Jugend und Social Media: Das Unwissen verbleibend Kinder und Smartphones ist gewollt

Die Bestandsaufnahme der vom Familienministerium eingesetzten Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ lässt sich zusammenfassen mit: Nichts Genaues weiß man nicht. Das dürfte zwar jene enttäuschen, die in Smartphone‑ oder Social‑Media‑Verboten die Lösung vieler Jugendprobleme sehen.
Aber es ist nun mal das, was man von Experten erwarten kann, die mit 128 Seiten die wohl bislang umfassendste Betrachtung der Techniknutzung abliefern. Man weiß zwar, dass Kinder und Jugendliche viel am Smartphone hängen (schon bei Zwölfjährigen sind es fast drei Stunden am Tag), doch ob das gravierende Folgen hat, hängt stark davon ab, was sie dort tun. Und genau das ist kaum erfasst.
Was machen Kinder und Jugendliche online?
Negative Auswirkungen sind nur für problematische und suchtähnliche Nutzung einwandfrei belegt, demgegenüber stehen positive Aspekte wie die gesellschaftliche Teilhabe. Über die Wirkung von KI weiß man noch weniger Bescheid. Diesen Wissenslücken wird man so schnell nicht beikommen. Das liegt in der komplexen Natur der Sache – und daran, dass Techfirmen das Unwissen strategisch einsetzen, um sich aus der Verantwortung zu stehlen. Die große Frage ist also, wie man mit dieser Unsicherheit umgehen sollte. Die Expertenkommission wird sie im Juni beantworten müssen, wenn sie Handlungsempfehlungen vorlegt.
Für Eltern ist diese Frage leicht zu beantworten: Sie sollten die Unsicherheit angehen, indem sie sich fragen, was ihre Kinder auf Onlineplattformen treiben. Nur: Das tun viele, die dazu in der Lage sind, vermutlich ohnehin. Kinder aus soziodemographisch schlechter gestellten Haushalten sind von den negativen Auswirkungen eher betroffen.
Gerade ihnen würde man mit Medienerziehung in Schulen und einem besseren Schutz vor schädlichen Inhalten und suchtfördernden Funktionen der Onlineplattformen helfen. Das geht aller Unsicherheit zum Trotz nur über Alterskontrollen und eine härtere Gangart gegenüber den Plattformbetreibern, auch was die Durchsetzung geltender Regeln betrifft.
Dabei sollte man sich von der Vorstellung trennen, dass es Positives wie gesellschaftliche Teilhabe nur im Paket mit fragwürdigen Geschäftspraktiken der Aufmerksamkeitsökonomie gibt. Anders ausgedrückt: Jugendliche könnten sich durchaus auf Plattformen vernetzen, unterstützen, Ideen entwickeln, kreativ sein, ohne dass Konzerne dabei ihr Verhalten algorithmisch analysieren, um ihnen – teilweise – schädliche, aber fesselnde Inhalte zu präsentieren. Alles andere ist ein Märchen, das vor allem den Konzernen nützt.
Source: faz.net