation der Wirtschaft mitzugestalten, sagt Jäger. „Das wollen wir mit den Kunden machen, und das treibt auch die Banken um, weil sich frühzeitiges Handeln rechnet.“ In der Vergangenheit waren immer wieder Zweifel aufgekommen, ob Institute ihre Kreditentscheidung tatsächlich davon abhängig machen, dass physische Risiken dadurch zunehmen. Zuletzt hat eine Studie der Frankfurt School of Finance empirisch nachgewiesen, dass dies schon in der Vergangenheit nachweisbar der Fall gewesen ist.
Die Banken können sich von Aufsichtsseite auch nicht auf Regulierungsnachlässe einstellen. Die EZB hat schon erste Strafzahlungen verhängt, wenn Banken nicht ausreichend Klimarisiken berücksichtigten. Doch dies sei nur der regulative Rahmen, betont Jäger. In den Mitgliedsinstituten werde darüber hinaus viel über einen positiven Einfluss auf eine Transformation nachgedacht. Einen Ansporn, diese Diskussion weiterzuführen, hat der Verband selbst im Herbst mit einem Positionspapier gegeben, das die Rolle der Banken deutlich gemacht hat.
„Wir wollen damit erreichen, dass man die Transformation als eine große Chance auch für den deutschen Wirtschaftsstandort sieht“, sagt Jäger. „Es geht um Zukunftschancen, Resilienz und Risikomanagement, kurz: eine positive Vision von Nachhaltigkeit.“ Bislang würde der Realwirtschaft noch nicht ausreichend Geld zur Verfügung gestellt, um die Anforderungen zu erfüllen. „Die Investitionen finden nicht in dem Maße statt, wie sie notwendig wären.“ Damit die Zielrichtung weiter klar sei und Unternehmen Rechtssicherheit hätten, sei entscheidend, den europäischen Emissionshandel gegen Angriffe zu schützen. „Wir halten den Emissionshandel oder generell die CO₂-Bepreisung als marktwirtschaftliches Instrument für notwendig“, sagt er.
Frühzeitiges Handeln rechne sich für Banken und Unternehmen
Sowohl die Finanzbranche als auch die Industrie müssten physische Risiken monetär bewerten. Weil die Richtlinie für Nachhaltigkeitsberichte (CSRD) überarbeitet wurde, fallen deutlich weniger Unternehmen unter die Berichterstattungspflicht. „So wichtig Bürokratieabbau ist: Das ist natürlich für die Datenlage jetzt alles andere als optimal“, kritisiert Jäger. Nun müssten sich Banken die entscheidungsrelevanten Daten auf anderem Weg beschaffen.
Noch weitere Arbeit sei rund um das Thema Biodiversität nötig. Hier fehle es noch an mess- und vergleichbaren Kennziffern, die physische Risiken sauber abbildeten. Bei solchen vergleichsweise neuen Aspekten der Nachhaltigkeitsmessung wolle der Bankenverband als eine Plattform agieren, über die sich die vielversprechendsten Ansätze schnell verbreiteten.
Aus Sicht des Bankenverbands müssten Institute und Wirtschaft weiter kooperieren, um das Pariser Klimaschutzabkommen umzusetzen. Die Transformation sei ökonomisch geboten, weil sich frühzeitiges Handeln wirtschaftlich rechne. Dabei müssten die mit Klimarisiken verbundenen Kosten genauso wie die Adaptionskosten ermittelt werden. Überdies sei der Wandel hin zur Nachhaltigkeit eine Basis für künftige Profitabilität. Resilienz werde zu einem immer wichtigeren Wert. „Allein mit den Banken wird Transformation nicht stattfinden, aber sie wird auch nicht ohne Banken stattfinden. Wir sind ein Zahnrad im großen Ganzen“, sagt Jäger.
Source: faz.net