Nach Brandbrief gegen Frohnmaier: AfD leitet Verfahren gegen Abgeordneten Moosdorf ein
Nach Brandbrief gegen FrohnmaierAfD leitet Verfahren gegen Abgeordneten Moosdorf ein
21.04.2026, 08:26 Uhr

Wegen eines scharfen Angriffs auf seinen Parteifreund Frohnmaier droht AfD-Mann Moosdorf eine Strafe. Die Partei regelt damit auch einen Streit um den außenpolitischen Kurs der Partei: Moosdorf warf Frohnmaier Trump-Hörigkeit vor, Moosdorf steht wegen seiner Verbindungen nach Moskau in der Kritik.
In der AfD-Bundestagsfraktion rumort es erneut wegen gegenseitiger persönlicher Angriffe und Meinungsverschiedenheiten über den politischen Kurs. Der Fraktionsvorstand beschloss, ein Ordnungsverfahren gegen den sächsischen Abgeordneten und früheren außenpolitischen Sprecher der Fraktion, Matthias Moosdorf, einzuleiten. Bevor über mögliche Maßnahmen entschieden wird – etwa eine Rüge oder ein Ordnungsgeld – kann der Abgeordnete laut Geschäftsordnung der Fraktion zunächst Stellung nehmen.
Hintergrund ist ein öffentlich gewordener Brief Moosdorfs an seine Fraktionskollegen. Darin greift er Fraktionsvize Markus Frohnmaier, den aktuellen außenpolitischen Sprecher und Vorsitzenden des Arbeitskreises Außenpolitik, hart an und fordert indirekt dessen Ablösung. In dem Schreiben zweifelt Moosdorf offen an Frohnmaiers Eignung und außenpolitischer Kompetenz. Er kritisiert ihn zudem wegen Vetternwirtschaft.
Moosdorf schreibt, er halte es für dringend geboten, „die personelle Besetzung im Arbeitskreis Außen kritisch zu überprüfen“ und „klare Maßstäbe für die Eignung und das Auftreten in der Funktion des außenpolitischen Sprechers zu definieren“. Er wirft Frohnmaier „späte und oft falsche Einschätzungen, aber auch echte Entgleisungen“ vor. Er bezieht sich unter anderem auf dessen Äußerung kurz nach Beginn des Iran-Kriegs: Die Regierung von US-Präsident Donald Trump habe „chirurgisch präzise und zielorientiert gehandelt“.
„Wer Moosdorf kennt, kann sich seinen Teil denken“
Moosdorf verweist auf den Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit mindestens 168 getöteten Schülerinnen. Er wirft seinem Fraktionskollegen vor, solche Worte wirkten zynisch und unangemessen und beschädigten die außenpolitische Glaubwürdigkeit der Fraktion. Die „Bild“-Zeitung hatte Frohnmaier zu dem Brief mit den Worten zitiert: „Wer Herrn Moosdorf kennt, kann sich seinen Teil dazu denken. Alles Weitere besprechen wir intern.“
Frohnmaier war Spitzenkandidat der AfD bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg, hatte sich eine Woche vor der Wahl aber in den USA aufgehalten und an einer Konferenz teilgenommen. Frohnmaier und andere AfD-Politiker bemühen sich seit dem Amtsantritt von Trump verstärkt um intensive Kontakte nach Washington. Es gab mehrere USA-Trips und Treffen mit Republikanern, ein Social-Media-Berater Trumps kam zum Vortrag in die AfD-Bundestagsfraktion nach Berlin.
Nach der US-Militäraktion in Venezuela, dem Konflikt um Grönland und besonders nach dem Beginn der US-Angriffe auf den Iran hatte sich die AfD-Spitze allerdings kritisch zu Trumps Außenpolitik geäußert. AfD-Chef Tino Chrupalla sagte ntv damals: „Ich feiere nicht Raketenangriffe, egal auf welches Land und von wem sie kommen. Das kann man nicht feiern, weil immer Zivilisten getötet werden und das kann man nur verurteilen“.
In der vergangenen Legislaturperiode stand auch Moosdorf als außenpolitischer Sprecher fraktionsintern in der Kritik. Es ging etwa um eine Russland-Reise und Verbindungen nach Moskau. Der Cellist hatte eine Honorarprofessur an der international bekannten Moskauer Gnessin-Musikhochschule angenommen. Die Akademie wird vom russischen Kulturministerium finanziert.
Erst vor einer Woche war der frühere Bundeswehroffizier Rüdiger Lucassen nach langen internen Querelen als verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion und als Chef des Arbeitskreises Verteidigung der Fraktion zurückgetreten. Es ging um seinen Führungsstil, aber auch um einen inhaltlichen Streit über die Frage der Ausrichtung der AfD mit Blick auf Bundeswehr, Wehrpflicht und Staatsverständnis.
Source: n-tv.de